Wegen Brexit: Polen aus Großbritannien sollen nach Görlitz ziehen

Görlitz/London - Das Theater um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union verunsichert Hunderttausende Polen, die auf der Insel leben. Als EU-Bürger fragen sie sich: Können wir in Zukunft noch dort wohnen und arbeiten? Dieses "Brexit-Vakuum" wollen die Europastadt Görlitz und der gleichnamige Landkreis nun für sich ausnutzen...

Görlitz lockt! Die Gesamtbevölkerung ging im Landkreis in jüngster Vergangenheit nur leicht zurück - dank des Zuzugs polnischer Staatsbürger.
Görlitz lockt! Die Gesamtbevölkerung ging im Landkreis in jüngster Vergangenheit nur leicht zurück - dank des Zuzugs polnischer Staatsbürger.  © imago/F. Berger

Die Wirtschaftsförderung der Stadt wartet gegenwärtig auf grünes Licht für eine Kampagne, die polnische Fachkräfte aus dem Königreich in die Grenzregion an der Neiße locken soll. Via Internet und mithilfe der sozialen Netzwerke möchte Wirtschaftsförderin Andrea Behr (43) Exil-Polen auf der Insel gezielt "ansprechen" und von den Vorzügen eines Lebens im Dreiländereck überzeugen.

Das Städtische Klinikum Görlitz hat bereits eine eigene Stellenanzeige in der renommierten britischen Tageszeitung "The Guardian" veröffentlicht. Sowohl neue Ärzte als auch Pflegekräfte mit polnischen Wurzeln möchte das Klinikum jenseits des Ärmelkanals finden.

"Wir brauchen unbedingt Zuzug", stellt Behr fest. Schon jetzt zeichnen sich die Folgen des demografischen Wandels und des Bevölkerungsschwundes dramatisch ab. Gut 1000 offene Stellen gibt es aktuell in der Oberlausitz. Behr: "Besonders Industrie und Gesundheitswesen suchen händeringend Personal."

Die Standort-Manager haben viele Pfunde in der Hand: Der Anteil der polnischen Staatsbürger, die ihren Wohnsitz im Landkreis haben, steigt seit drei Jahren deutlich. Aktuell sind es über 100 (größte Ausländergruppe).

Die meisten von ihnen wohnen in der Europastadt. Die Behörden registrieren, dass polnische Familien zunehmend aber auch Immobilien in der Lausitz erwerben und Häuser bauen.

Im Dreiländereck haben sich viele Kitas und Schulen als bi- und trilinguale Bildungseinrichtungen profiliert.
Im Dreiländereck haben sich viele Kitas und Schulen als bi- und trilinguale Bildungseinrichtungen profiliert.  © imago/Westend61

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