Nach TU-Absage: Professor Patzelt findet klare Worte in Richtung Universität

Dresden - Die TU Dresden beendet die Zusammenarbeit mit Professor Werner J. Patzelt. Am Samstag wurde bekannt, dass sein Antrag auf eine Seniorprofessur nicht mehr unterstützt wird (TAG24 berichtete). Sonntagnachmittag meldete sich der Professor auf Facebook zu Wort.

Per Video auf Facebook: Professor Patzelt erklärt die Gründe der TU Dresden zu Absage aus seiner Sicht.
Per Video auf Facebook: Professor Patzelt erklärt die Gründe der TU Dresden zu Absage aus seiner Sicht.  © Facebook

Dem 65-jährigen CDU-Mitglied wurde "Nähe zur AfD nachgesagt", denn er hatte früher für die Partei Vorträge gehalten und Gutachten geschrieben (TAG24 berichtete). Patzelt zufolge hat die Polarisierung in der Gesellschaft zum Niedergang der Debattenkultur beigetragen.

Nach Darstellung der Universität handele es sich um einen Verstoß gegen das "Mäßigungsgebot*".

Auf >> Facebook erklärt Patzelt zum Ende seiner Zeit an der TU Dresden:

"Liebe Freunde. Ende März Endet nach ungefähr 27 Jahren meine Zugehörigkeit zur Technischen Universität Dresden (TUD).

Mein Angebot, als Forschungsprofessor weiterhin Forschungsgelder für diese Universität einzuwerben, und mit der Publikation von Forschungsergebnissen bundesweit den Namen dieser Universität sichtbar zu machen – dieses Angebot wurde nicht angenommen"

Patzelt sieht folgende Gründe

Auf Facebook gibt es zahlreiche zustimmende Kommentare zu Patzelts Video.
Auf Facebook gibt es zahlreiche zustimmende Kommentare zu Patzelts Video.  © Facebook

"Ein Grund dafür war der Vorwurf, ich hätte in den vergangenen Jahren meine Rolle als Politikanalytiker und Politikwissenschaftler auf unzulässige Weise miteinander vermengt, gerade so, als ob es sich für einen Medizinprofessor nicht gehören würde, Kranke zu behandeln oder es unanständig wäre, wenn ein Musikprofessor öffentlich musizieren würde.

Ein anderer Grund war meine Kritik daran, dass der Gründungsprozess eines Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt vom Rektor der TUD und vom sächsischen Wissenschaftsministerium so gestreut worden sind, dass von den 37 Millionen (Euro), die in den Bundeshaushalt einzustellen gelang, keine einziger Cent an die TUD ging. Obwohl das Konzept eines solchen Instituts von einem Kollegen und von mir ausgearbeitet wurde und bereits seit dem Januar 2015 der TUD vorlag.

Kritik ist anscheinend unerwünscht, obwohl Wissenschaft und Demokratie doch wohl beide von Kritik leben.

Wie auch immer: Ich werde wissenschaftlich weiterhin präsent sein. Es wird demnächst ein Buch erscheinen über politische Bildung in Demokratien, es wird weiter Buch-Publikationen in den nächsten Monaten geben, und natürlich werde ich öffentlich weiterhin als Analytiker des politischen Geschehens und als ein Bürger präsent bleiben, der dafür zu sorgen hofft, dass die staatstragenden demokratischen Parteien bei den Wahlen dieses Jahres besser anschneiden, als derzeit so mancher befürchtet oder gar hofft."

(*Das Mäßigungsgebot zählt zu Grundpflichten von Beamten. Es verpflichtet Beamte, bei politischer Betätigung innerhalb und außerhalb des Dienstes "diejenige Mäßigung und Zurückhaltung zu wahren, die sich aus ihrer Stellung gegenüber der Allgemeinheit und aus der Rücksicht auf die Pflichten ihres Amtes ergeben".)

Prof. Dr. Werner Patzelt ist seit 1991 in Dresden Politikprofessor an der TU, war Gründungsprofessor des Dresdner Instituts für Politikwissenschaft. Er erforscht hier unter anderem die PEGIDA-Bewegung.

Dazu veröffentlichten Patzelt und sein Team mehrere Studien. Schwerpunkte seiner Lehr- und Forschungstätigkeit sind unter anderem die vergleichende Analyse politischer Systeme, die Parlamentarismusforschung, politische Kommunikation, die vergleichende historische Analyse politischer Institutionen sowie evolutionstheoretische Modelle in der Politikwissenschaft.

Politikwissenschaftler Werner Patzelt als Gast in der Landesvertreterversammlung der sächsischen CDU.
Politikwissenschaftler Werner Patzelt als Gast in der Landesvertreterversammlung der sächsischen CDU.  © DPA

Titelfoto: Facebook

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