Meine Meinung: Keine Klarheit trotz Videobeweis! VAR stiftet Verwirrung

Dresden - Seit Beginn der Saison 2019/20 soll der Videobeweis auch in der 2. Bundesliga für Ordnung sorgen. Doch nachdem bei der 2:3-Heimpleite der SG Dynamo Dresden gegen Darmstadt 98 wieder einmal der Video Assistant Referee ins Spiel eingriff und dies die Fan-Gemüter stark erhitzte, drängt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Kölner Kellers auf. Der VAR sorgt nicht für Klarheit, sondern stiftet oft Chaos und Verwirrung. Ein Kommentar.

Patrick Schmidt hat gegen Marcel Schuhen (Rückennummer 1) zum Ausgleich getroffen. Dem Tor wird jedoch die Anerkennung verwehrt.
Patrick Schmidt hat gegen Marcel Schuhen (Rückennummer 1) zum Ausgleich getroffen. Dem Tor wird jedoch die Anerkennung verwehrt.  © DPA / Robert Michael

Nach einer fehlerhaften 1. Halbzeit lag Dresden zurecht gegen Darmstadt mit 1:3 zurück.

Doch im 2. Durchgang kämpften sich die Schwarz-Gelben zurück, markierten den Anschluss und in der 72. Minute durch Patrick Schmidt sogar das zwischenzeitliche 3:3.

Riesen Jubel im Rudolf-Harbig-Stadion. Ich packte mir die (mir gut bekannte) Person links neben mir im Fan-Block, hob sie kurz hoch, bis uns beiden sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggerissen wurde.

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Es folgte nämlich ein Signal aus Köln. Der junge Schiedsrichter Michael Bacher (31) schritt zum TV-Bildschirm an der Seitenlinie und gab das Tor wegen einer (angeblichen) Abseits-Stellung von Jannis Nikolaou nicht.

Mit dieser Meinung stand er ziemlich allein da. "??? Das war kein Abseits", erreichte mich eine Handy-Nachricht von der unparteiischen Liga-Konkurrenz aus Regensburg.

Selbst Ex-Profi Robert Hilbert (35) sprach bei Pay-TV-Sender Sky mehrfach von einer "klaren Fehlentscheidung". Wie konnte es dazu kommen, wenn sich der Referee die Szene doch mehrfach noch einmal auf dem Monitor ansehen konnte, bevor er eine Entscheidung fällte?

Vergleichbarkeit beim Videobeweis: Nikolaou vs. Gjasula

Schiedsrichter Michael Bacher schaut sich die Szene zum vermeintlichen 3:3 noch einmal auf dem Monitor an.
Schiedsrichter Michael Bacher schaut sich die Szene zum vermeintlichen 3:3 noch einmal auf dem Monitor an.  © DPA / Robert Michael

Kopfschütteln im weiten Rund und nicht das erste Mal, dass eine VAR-Entscheidung bei Dresden-Spielen Zweifel streute, anstatt für eine eindeutige Faktenlage zu sorgen.

Im Heimspiel gegen den FC St. Pauli stoppte Jannis Nikolaou seinen Gegenspieler Christian Conteh mit einer heftigen Grätsche am Mittelkreis - und das unmittelbar an der Trainerbank.

Zunächst sah Nikolaou nur gelb. Durch Videobeweis wurde er schließlich mit der Roten Karte vom Platz gestellt. Diese vollkommen richtige Entscheidung wurde nur Stunden später in der Bundesliga ad absurdum geführt.

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Genau wie Nikolaou entschied sich Paderborns Klaus Gjasula gegen Wolfsburg für ein brutales Einsteigen, um Yannick Gerhardt an der Seitenauslinie zu stoppen.

Gjasula sah eine seiner bisher 10 gelben Karten in dieser Spielzeit. Rot wäre jedoch die richtige Entscheidung gewesen. Der VAR griff jedoch nicht ein. Es gab kein Signal für Schiri Daniel Schlager, sich die Szene noch einmal anzuschauen.

Warum eigentlich nicht? Gelten in 1. und 2. Bundesliga andere Videobeweis-Regeln? Oder genießt Paderborn als krasser Außenseiter in Liga 1 Welpenschutz?

VAR-Fehlentscheidungen treffen Dynamo und die Liga-Konkurrenz

Marco Hartmann bedrängt Martin Männel, oder doch nicht? Anschließend liegt der Ball im Tor. Der Treffer zählt jedoch nicht.
Marco Hartmann bedrängt Martin Männel, oder doch nicht? Anschließend liegt der Ball im Tor. Der Treffer zählt jedoch nicht.  © Frank Kruczynski

Hier noch ein VAR-Beispiel mit Dynamo-Beteiligung.

Warum der 2:3-Anschlusstreffer von Dynamo in Aue nicht anerkannt, ist trotz Video Assistant Referee unklar. Denn ganz ehrlich: Marco Hartmann behinderte den "Veilchen"-Schlussmann Martin Männel kaum, konnte sich mit mehr als 1,90 Meter Körpergröße und gut 90 Kilogramm Körpergewicht auch nicht in Luft auflösen.

Und selbst für Dynamos Gegner ist der Videobeweis schon ein Dorn im Auge gewesen.

Der SV Wehen Wiesbaden legte nach der Auswärtspartie in Dresden Protest ein, nachdem ein lupenrein heraus gespielter Führungstreffer von Manuel Schäffler per VAR wieder aberkannt wurde, weil bei der Spielszene zuvor der Ball bereits die Torauslinie überschritten hatte.

Kaum jemand von den gut 25.000 Zuschauern im Stadion wusste damals, weshalb das Tor zurückgenommen wurde.

Das DFB-Sportgericht blieb bei seiner Entscheidung, schützte den Schiedsrichter und beließ es bei der Spielwertung. Die Diskussionen um Schiedsrichter sind trotz VAR-Einführung allerdings nicht weniger geworden.

Was früher die falsche Tatsachenentscheidung war, die man mit der Stammtisch-Phrase: "Der Schiri hat's eben nicht (richtig) gesehen", entschuldigen konnte, bleibt nunmehr oft als VAR-Frust zurück. Schiedsrichter liegen falsch, obwohl sie die Möglichkeit haben, sich eine Szene mehrfach in der Wiederholung ansehen zu können.

Vielleicht sollten die Verantwortlichen beim DFB den Videobeweis-Einsatz noch einmal überdenken. In der jetzigen Form herrscht eindeutig Verbesserungsbedarf.

TAG24-Redakteur Martin Gaitzsch.
TAG24-Redakteur Martin Gaitzsch.  © privat

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