Warum wird Dresden keine Musical-Stadt?

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (38, Die Linke) verwehrt sich einem großen Musicaltheater in Dresden.
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (38, Die Linke) verwehrt sich einem großen Musicaltheater in Dresden.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Keine Frage, ein Musical ist nicht jedermanns Sache. Aber Berlin, Hamburg oder Düsseldorf polieren damit ihr Renommee auf - und verdienen auch noch ordentlich Geld. Doch ausgerechnet Dresdens neue Kulturbürgermeisterin verwehrt Sachsens Landeshauptstadt eine solche Chance.

„Denn da sehe ich die Aufgabe, mich im Interesse der vorhandenen Bühnen zu positionieren“, sagt Annekatrin Klepsch (38, Linke) im MOPO-Gespräch. „Jedes weitere Theater ist auch eine Konkurrenz um Publikum. Und wir haben eine Operette, die das Genre abdecken kann.“

Andere Städte sind offener, profitieren von Hunderttausenden Gästen, die jährlich - wie in Hamburg „König der Löwen“ - zu Besuch kommen.

Aus Plänen, den Gasspeicher in Reick für Musicals umzubauen, wurde nichts.
Aus Plänen, den Gasspeicher in Reick für Musicals umzubauen, wurde nichts.

Dabei ist Dresden für Musical-Produzenten durchaus interessant: Im Jahr 1999 reiften Pläne, den Gasspeicher 3 in Reick umzubauen.

Doch das Sissi-Musical platzte, die Unterstützer fehlten. Gleiches galt für das Großvorhaben von Musical-Produzent Friedrich Kurz.

Der wollte am Ferdinandplatz (Altstadt) ein neues Haus bauen, prahlte mit Investoren. Passiert ist bis heute nichts.

Auch die Stage Entertainment GmbH (Hamburg, „König der Löwen“) lobt: „Dresden erfüllt einige der Kriterien durchaus - und es ist im Übrigen auch eine der ganz wenigen Städte, mit der wir uns näher beschäftigt haben.“

Dennoch winkt Unternehmenssprecher Stephan Jaekel ab: „Aber in Summe kann es nicht die Rahmenbedingungen bieten, die für das hohe wirtschaftliche Risiko, das wir eingingen, erforderlich wären.“

Weil weitere Theater eine zu große Konkurrenz für die bestehenden wäre, wird es auf lange Sicht beispielsweise keinen „König der Löwen“ in Dresden geben.
Weil weitere Theater eine zu große Konkurrenz für die bestehenden wäre, wird es auf lange Sicht beispielsweise keinen „König der Löwen“ in Dresden geben.

Die Dresdner Marketing GmbH steht einem neuen Musicaltheater sehr wohlwollend gegenüber:

„Erfolgreiche Musicals bieten sehr gute Wiederholanlässe für eine Städtereise. Das lastet die Hotels aus, nutzt der Gastronomie, dem Handel, der Kultur und damit letztlich jedem Bürger der Stadt“, sagt DMG-Chefin Bettina Bunge (52).

Sie lobt auch die Musical-Produktionen der Dresdner Operette.

Und sie verrät: „Nach unserem Kenntnisstand gibt es Interessenten für Dresden, denen wir für die Umsetzung ihrer Musicalidee viel Erfolg wünschen.“

Mit der neuen Kulturbürgermeisterin dürfte das allerdings schwierig werden.

Foto: Imago stock[&]people, Steffel Füssel, Maik Ehrlich


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