Wirbel um Haubitz: "Kretschmer hat den Lehrern einen Hoffnungsträger genommen!"

Amtsübergabe mit Sprengstoff:
Frank Haubitz (r.) musste seinen
Schreibtisch schon wieder räumen
- für Christian Piwarz.
Amtsübergabe mit Sprengstoff: Frank Haubitz (r.) musste seinen Schreibtisch schon wieder räumen - für Christian Piwarz.  © Sächsisches Kultusministerium

Dresden - Dass Ministerpräsident Michael Kretschmer (42, CDU) Kultusminister Frank Haubitz (59, parteilos) nach nur acht Wochen im Amt gefeuert hat, sorgt weiter für Unverständnis. Sogar bundesweit.

Haubitz selbst - langjähriger Direktor des Gymnasiums Dresden-Klotzsche - ist abgetaucht. So kurz wie er war noch kein sächsischer Minister im Amt. Anspruch auf Übergangsgeld hat er trotz der Mini-Amtszeit für drei Monate. Ihm stehen etwa 13.400 Euro pro Monat zu.

„Mit seiner Personalentscheidung hat Ministerpräsident Kretschmer nun die CDU-Fraktion hinter sich, aber den sächsischen Lehrerinnen und Lehrern einen Hoffnungsträger genommen", so SLV-Chef Jens Weichelt (53).

Haubitz war mit seinen Verbeamtungsplänen unabgesprochen vorgeprescht und hatte damit für einen Aufstand in Teilen der CDU-Fraktion gesorgt.

Anstelle von Haubitz berief Kretschmer Christian Piwarz (42, CDU) in sein Kabinett - kein klassischer Bildungspolitiker.

Die Personalentscheidungen
von
Ministerpräsident
Michael
Kretschmer
sorgen
weiter für
hitzige Debatten.
Die Personalentscheidungen von Ministerpräsident Michael Kretschmer sorgen weiter für hitzige Debatten.  © Holm Helis

Kretschmer erklärt seinen umstrittenen Schritt so: "Entscheidend ist, dass der beste Mann diese Aufgabe macht, der die besten und größten Chancen hat, diese Sachen durchzusetzen", sagte er im MDR. Kretschmer sympathisiert durchaus mit Haubitz' Ideen.

Piwarz bringe die Fähigkeit mit, die Leute, die das Ganze entscheiden müssten, auch zu überzeugen. Kretschmer: "Die Verdienste von Frank Haubitz werden bleiben, das ist überhaupt keine Frage. Er hat etwas ganz Zentrales erreicht."

Der Deutsche Philologenverband sieht das anders. "Hier wurde fachliche Expertise ganz offensichtlich einem politischen Kalkül geopfert", so die Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing (54). Für den Landeselternrat (LER) ist Kretschmers Entscheidung "bedauerlich, aber nachvollziehbar".

"Er war der Vorschlaghammer, um viele Türen aufzumachen. Das hat aber Gespräche verhindert", so LER-Chef Michael Becker (35).

Mit Transparenten
hatten
seine
Schüler
Frank
Haubitz
angefeuert.
Nur acht
Wochen
später ist
er seinen
Ministerjob
wieder
los.
Mit Transparenten hatten seine Schüler Frank Haubitz angefeuert. Nur acht Wochen später ist er seinen Ministerjob wieder los.  © Ove Landgraf

Titelfoto: Sächsisches Kultusministerium/Ove Landgraf


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