Verrückte Farbenwelt im Wahlkampf: So bunt treiben es unsere Parteien!

Dresden - Die CDU in Grün, die FDP in Schwarz, die Grünen in Neonpink, kaum Rot bei Linken und SPD, aber mit AfD, Blauen und Freien Wählern gleich dreimal Blau - verrückte Wahlwerbewelt in Sachsen. Ist das Absicht? Oder Ungeschick? Haben sich die Parteien gar beschwatzen lassen? Oder bringen sich die Parteien aus reiner Selbstverleugnung um den Wiedererkennungswert?

CDU

Es grünt so grün - ist aber stramm konservativ. „Als Sächsische Union nutzen wir für unseren Auftritt schon immer die sächsischen Landesfarben Weiß und Grün", erklärt CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (31). "Für unsere Wahlkampagne 2019 haben wir den verwendeten Grünton etwas aufgefrischt und den Farbton Salbeigrün kreiert. Dazu kommt auf den Plakaten und Werbemitteln die Akzentfarbe Lemongelb, die wir auch im Rahmen der Unterstützerkampagne ,Team Kretschmer' verwenden."

© Thomas Türpe

SPD

SPD = Rot. Denkste! Die Traditionsfarbe der Genossen kommt nur noch spärlich vor. "Für unsere Plakate und die Social-Media-Arbeit verwenden wir neben der Farbe Rot drei weitere Farben (Gelb, Lila und Blau), die unsere Freude an unserer Arbeit und unsere Zuversicht für Sachsens Zukunft zum Ausdruck bringen", heißt es aus der Wahlkampfzentrale. "Sie sollen außerdem ein Stück weit Eigenständigkeit ausdrücken: Die SPD hat sich in Sachsen ihren eigenen Kopf bewahrt. Wir setzen auf eine frische, optisch moderne und auch inhaltlich zugespitzte Kampagne."

© Thomas Türpe

Die Linke

Auch den demokratischen Sozialisten ist das angestammte Rot weitestgehend abhandengekommen, immerhin die "Marke" linker Parteien auf der ganzen Welt und der Arbeiterbewegung. Aber: "Es gibt kein Material von uns, auf dem diese Farbe nicht zu sehen ist", sagt Wahlkampfmanager Tilmann Loos. Die zehn verschiedenen Farben der Themenplakate seien zur besseren Unterscheidung gewählt worden. Loos: "Der Trend bei anderen Parteien geht zu kleinen Logos. Auf jedem unserer Plakate ist unser Logo groß und deutlich zu erkennen, denn wir schämen uns nicht für unsere Partei."

© Thomas Türpe

Die Grünen

Lasst Blumen sprechen. Nur eine Sonnenblume verweist auf die Grünen, der Name ist mini. Dafür gibt es reichlich Lesestoff und Neonpink aufs Auge. Wie auch bei den anderen Parteien unterscheiden sich die Themen-Plakate von den Riesenpostern der Spitzenkandidaten (bei den Grünen natürlich zwei Personen). "Die Farben entsprechen dem Corporate Design unserer Partei und bieten daher, gemeinsam mit ihrer Intensität und Auffälligkeit, einen hohen Wiedererkennungswert", so Landessprecherin Magdalena Elkmann. Trotzdem habe der sächsische Landesverband selbst kreativ sein dürfen, da alle Länder im Wahljahr eigene Kampagnen hätten.

© dpa/Sebastian Kahnert

FDP

War da nicht was mit Gelb-Blau?! "Doch, schon. Die Parteifarben Gelb, Blau, Magenta finden sich in der gesamten Linie wieder und ziehen sich seit ein paar Jahren durch alle Wahlkämpfe", so Spitzenkandidat und Landes-Chef Holger Zastrow (50) unter Verweis auf Wahlplakate zu Sachthemen. Was sich 2019 aber unterscheide, seien Spannungsbögen und Bildsprache. Daher er höchstselbst im künstlerisch angehauchten Riesenporträt: "Die Auftaktkampagne stellt Fragen, die weitere Kampagne gibt Antworten. Und wir starten in der personalisierten Variante diesmal mit einem Schwarz-Weiß-Bild. Wir hoffen, so Aufmerksamkeit und Interesse zu erzeugen."

© Norbert Neumann

AfD

Keine Experimente! Zumindest bei der Farbe bleibt die AfD bei sich. Nur da und dort die Sachsenfarben. Ansonsten aber nix Schrilles, keine Pöbelei. Nicht mal alarmistische Symbole. Die AfD setzt als eine der wenigen Parteien auf durchgehende Wiedererkennung. Und trotzdem droht Verwechslungsgefahr: Da sind noch die "Blauen" von Ex-AfD-Chefin Frauke Petry (44) und die Freien Wähler, die hier und da nicht nur mit AfD-nahem Personal daherkommen, sondern - zumindest auf den ersten Blick - auch blau plakatieren.

© Thomas Türpe

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