Verfahren gegen Drogendealer: So ließ sich die Behörde veralbern

Michael K. verscherbelte über drei Kilo Crystal. Bis er verpfiffen wurde ...
Michael K. verscherbelte über drei Kilo Crystal. Bis er verpfiffen wurde ...  © Ove Landgraf

Dresden - Im Verfahren gegen den Drogenhändler Michael K. (49) verließ sich die Behörde schier blind auf einen Anzinker. Und legte eine gewaltige Bruchlandung hin.

Michael K. (49), Szenename Reisender, kaufte in Sachsen günstig Crystal, verkaufte teuer im restlichen Bundesgebiet. Laut Anklage verscherbelte er so über drei Kilo der Droge.

Ein anderer Dealer, Szenename Prinz, verpfiff den Reisenden. Der Prinz kassierte selbst sechs Jahre Haft. Der Staatsanwalt klagte Michael K. an und peilte neun Jahre Haft für ihn an.

Doch die Richter am Landgericht Dresden stuften den Prinzen, der als Belastungszeuge aussagte, danach als „absolut unglaubwürdig“ ein. Der Anwalt von Michael K. belegte per Google-Bewegungsprotokoll, wo der zu den angeblichen Tatzeiten war. Eben nicht beim Prinzen in Dresden.

Außerdem wurde der Prinz abgehört, als er am Telefon aus dem Knast heraus tönte, den Reisenden fertig machen zu wollen.

Letztlich blieb der Handel mit „nur“ 245 Gramm Crystal übrig. Dafür kassierte Michael K. jetzt drei Jahre und zehn Monate Haft. Außerdem tritt er jetzt eine Drogentherapie an. Läuft die gut, könnte er in zwei Jahren wieder auf freiem Fuß sein.

Gegen den Prinz dagegen ermittelt erneut der Staatsanwalt: Wegen Falschaussage und Vortäuschen von Straftaten.

Titelfoto: Ove Landgraf


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