Vor 40 Jahren verschwand Dresdens Sophienschatz aus dem Stadtmuseum

Links: Diesen Verdächtigen sah ein Polizist 1977 am Tatort, bis heute wurde er nicht 
geschnappt. Rechts: Teile der Kette (m.) sind noch heute verschwunden.
Links: Diesen Verdächtigen sah ein Polizist 1977 am Tatort, bis heute wurde er nicht geschnappt. Rechts: Teile der Kette (m.) sind noch heute verschwunden.  © Polizeihistorische Sammlung Dresden

Dresden - Vor 40 Jahren landeten Kunstdiebe den größten Coup in der Geschichte der DDR, klauten vor den Augen der Polizei Teile des Sophienschatzes. Noch immer fehlen 15 Teile und jede Spur zum Täter.

Weil es so eine große Blamage für den Staat war, schossen schnell die Verschwörungstheorien empor: „Immer wieder gibt es Gerüchte, die Stasi hätte mit dem Fall zu tun gehabt“, sagt Hauptkommissar Wolfgang Schütze (54), der die Polizeihistorische Sammlung in Dresden betreut.

„Aber die haben doch selbst ihre Auslandsagenten auf den Fall angesetzt, so ihre Enttarnung riskiert. Ich halte das für äußerst unwahrscheinlich.“

Tatsächlich setzte der Staatsapparat 1977 nach dem Klau auf sonst unübliche Mittel: Hielt man Kriminalität sonst eher geheim, startete die Polizei sogar eine Öffentlichkeitsfahndung mit Phantombild.

Eine englische Kataloganzeige war die erste Spur zu einem Teil des 
Schatzes.
Eine englische Kataloganzeige war die erste Spur zu einem Teil des Schatzes.  © Polizeihistorische Sammlung

Denn ein Volkspolizist hatte zum fraglichen Zeitpunkt zufällig aus dem Fenster des benachbarten Polizeipräsidiums hinüber zum Museum geschaut - und sich den Verdächtigen gemerkt. „Mit diesem Bild wurde dann gefahndet.“

Die Ganoven selbst hatten offenbar leichtes Spiel: Ermittler schafften es mit einer Haarnadel die fünf Sicherheitsschlösser in nur 15 Sekunden zu knacken. Umso größer die Bemühungen der Ermittler, den Dieb zu erwischen.

Mit extra vorgefertigten Bögen wurden innerhalb eines Jahres 3500 Alibis von Vorbestraften, Kunsthändlern und anderen Verdächtigen geprüft.

Selbst mit dem „Klassenfeind“ wurde kooperiert, mit Ermittlern in den USA und England. Ohne Erfolg. Kommissar Zufall half dann mit. 1986 war ein Münzkatalog für die „Goldene Münze der Kurfürstin Magdalena Sibylla“, ausgerechnet bei den staatlichen Museen in Dresden gelandet.

Die einzige Einrichtung in der DDR, die diesen West-Katalog beziehen durfte. Die Experten erkannten „ihren“ Schatz wieder. Heute fehlen übrigens noch immer 15 Teile, darunter die 1,3 Kilo schwere Goldkette.

Hauptkommissar Wolfgang Schütze (54) von der Polizeihistorischen Sammlung 
stöbert noch heute in den Akten zu dem spektakulären Fall.
Hauptkommissar Wolfgang Schütze (54) von der Polizeihistorischen Sammlung stöbert noch heute in den Akten zu dem spektakulären Fall.  © Norbert Neumann

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