Falsch geflogen! Geier verirrt sich nach Sachsen

Dresden - Was zum Geier... Ein Gänsegeier-Weibchen hat sich in die Radebeuler Weinberge verirrt. Nur dank schneller Hilfe konnte das Tier gerettet werden. Warum es überhaupt so weit in Richtung Norden flog, ist unklar.

Steffen Keller (60), Leiter der Wildvogelauffangstation Dresden mit der jungen Gänsegeier-Dame.
Steffen Keller (60), Leiter der Wildvogelauffangstation Dresden mit der jungen Gänsegeier-Dame.  © Tino Plunert

"Ich bin noch immer etwas aufgeregt", sagt Steffen Keller (60), Leiter der Wildvogelauffangstation Dresden. Er und seine Helfer wurden gerufen, als ein Anwohner den Vogel im Weinberg entdeckte.

"Ein Mitarbeiter und ich haben das Tier Gott sei Dank einfangen können." Das lief nicht ohne Blessuren für den Profi ab, denn das Weibchen hackte ihm ordentlich in den Finger.

Dann ging's zum Tierarzt. "Das Gänsegeier-Weibchen wiegt nur noch fünf Kilo, normal wären in dem Alter zehn", so Keller. "Außerdem war das Gefieder voll mit Flöhen und Ungeziefer." Hätten die Helfer das Tier nicht gefangen, es wäre wohl qualvoll verendet. Beim Tierarzt kam auch ein GPS-Tracker zum Vorschein.

"So fanden wir heraus, dass der Vogel erst im März oder April auf einer Insel im Mittelmeer geschlüpft ist und von einer Station in Zagreb markiert wurde." Normalerweise bleiben Jungtiere in den ersten fünf Jahren in der Nähe ihres Geburtsorts, bis sie geschlechtsreif werden.

"Warum der Geier bis zu uns geflogen ist, wissen wir nicht." Jetzt heißt es für die Dame aber erst einmal gesund werden, sie wird in Dresden überwintern. "Das verursacht für uns enorme Kosten", so Keller. "Eine neue Voliere muss gebaut und spezielles Hunde- und Katzenfutter gekauft werden."

In den Radebeuler Weinbergen konnte das Tier eingefangen werden. Warum es dort landete, können sich auch die Experten nicht erklären.
In den Radebeuler Weinbergen konnte das Tier eingefangen werden. Warum es dort landete, können sich auch die Experten nicht erklären.  © Tino Plunert
Erst beim Tierarzt kam der GPS-Tracker der Kollegen aus Kroatien zum Vorschein.
Erst beim Tierarzt kam der GPS-Tracker der Kollegen aus Kroatien zum Vorschein.  © Tino Plunert

Titelfoto: Tino Plunert

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