Nach mildem Urteil für die S-Bahn-Schubser: So fühlt sich das Opfer jetzt

Verurteilt wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer Nötigung: Der Marokkaner Chakir A. (24, re.) erhielt als Haupttäter 3 Jahre und 2 Monate, Radouan K. (27) aus Libyen 2 Jahre und 9 Monate Haft, jeweils ohne Bewährung.
Verurteilt wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer Nötigung: Der Marokkaner Chakir A. (24, re.) erhielt als Haupttäter 3 Jahre und 2 Monate, Radouan K. (27) aus Libyen 2 Jahre und 9 Monate Haft, jeweils ohne Bewährung.  © Thomas Türpe

Dresden - Mehrjährige Gefängnisstrafen, aber nicht wegen versuchten Totschlags - das Urteil gegen die beiden S-Bahn-Schubser ist gefallen (TAG24 berichtete). Frieden findet das Opfer damit nicht. "Es ist nicht gerecht", sagt René J. (41).

Nachdem Chakir A. (24) aus Marokko und Radouan K. (27) aus Libyen René aufs Gleisbett stießen, ließen sie ihn nicht zurück auf den Bahnsteig klettern.

Ob die beiden Asylbewerber auch den nahenden Zug wahrnahmen, René töten wollten - das konnte ihnen aus Sicht der Schwurgerichtskammer nicht nachgewiesen werden.

"Hätte ich dafür unter der Lok landen müssen?", fragt sich René nun.

Für ihn ist die Tötungsabsicht klar, die verhängten drei Jahre Gefängnis zu milde.

Seine Anwältin Gesa Israel (50) legte Revision gegen das Urteil ein, ebenso die Staatsanwaltschaft.

Im März wurde er auf die Gleise am Bahnhof Zschachwitz gestoßen. René J. (41) akzeptiert das verhängte Urteil gegen seine Peiniger nicht.
Im März wurde er auf die Gleise am Bahnhof Zschachwitz gestoßen. René J. (41) akzeptiert das verhängte Urteil gegen seine Peiniger nicht.  © Norbert Neumann

René ist durch das Verbrechen im März nicht nur schwer traumatisiert.

Durch den Gleissturz verletzte er sich an der Schulter. Er wurde operiert, macht jetzt Reha. Doch seinen Arm wird er nie mehr so belasten können wie früher. Seinen Beruf als Gießerei-Mechaniker kann er vielleicht nie wieder ausüben.

Wegen der finanziellen Einbußen musste die Familie unfreiwillig in eine billigere Mietwohnung nach Freital umziehen. Ein wenig Luft holen konnten sie, nachdem ihre Anwältin ein Spendenkonto eingerichtet hatte.

"Wir danken jedem Einzelnen herzlich, der uns mit Geld oder Worten geholfen hat!", betont Renés Frau Marika (48). "Der Zuspruch ist Wahnsinn. Auch was unsere Anwältin Gesa Israel leistet. Ich bin so froh, dass wir sie haben."

René tritt nach dem Weihnachtsfest eine neue Trauma-Therapie an. 16 Wochen wird er in einer Klinik leben. Hat die Revision Erfolg, könnte danach alles noch mal neu verhandelt werden. Fraglich ist, ob ihm das wirklich helfen würde.


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