Bargeld-Krise: Deshalb gibt es immer weniger Trinkgeld

Dresden - Auflegen, Piepton abwarten - fertig. So zahlt man heute kontaktlos mit Karte oder Handy. Zuletzt ist im Dezember Apple Pay neu gestartet. Doch beim schnellen Bezahlen bleibt immer öfter das Trinkgeld auf der Strecke, klagen Servicekräfte.

Nur Bares ist Wahres: Restaurantfachfrau Susann Krautwald (33) bekommt immer seltener Trinkgeld, wenn mit Karte bezahlt wird.
Nur Bares ist Wahres: Restaurantfachfrau Susann Krautwald (33) bekommt immer seltener Trinkgeld, wenn mit Karte bezahlt wird.  © Norbert Neumann

Ob im Restaurant, beim Pizzaboten, im Taxi oder beim Friseur: Bei gutem und freundlichem Service gibt's Trinkgeld. Jedenfalls bislang. "Weil Trinkgeld bei uns nicht mit Karte bezahlt werden kann, viele aber kein Bargeld mehr einstecken, habe ich Einbußen", erzählt Oberkellnerin Susann Krautwald (33) vom Hotel und Restaurant Bergwirtschaft Wilder Mann in Dresden. +

Ebenso läuft's beispielsweise auch beim Mexikaner "Espitas" (vier Filialen in Sachsen). Wer hier Trinkgeld geben will, sollte Ein-Euro-Stücke einstecken haben und bei Bedarf in bar geben.

"Die Bereitschaft, Trinkgeld zu geben, ist durch die elektronischen Zahlsysteme geringer geworden", bestätigt Rolf-Dieter Sauer (68) von der Dehoga, die in Sachsen über 2 000 Gaststätten und Hotels vertritt. Manche haben jetzt ein Drittel weniger im Portmonee.

Rolf-Dieter Sauer (68) von der Dehoga.
Rolf-Dieter Sauer (68) von der Dehoga.  © Norbert Neumann

Immerhin freute sich ein Revierkellner bislang über etwa 500 Euro Trinkgeld im Monat, wenn der Laden brummte. Und das sogar steuerfrei, wenn einem Angestellten das Geld bar zugesteckt wird. "Das haben wir 2002 vor Gericht erkämpft", sagt Dehoga-Hauptgeschäftsführer Axel Klein (49).

Manche lassen Trinkgeld jetzt lieber stecken, weil mit dem Mindestlohn auch die Preise auf den Speisekarten erhöht worden sind. Pizzaboten leiden unter der Flaute, seitdem viele online bestellen und - freilich ohne ein Trinkgeld - auch gleich online bezahlen.

Im Taxi sind Geschäftskunden bei Kartenzahlung knauserig geworden. In 350 der insgesamt 480 Fahrzeuge von FunkTAXI Dresden werden Karten akzeptiert. "Doch weil viele Firmen bei der Spesenabrechnung Trinkgeld nicht erstatten, geben viele Dienstreisende keins", sagt Taxi-Vorstand Henry Roßberg (63).

Wie viel ist genug?

Wie viel Trinkgeld ist hierzulande eigentlich angemessen? "Zehn Prozent vom Rechnungsbetrag", empfiehlt Uwe Franz (60) von der Leipziger Taxigenossenschaft "Löwentaxi". "Wer bei 19,88 Euro nur ein paar Cent auf den nächsten runden Eurobetrag aufrundet, beschämt den Fahrer. Ein Kollege gibt die paar Cent dann immer zurück und sagt danke, ich bekomme ausreichend Gehalt."

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