Pinguin-Sterben im Zoo Dresden: Haben Pfleger einen Fehler begangen?

Dresden - Liegt ein Fluch über dem Pinguin-Gehege? Bereits zwei Mal hatte ein mysteriöses Pinguin-Sterben den Zoo erschüttert. Nun erneut dramatische Szenen: Ein Brutpaar griff seine Artgenossen an, vier Humboldtpinguine starben (TAG24 berichtete). Der Grund: Pfleger hatten das unbefruchtete Ei des Paares entfernt.

Muss schon wieder einen dramatischen Vorfall erklären: Zoochef Karl-Heinz Ukena (48).
Muss schon wieder einen dramatischen Vorfall erklären: Zoochef Karl-Heinz Ukena (48).  © Holm Helis

Die Freude im März war riesig: Drei Paare der Gruppe (12 Pinguine) brüteten Eier aus. Jeweils zwei Küken schlüpften, beim dritten Paar klappte es nicht. Da das Ei zu faulen drohte, nahmen es Pfleger aus der Bruthöhle.

"Offenbar hierdurch ausgelöst entschied sich dieses Pinguinpaar am 21. Mai, die Bruthöhle eines der anderen beiden Paare mit zwei ca. zehn Tage alten Küken aufzusuchen und diese Höhle zu übernehmen", sagt Zoochef Karl-Heinz Ukena (48). Mit Schnabelhieben tötete das Paar die beiden Küken (300 und 500 Gramm). Die Eltern konnten sie nicht verteidigen.

Die Lage beruhigte sich dann nur kurz. Wenige Tage darauf fiel das erfolglose Brutpaar auch noch in die Nebenhöhle ein - in der das erste Brutpaar mit seinen Jungtieren lebte. "Die Alttiere verteidigten ihre Jungen", sagt Kurator Matthias Hendel (37). Das bekam ein Pfleger mit, rettete die Jungtiere - während sich die Eltern für ihren Nachwuchs opferten.

Beide starben an stressbedingtem Herzkreislaufversagen. Die Waisen werden nun isoliert aufgepäppelt, es geht ihnen gut. Der Rest der Gruppe lebt weiter wie vor dem Drama.

Diese beiden Jungtiere wurden in letzten Sekunde gerettet. Ihre Eltern opferten sich für sie, verstarben nach dem Kampf.
Diese beiden Jungtiere wurden in letzten Sekunde gerettet. Ihre Eltern opferten sich für sie, verstarben nach dem Kampf.  © Thomas Türpe

War die Ei-Entnahme ein Fehler? "Hinterher ist man immer schlauer", sagt Hendel. "Das Paar war wohl noch im Brutmodus, handelte instinktiv. Ein vergleichbares Verhalten wurde trotz jahrzehntelangen Erfahrung hier noch nicht beobachtet. Wir haben nichts falsch gemacht."

Gleichwohl seien "ähnliche Verhaltensweisen bei anderen Pinguinarten im Freiland nicht unbekannt", räumt Zoochef Ukena ein. Künftig wolle man unbefruchtete Eier durch Kunsteier ersetzen.

Seit 1972 zählen die Pinguine im Zoo zu den Publikumslieblingen. 2011 starben binnen weniger Wochen 19 von 32 Frackträgern, weitere zehn im Jahr darauf. 2014 verendeten 13 von 16 Frackträgern unter mysteriösen Umständen (wohl Keime).

2015 ein erneuter Zucht-Versuch mit sechs neuen Tieren. Zwei starben 2018 (Leberschaden, Pilzerkrankung). Seitdem blieben Dramen aus - bis jetzt. Tierpflegerin Kerstin Kunadt (54): "Wir sind sehr betrübt."

Nachdem Pfleger ihr unbefruchtetes Ei entfernten, tötete dieses Pinguin-Paar vier Artgenossen.
Nachdem Pfleger ihr unbefruchtetes Ei entfernten, tötete dieses Pinguin-Paar vier Artgenossen.  © Thomas Türpe
Kurator Matthias Hendel (37) und Tierpflegerin Kerstin Kunadt (54) im Gehege.
Kurator Matthias Hendel (37) und Tierpflegerin Kerstin Kunadt (54) im Gehege.  © Thomas Türpe
Die Pinguine gehören zu den Publikumslieblingen.
Die Pinguine gehören zu den Publikumslieblingen.  © Thomas Türpe

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