Vierter Tankstellen-Überfall in acht Tagen! Polizei hält Knarren-Lady für Süchtige

Dresden - Die Tankstellenräuberin tanzt der Polizei auf der Nase herum. Montagabend um 20.35 Uhr schlug sie zum vierten Mal zu (TAG24 berichtete). Diesmal an der Star-Tankstelle an der Dohnaer Straße. Doch nicht nur die Polizei steht unter Druck, offenbar auch das Flintenweib selbst. Denn es macht unbeirrt weiter - trotz veröffentlichten Fahndungsfotos.

Dieses war der vierte Streich: Die Star-Tanke an der Dohnaer Straße/Ecke Spitzwegstraße wurde Montagabend überfallen.
Dieses war der vierte Streich: Die Star-Tanke an der Dohnaer Straße/Ecke Spitzwegstraße wurde Montagabend überfallen.  © Roland Halkasch

Wieder kam sie maskiert, dunkel gekleidet und mit vorgehaltener Pistole in den Shop der Tanke, forderte von der Angestellten (54) Geld und entwischte mit einer dreistelligen Summe. Binnen weniger Minuten waren 20 Streifenwagen im Einsatz, Kräfte des SEK wurden mobilisiert, die Hundestaffel und ein Hubschrauber nahmen die Fahndung auf.

Doch: Wieder keine Spur von der Räuberbraut. Einziger Unterschied: Während sie sich seit dem ersten Überfall am 20. Januar beim zweiten und dritten Überfall nur einen Tag Pause gönnte, ließ sie sich diesmal einen Tag länger Zeit.

Olaf Richter (50), zuständiger Dezernatsleiter bei der Dresdner Kriminalpolizei: „Vier Tankstellenüberfälle innerhalb weniger Tage sind ungewöhnlich. Offensichtlich braucht die Täterin regelmäßig Geld.

Es spricht daher einiges dafür, dass die Überfälle mit Beschaffungskriminalität im Zusammenhang stehen und wir die Täterin im Drogenmillieu suchen müssen.“

Wird die Täterin geschnappt?

Rund 60 Beamte waren im Einsatz. Mit dabei: Kräfte des SEK.
Rund 60 Beamte waren im Einsatz. Mit dabei: Kräfte des SEK.  © Roland Halkasch

Im Klartext: Es wird geschaut, welche Frauen in dem Bereich bereits auffällig geworden sind. Auch von den bislang zwanzig eingegangenen Zeugenhinweisen werden acht weitere Ermittlungen nach sich ziehen.

Zudem werden Dresdens Tankstellenbetreiber für den Ernstfall beraten.

Dennoch: "Für eine Festnahme auf frischer Tat werden wir sicher auch ein bisschen Glück brauchen. Schließlich wissen wir nicht, wo sie als nächstes zuschlagen wird," so Richter, der sicher ist, dass die Frau geschnappt wird.

Die Dresdner Polizei nimmt unterdessen Kontakt zu Dresdens Tankstellenbetreibern auf. Neben einer angebotenen Sicherheitsberatung sollen auch Verhaltensweisen im Falle eines Überfalls abgestimmt werden.

"Man fühlt sich angegriffen"

Für Tankstellen-Chefin Simone Saloßnick (54, links) steht die Sicherheit ihrer Mitarbeiter an erster Stelle. Mitarbeiterin Gudrun Schütte (62) wurde für den Ernstfall vorbereitet.
Für Tankstellen-Chefin Simone Saloßnick (54, links) steht die Sicherheit ihrer Mitarbeiter an erster Stelle. Mitarbeiterin Gudrun Schütte (62) wurde für den Ernstfall vorbereitet.  © Norbert Neumann

Vor drei Jahren wurde die Dynamo-Tanke an der Dohnaer Straße von einem Bewaffneten überfallen. Es sind schlimme Erinnerungen, die Tankstellenchefin Simone Saloßnick (54) bis heute daran hat. Die Überfall-Serie der Pistolen-Frau beschäftigt auch sie.

"Ich vermute, die Frau ist psychisch nicht gesund, das ist beunruhigend", sagt sie. Als ein Pistolenräuber ihre Tanke damals überfiel, hatte eine Mitarbeiterin Dienst. Der Räuber war zwar weniger resolut und kaufte erst einmal Kaugummis, doch auch er zückte eine Waffe. Die Mitarbeiterin rückte das geforderte Bargeld sofort heraus, der Räuber verließ den Laden. Es gab keine Verletzten.

Das Gefühl danach war trotzdem schrecklich: "Man fühlt sich persönlich angegriffen", sagt Simone Saloßnick. Erst hinterher wurde ihr klar, was noch hätte passieren können. Eine psychologische Betreuung lehnte die Kollegin damals ab.

"Ich habe dann die ganze Woche danach mit der Kollegin gemeinsam die Spätschicht gemacht", so Saloßnick.

So bereiten sich die Betreiber auf den nächsten Überfall vor

Er jagt mit seinen Männern die Knarren-Lady: Kripo-Dezernatsleiter Olaf Richter (50).
Er jagt mit seinen Männern die Knarren-Lady: Kripo-Dezernatsleiter Olaf Richter (50).

Dass die Pistolenfrau wieder zuschlagen wird, gilt als sehr wahrscheinlich. Die Polizei wird in den folgenden Tagen das Gespräch mit Tankstellenbetreibern zu Sicherheitsfragen und zum Verhalten im Ernstfall suchen.

Grundsätzlich gilt: "Im Falle eines Überfalls sollten die Betroffenen nicht den Helden spielen, sondern den Forderungen Folge leisten", fasst Polizeisprecherin Ilka Rosenkranz (41) zusammen.

Auch für Simone Saloßnick (54) steht in ihren drei Tankstellen die Sicherheit ihrer Mitarbeiter an erster Stelle. Sie hat angeordnet, möglichst nur geringe Mengen Geld in der Kasse zu belassen. Im Ernstfall dieses aber sofort herauszugeben, damit der Räuber den Laden möglichst sofort wieder verlässt. "Von Pfefferspray und stillem Alarm halte ich wenig", so Saloßnick. Das könnte den Räuber aggressiv machen. "Man muss ihn zufriedenstellen."

Zu Sicherheitsvorkehrungen bei Total, die zwölf Tankstellen in Dresden betreiben und an der Wiener Straße von der Räuberin "besucht" wurden, möchte sich das Unternehmen nicht äußern. Den Mitarbeitern werden jedoch "regelmäßig Schulungen zum Verhalten bei Überfällen angeboten", wie Sprecherin Annika Schön bestätigt.

Titelfoto: Roland Halkasch

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