Warum durften jetzt plötzlich 100 Dresdner auf den Fernsehturm?

Dresden - Kleine feine Schritte für ein großes komplexes Projekt: In Dresden ist gestern das Basispapier für die Sanierungsplanung des Fernsehturms unterzeichnet worden - im doppelten Sinn von Bund, Land, Stadt und Eigentümer auf höchster Ebene. Zeitgleich durften sich genau 100 Besucher in den ehemaligen Aussichtsetagen tummeln.

Der Dresdner Fernsehturm feiert 50-Jähriges. Doch die Besucherflächen, darunter das Café, sind seit 1991/92 geschlossen. Nun beginnen die Sanierungsplanungen.
Der Dresdner Fernsehturm feiert 50-Jähriges. Doch die Besucherflächen, darunter das Café, sind seit 1991/92 geschlossen. Nun beginnen die Sanierungsplanungen.  © Norbert Neumann

"Dort unten steht unser Motorrad." Christine Zange (69) und Uwe Schernus (73) zeigen 148 Meter in die Tiefe, Wind zaust in ihren Haaren. Die beiden Senioren-Biker sind aus Leppersdorf bei Pulsnitz angerollt, um sich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen: Erstmals seit Jahren dürfen Dutzende "Zivilisten" auf den längsten Sachsen, der als 252 Meter hoher Sektkelch aus dem Dresdner Elbhang ragt.

Zange war zuletzt 1985 im Turm, Schernus gar 1978. Jetzt stehen sie auf der Aussichtsplattform. Bis zur Schließung 1991 tummelten sich hier jährlich 200.000 Besucher. Nun sind es immer nur sechs, weil der einzige verbliebene Aufzug nicht mehr nach oben schafft.

Ein Mann tritt auf die Leppersdorfer zu und schwärmt: "Von keiner anderen Stelle hat man einen solchen Ausblick über die Stadt, das Land, unsere Heimat." Es ist Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU), der ebenfalls die Gelegenheit nutzt, privat, aber auch dienstlich.

Denn das Land Sachsen wird gemeinsam mit der Landeshauptstadt jeweils 25 Prozent der geplanten Sanierungskosten von 25,6 Millionen Euro tragen. Den Löwenanteil von 50 Prozent stemmt der Bund.

MP Kretschmer über den Fernsehturm

Christine Zange (69) und Uwe Schernus (73) waren Jahrzehnte nicht mehr auf dem Turm. Entsprechend haben sie das Wiedersehen genossen.
Christine Zange (69) und Uwe Schernus (73) waren Jahrzehnte nicht mehr auf dem Turm. Entsprechend haben sie das Wiedersehen genossen.  © Norbert Neumann

Das zu bekräftigen, aber vor allem um die Bauplanung auf den Weg zu bringen, setzen sich Kretschmer, Oberbürgermeister Dirk Hilbert (47, FDP), der Chef des Eigentümers Deutsche Funkturm GmbH, Bruno Jacobfeuerborn (59), und als Vertreterin des Bundes Kathrin Hahne im sonst leeren Tele-Café an einen Tisch.

Als Beobachter ist Thomas Jurk (57, SPD) dabei. Dem Görlitzer Bundestagsabgeordneten ist es zu verdanken, dass überhaupt Staatsgeld fließt. Vereinbart wird, dass die Stadt die Planungen übernimmt und das dafür notwendige Geld (3 Millionen Euro) später auf Fördergelder anrechnen darf.

Darüber hinaus wollen sich Stadt und Land nun gemeinsam um einen Betreiber für das zweistöckige Café unter der Plattform bemühen.

Parallel will sich die Stadt mit den Anwohnern abstimmen, die die Pläne überhaupt nicht toll finden und das am Samstag mit Transparenten an ihren Grundstücken kundtaten. Nichtsdestotrotz: Bis spätestens 2025 soll der Turm wieder offen sein, so die Hoffnung in den Amtsstuben, bei den Touristikern und - laut Umfragen - beim Gros der Dresdner.

Dann wäre der Turm ein weiteres Schmuckstück für die Europäische Kulturhauptstadt, die Dresden 2025 sein will, so Hilbert. Oder wie es Kretschmer ausdrückt: "Der Turm ist eine technische Meisterleistung und architektonisch noch immer State of the art."

Unterschrift in 145 Metern Höhe: Vertreter des Eigentümers (v.l.), des Bundes, des Landes und der Stadt unterzeichnen die gemeinsame Erklärung zum weiteren Vorgehen.
Unterschrift in 145 Metern Höhe: Vertreter des Eigentümers (v.l.), des Bundes, des Landes und der Stadt unterzeichnen die gemeinsame Erklärung zum weiteren Vorgehen.  © Norbert Neumann
Die Sanierung wird 25,6 Millionen Euro kosten. Dazu zählt auch der neue Einbau von Decken- und Wandverkleidungen.
Die Sanierung wird 25,6 Millionen Euro kosten. Dazu zählt auch der neue Einbau von Decken- und Wandverkleidungen.  © Norbert Neumann

Mehr zum Thema Dresden Lokal:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0