Wird die neue WOBA für Dresden zur Millionen-Falle?

Axel Walther (48), Chef der STESAD, könnte künftig ausführende Arbeiten für die WOBA übernehmen.
Axel Walther (48), Chef der STESAD, könnte künftig ausführende Arbeiten für die WOBA übernehmen.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Es ist der große Traum der aktuellen Mehrheit im Rathaus: Linke, SPD und Grüne wollen eine neue städtische Wohnungsbaugesellschaft (WOBA) gründen - und damit bis 2025 rund 8000 günstige Mietwohnungen bauen. Doch nun die Ernüchterung:

Ein Prüfbericht des Rathauses, der der Morgenpost exklusiv vorliegt, legt nahe: Die neue WOBA und ihre Wohnungen dürften für Stadt und Mieter deutlich teurer werden als gewünscht.

111 Seiten ist der Bericht dick, den externe Berater im Auftrag der Stadt angefertigt haben. Der Inhalt ist ernüchternd: Allein die ersten tausend Wohnungen würden rund 130 Millionen Euro kosten.

Klare Aussage der Gutachter: Dieses Geld kann nicht durch Mieteinnahmen hereingeholt werden.

Auch diese Brachfläche an der Schäferstraße kommt als WOBA-Grundstück in Betracht.
Auch diese Brachfläche an der Schäferstraße kommt als WOBA-Grundstück in Betracht.

Allein in den ersten zehn Jahren müsste die Stadt rund 32 Millionen Euro zuschießen!

Ursache: Die Experten kalkulieren mit gestiegenen Baukosten in Höhe von 2000 Euro pro Quadratmeter. Die Finanzierung dafür scheitert schon am geplanten Mietpreis von 7 Euro/Quadratmeter. Diese Grenze hatte Rot-Rot-Grün vorgegeben.

Insgesamt kommen die Gutachter auf eine Finanzierungslücke von rund 290 Euro pro Quadratmeter. „Hochgerechnet auf 1000 Wohnungen bedeutet dies einen notwendigen anfänglichen Zuschuss in Höhe von knapp 19 Millionen Euro“, heißt es.

Dazu kommt: Die Stadt hat momentan nur rund 14 Hektar Grundstücksfläche, die für sozialen Wohnungsbau in Frage kommt. Sollte die Rathaus-Mehrheit die WOBA wie geplant beschließen, warnen die Gutachter vor „finanziellen Risiken.“

Zur Begrenzung der Gefahren empfehlen sie eine eigene, städtische Tochtergesellschaft in Form einer GmbH [&] Co. KG. Das hätte in der Tat Vorteile:

Die Haftung beschränkt sich in der Regel auf die Stammeinlagen, sollte das Abenteuer schiefgehen...

André Schollbach (37, Die Linke) ist Verfechter der WOBA.
André Schollbach (37, Die Linke) ist Verfechter der WOBA.

Hier könnten die neuen WOBA-Häuser entstehen

Das Grundstück am Käthe-Kollwitz-Ufer ist raus aus den WOBA-Planungen, 13 andere Flächen sind bereits benannt.
Das Grundstück am Käthe-Kollwitz-Ufer ist raus aus den WOBA-Planungen, 13 andere Flächen sind bereits benannt.

Insgesamt 14 Grundstücke hatte Rot-Rot-Grün bereits für die WOBA eingeplant. So sollten Liegenschaften im Wert von 50 Millionen Euro für die WOBA bereit gestellt werden.

Das attraktive Grundstück am Käthe-Kollwitz-Ufer fällt aber schon raus. Einen Teil (4400 Quadratmeter) hat bereits die Stuttgarter Genossenschaft FLÜWO Bauen Wohnen eG im Dezember 2015 für 910000 Euro erworben.

„Wir haben das Baufeld II zu Marktpreisen ohne Sozialbindung erworben“, so FLÜWO-Sprecher Dominik Ottmar. Ein Neubau ist geplant.

Das andere größere Teilstück will die Stadt selbst unter Sozial-Baubedingungen verkaufen.

Fotos: Eric Münch, Thomas Türpe, Petra Hornig


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