Hitze-Rekorde und jede Menge Hitzefrei: Klärchen hat Dresden im Schwitzkasten

Dresden - Nach der großen Dämse konnten wir am Dienstag endlich mal kurz durchatmen, Wohnungen und Büros bei "nur" 23 Grad durchlüften.

Erklärt die Hitze-Rekorde: Meteorologin Franziska Reinfried (38) vom städtischen Umweltamt.
Erklärt die Hitze-Rekorde: Meteorologin Franziska Reinfried (38) vom städtischen Umweltamt.  © Petra Hornig

Doch schon ab Mittwoch steigen die Temperaturen wieder - zur Freude vieler Schüler: Direktoren haben "Hitzefrei" angekündigt. Das hat es diesen Mai schon rekordverdächtig oft gegeben. Kein Wunder: Der Wonnemonat hat in diesem Jahr gleich mehrere Bestmarken in Sachen Hitze überboten!

In der Stadt war es der heißeste Mai seit Messbeginn vor 57 Jahren! Mit 17,1 Grad war es im Schnitt vier Grad wärmer als sonst üblich im Mai. Vergangenen Dienstag (29. Mai) kletterten die Werte in der Neustadt auf 32,2 Grad und Klotzsche auf 31,7 Grad.

"Dies ist die höchste Temperatur, die seit 1961 in einem Mai gemessen wurde“, sagt die Meteorologin des Umweltamtes, Franziska Reinfried (38).

Rekord auch bei den Hitze-Tagen (über 30 Grad): Mit drei Tagen verdrängte der Mai den bisherigen Rekordhalter aus dem Jahr 1971 (zwei Hitze-Tage).

Frank Haubitz (60) leitet das Gymnasium Klotzsche, gibt seinen Schülern bis Freitag "Hitzefrei".
Frank Haubitz (60) leitet das Gymnasium Klotzsche, gibt seinen Schülern bis Freitag "Hitzefrei".  © Steffen Füssel

Am meisten "leiden" die Neustädter! Wegen der dichten Bebauung kühlt der Stadtteil weniger ab, sorgte dadurch schon für eine tropische Nacht (über 20 Grad). Da auch der April bereits Hitze-Rekorde einfuhr, erlebten wir den zweitwärmsten Frühling in Dresden, nur 1998 war's noch wärmer.

Und es bleibt sommerlich: Nachdem gestern Hochnebel von der Nordsee für leichte Abkühlung sorgte, soll ab dem Mittag wieder die Sonne das Ruder übernehmen (bis 26 Grad).

Bis Freitag steigen die Werte auf bis zu 28 Grad - das kann schon für "Hitzefrei" reichen. Darüber entscheidet jeder Schulleiter selbst, berücksichtigt dabei auch die Gebäude, die sich unterschiedlich aufheizen und abkühlen.

"Bei uns gibt's ab Mittwoch bis Freitag verkürzten Unterricht bis 12 Uhr", so Frank Haubitz (60), Gymnasialleiter in Klotzsche. Der Leiter der 46. Oberschule, Jens Hünecke (49): "Wir hatten in der letzten Woche an drei Tagen verkürzten Unterricht. Für diese Woche ist kein Hitzefrei geplant, wir entscheiden das aber tagesaktuell."

Dresdens Schüler dürfen also täglich aufs Neue hoffen...

Ein Dresdner Schuldirektor hat Hitzefrei erfunden

links: Die Grabstätte des berühmten Dresdners liegt auf dem Inneren Matthäusfriedhof in der Friedrichstadt. / rechts: Der Dresdner Karl Wilhelm Clauß (1829-1894) erfand das "Hitzefrei".
links: Die Grabstätte des berühmten Dresdners liegt auf dem Inneren Matthäusfriedhof in der Friedrichstadt. / rechts: Der Dresdner Karl Wilhelm Clauß (1829-1894) erfand das "Hitzefrei".  © Ove Landgraf, Foto: TU Dresden, Universitätsarchiv

Und wer hat's vor 155 Jahren erfunden? Natürlich ein Dresdner ... Karl Wilhelm Clauß (1829-1894) war Pädagoge, lehrte Algebra, Geometrie und Physik, leitete die Dresdner Gewerbeschule.

Am 13. August 1863 jubelten seine Schüler! So schrieb die historische Tageszeitung "Dresdner Nachrichten" damals: "Das erste 'Hitzefrei'. Mit großer Befriedigung haben wir vernommen, dass in der Schulanstalt des Herrn Direktor Clauß der Unterricht gestern Nachmittag in Anbetracht der Hitze von 25°R [entspricht 31,25 Grad, d. Red.] geschlossen worden ist.

Lässt sich voraussehen, dass bei einer solchen Temperatur der geistige Gewinn, den die Schüler mit nach Hause nehmen, gleich null ist, so verdienen da die Rücksichten auf das physische Wohlbefinden der Kinder umso größere Beachtung, und wünschen wir nur, dass das lobenswerte Vorgehen des Herren Direktor Clauß in den städtischen wie in den Privatschulen die rechte Beachtung und Nachahmung findet."

Clauß hatte in der Maxstraße gewohnt, blieb bis zu seinem Tod Direktor der Gewerbeschule (ging später als Ingenieurhochschule in die TU über). Seine Grabstätte ist auf dem Alten Friedrichstädter Friedhof (Innerer Matthäusfriedhof).

Hitzefrei: Bereits im Mai durften sich Dresdens Schüler über verkürzten Unterricht freuen.
Hitzefrei: Bereits im Mai durften sich Dresdens Schüler über verkürzten Unterricht freuen.  © dpa/Sebastian Kahnert

Titelfoto: dpa/Sebastian Kahnert, Thomas Türpe


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