Die romantische Mistel wird zur Plage

Wer vom Blüherpark gen Dresdner Rathaus schaut, entdeckt zahlreiche Misteln 
in den Bäumen.
Wer vom Blüherpark gen Dresdner Rathaus schaut, entdeckt zahlreiche Misteln in den Bäumen.  © Steffen Füssel, dpa/Marion Nickig

Dresden - Knutsch! Sich unterm grünen Mistelzweig zu küssen, ist ein schöner Weihnachtsbrauch. Doch Weihnachten ist vorbei und die schmarotzende Pflanze bereitet nun mehr Sorge als Freude.

Denn in Sachsen breiten sich Misteln immer mehr aus. Besonders Streuobstwiesen sieht der Naturschutzbund (NABU) Sachsen in Gefahr!

Große grüne Bälle in den noch nackten Kronen der Bäume - gerade jetzt kann man Misteln gut erkennen. In Nordsachsen und im Dresdener Raum sind die Pflanzen aber zum echten Problem geworden.

„Bedenklich ist, dass auch der Dresdner Norden und Dresdner Westen, die bisher wenige oder gar keine Mistelstandorte aufwiesen, ebenfalls immer stärker betroffen sind“, heißt es aus dem Dresdner Umweltamt.

Besonders häufig siedeln Misteln in den Stadtteilen Strehlen, Blasewitz, Loschwitz sowie im Raum Pillnitz und Kleinzschachwitz, befallen dort Hybridpappeln, Linden, Birken, Robinien, Spitz- und Silberahorn.

Über 50 Jahre alt ist dieser Apfelbaum auf einer Streuobstwiese in Hainichen. 
Um ihn zu retten, hilft nur der radikale Rückschnitt der überhandnehmenden 
Misteln.
Über 50 Jahre alt ist dieser Apfelbaum auf einer Streuobstwiese in Hainichen. Um ihn zu retten, hilft nur der radikale Rückschnitt der überhandnehmenden Misteln.  © dpa/Waltraud Grubitzsch

Auch Apfelbäume sind als Wirte sehr beliebt. Ein großes Problem! NABU-Sprecherin Ina Ebert: „Auf Streuobstwiesen wachsen viele alte und seltene Apfelsorten.

Die gilt es zu schützen.“ Denn werden Streuobstwiesen nicht regelmäßig gepflegt, können sich Misteln ungestört ausbreiten, entziehen ihren Wirtsbäumen Jahr um Jahr mehr Wasser und Nährstoffe. Das beeinträchtigt die Fruchtbildung.

Im schlimmsten Fall kann der Baum auch sterben. Gefährdet seien bereits Bestände in Eilenburg, Hainichen und Dresden.

Um die Misteln los zu werden, helfe nur eins: Die Äste mit Mistelbefall sollten mindestens 30 bis 50 Zentimeter ins gesunde Holz zurück abgesägt werden, rät Ebert.

„Damit würde ich jetzt aber bis zum Sommer oder Winter warten. Denn die Brutzeit hat schon begonnen“, meint die Naturschützerin und stellt klar: „Wir wollen die Misteln natürlich nicht ausrotten, sie sind auch eine Bereicherung für die Natur, bieten Nahrung und Unterschlupf für viele Vögel.“


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