Wie kommt eigentlich die Karl-Gjellerup-Straße an ihren Namen?

Dresden - 3200 Straßennamen gibt es in Dresden.

Die kleine Straße in Klotzsche trägt den Namen des dänischen Schriftstellers, der in Dresden lebte.
Die kleine Straße in Klotzsche trägt den Namen des dänischen Schriftstellers, der in Dresden lebte.  © Eric Münch

1000 davon sind nach Personen benannt, 90 Prozent davon immer noch nach Männern. In der neuen Sommerserie stellt TAG24 unter dem Motto "Wer war eigentlich ...?" die spannendsten Geschichten hinter den Namen von Straßen, Plätzen und Gebäuden vor. Heute geht es um einen Dänen, der für die Liebe zum Sachsen wurde.

Er war eigentlich Theologe, sorgte aber für eine Scheidung, um seine große Liebe zu heiraten. Und er stammte eigentlich aus dem kühlen Norden, schwärmte aber für Dresden und die Sächsische Schweiz.

Der Däne Karl Gjellerup (1857-1919) wurde Dresdner, setzte seiner Liebe in einem Roman ein Denkmal und erhielt sogar den Nobelpreis für Literatur!

Gjellerup wurde in Roholte, im Süden Dänemarks, geboren. Der Weg des Pfarrer-Kindes war eigentlich vorbestimmt. Tatsächlich wurde er Theologe, fühlte sich aber zum Schreiben berufen.

Und Stipendien des dänischen Königs ließen Gjellerup reisen - auch nach Sachsen.

Bei den Reisen lernte er 1883 eine Frau kennen und lieben. Eine verheiratete Frau! Die gebürtige Dresdnerin Eugenia Bendix. Ein Skandal zur damaligen Zeit. Nach vier Jahren Kampf war Eugenia endlich frei für ihn.

Gjellerup schrieb den Roman "Minna"

Kleine Straße, großer Name.
Kleine Straße, großer Name.  © Eric Münch

Beide heirateten in Dänemark, Gjellerup wurde Wahl-Dresdner und ließ sich mit der Gattin hier nieder. Doch der Däne, den Liebe und Schreiberdrang gepackt hatten, ging noch weiter: Er schrieb den Roman "Minna", der später auch unter dem Titel "Seit ich sie zuerst sah" erschien. Das Werk hat autobiografische Züge.

Darin wandelt der dänische Student Fenger durch die Sächsische Schweiz, wo er in Rathen bei einer Schifffahrt Minna kennen und lieben lernt.

Die aber ist unglücklich verheiratet, die heimliche Liebe des Paares darf nicht erblühen. Entsprechend tragisch der Ausgang: Minna findet ihr Ende in der Irrenanstalt in Pirna.

Nicht so Gjellerup und Bendix. Sie lebten zwar ärmlich, aber beisammen in verschiedenen Stadtteilen Dresdens. Und der Schriftsteller blieb nicht unbeachtet.

Gjellerup schrieb weitere Bücher

 In "Minna" verarbeitete der Schriftsteller seine Beziehung zu Eugenia Bendix.
In "Minna" verarbeitete der Schriftsteller seine Beziehung zu Eugenia Bendix.  © Archiv, picture alliance akg-image, Royal Danish L

Die Dresdner Rundschau schrieb über ihn am 19. Februar 1898: "Bald nach seiner Rückkehr aus dem Auslande verheiratete sich Gjellerup mit der geschiedenen Gattin des bedeutenden dänischen Komponisten Bendix, einer geborenen Dresdnerin, der Tochter des vor etwa zehn Jahren verstorbenen Turnveteranen Heusinger, eines Schülers von Jahn und Mitbegründers des Dresdener Turnwesens und siedelte bald darauf nach Dresden über."

Es folgten weitere Bücher, wie "Der Pilger Kamanita" oder "Der Lehrling der Germanen". Und dafür bekam Gjellerup völlig unerwartet 1917 den Nobelpreis. Sein Werk zeichne sich durch "mannigfaltige und reiche Poesie, welche von erhabenen Idealen inspiriert wird", aus, lobte seinerzeit die Akademie in Stockholm. Gjellerup selber war von der Nachricht so überrascht, dass er in seinem Kalender notierte: "Nobelpreis - ich Träger".

Und praktisch veranlagt, wie der genaue Beobachter seiner Zeit war, kaufte er vom Preisgeld die "Villa Baldur" in Klotzsche. Dort lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 1919. Auf dem Alten Friedhof in Klotzsche wurde Dresdens Literatur-Nobelpreisträger dann beigesetzt.

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