Wende-Schmerz: Ministerin Köpping bekommt Post aus der ganzen Welt

Dresden - Für viele brachte die Wende auch Ungerechtigkeiten, etwa bei der Rente. Seit ein paar Jahren wird darüber bundesweit diskutiert.

Petra Köpping (60, SPD) in ihrem Büro im Landtag: Mehr als 1000 Zuschriften zum Thema Nachwende-Ungerechtigkeiten bekam die Ministerin bislang.
Petra Köpping (60, SPD) in ihrem Büro im Landtag: Mehr als 1000 Zuschriften zum Thema Nachwende-Ungerechtigkeiten bekam die Ministerin bislang.  © Eric Münch

Angestoßen wurde dies auch von Integrationsministerin Petra Köpping (60, SPD). Über 1000 Zuschriften hat die "Ost-Erklärerin" seitdem erhalten - bis aus Hongkong und Australien.

Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 stieß Köpping auf "ihr" Thema: Ungerechtigkeiten und Lebensbrüche nach dem Fall der Mauer.

Unverarbeitete Demütigungen seien Ursache für die Wut vieler Ostdeutscher. Ihr Buch "Integriert doch erstmal uns!", erschienen im September 2018, wurde über 13.000-mal verkauft. Derzeit liegt die 5. Auflage in den Läden, so die Ministerin.

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"Bislang habe ich über 1000 Rückmeldungen bekommen. Es hört nicht auf", so Köpping. Teils viele handgeschriebene Seiten. "Ich versuche, alle zu beantworten."

Etwa von einer Frau, promoviert mit guter Ausbildung, die keine Arbeit fand und daher in die Schweiz und dann in die USA zog. "Sie hat mir geschrieben, was sie alles für einen Job getan hat", so die Ministerin.

Anfang September 2018 erschien Köppings Streitschrift - Erklärungsversuche zu Hass und Wut vieler Sachsen.
Anfang September 2018 erschien Köppings Streitschrift - Erklärungsversuche zu Hass und Wut vieler Sachsen.  © Norbert Neumann

Viele hätten das Bedürfnis, zu erzählen, wollten Anerkennung. "Mich beeindruckt, was für Risiken die Menschen auf sich genommen haben." Selbst australische Wissenschaftler meldeten sich.

Ein nach Schweden ausgewanderter Sachse schrieb ihr ebenso wie einer, der in Hongkong lebt, so Köpping. Post kam auch aus Israel, den USA, Frankreich und Italien. "80 Prozent aller Zuschriften sind positiv, finden es gut, dass über das Thema gesprochen wird." Nur zehn Prozent fänden, dass die Debatte rückwärtsgewandt sei. Auch Westdeutsche hätten sich bei ihr gemeldet - sie hätten das alles nicht gewusst.

Mehrere Veranstaltungen zum Thema im Westen hat Köpping bereits besucht. "Es gab durch die Debatte bereits Veränderungen. Es wird jetzt über den Osten gesprochen. Es wird über Renten diskutiert und auch über Hartz-IV-Ungerechtigkeiten." Die nächste Einladung hat sie schon. "Verständigung bleibt unheimlich wichtig."

Dazu könne beitragen, dass der nächste Ost-Konvent der SPD im Westen stattfinden soll.

Titelfoto: Eric Münch

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