Tausende Dresdner erobern sich ihr Rathaus zurück

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (44, FDP).
Oberbürgermeister Dirk Hilbert (44, FDP).

Von Torsten Hilscher

Dresden - Was lange währt, wird manchmal fertig. Nach sage und schreibe fünf Jahren Bauzeit ist der repräsentative Teil des Rathauses der Landeshauptstadt saniert - für 37 Millionen Euro. Mehrere Tausend Bürger eroberten ihn sich gestern zurück.

„Typisch die Dresdner“, rief Stadtarchivar Thomas Kübler zur Wiedereinweihung. „Kaum gibt‘s was mit Geschichte zu sehen, strömen sie in Scharen.“

Tatsächlich staute sich das neugierige Volk bereits vormittags an der Goldenen Pforte und begehrte Einlass. Zuvor hatte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (44, FDP) an die Umwege und Irrungen der Sanierungsphase erinnert, als „aus einer geplanten Brandschutz- und Dachsanierung eine Komplettsanierung wurde“, wie er sagte. Rückschläge eingeschlossen.

Der alte, neue Plenarsaal: Die denkmalgeschützte Vertäfelung im Hellerauer Design wurde penibel aufgearbeitet.
Der alte, neue Plenarsaal: Die denkmalgeschützte Vertäfelung im Hellerauer Design wurde penibel aufgearbeitet.

Hilbert berichtete von gefährlichen Deckeneinbauten aus der Zeit nach dem Krieg in gleich drei Etagen. Unerwähnt blieben Baupfusch bei der aktuellen Sanierung, teure Nacharbeiten und strengste Auflagen des Denkmalschutzes, die sogar den Einsatz eines giftigen Lacks im Plenarsaal bewirkte.

Das alles sei nun Geschichte, so Hilbert. Aber das Rathaus selbst bleibe ein „Geschichtsbuch zum Anfassen“ - nun mit einem neuen Kapitel.

Besonders stolz an diesem Tag war Markus Lenhart. Der Bauleiter zeigte seiner Familie, wo er und seine Kollegen Nerven ließen. „Am meisten hat die schlechte Bausubstanz der Nachkriegssanierungen Sorgen bereitet.“

Was er nicht erwähnte, aber weiß: Der Ärger geht weiter. Schon müssen Mitarbeiter wegen ungenügendem Brandschutz in anderen Rathausabschnitten ihre Büros verlassen, sucht der Stadtrat nach neuen Millionen, um diesen Rest auch noch zu sanieren.

Ein Gemäuer mit Geschichte

Die sanierte Kuppelhalle strahlt im Glanz von 1910. Nun müssen nur noch die historischen Lampen nachgebaut werden.
Die sanierte Kuppelhalle strahlt im Glanz von 1910. Nun müssen nur noch die historischen Lampen nachgebaut werden.

Das Rathaus wurde zwischen 1905 und 1913 errichtet. Die Vorbereitungen dauerten zehn Jahre.

Weil Dresden zu dieser Zeit rasant wuchs, wurden aus 400 geplanten Amtsstuben schließlich 530, die das Haus fassen musste. Die Gesamtbaukosten lagen bei 9,5 Millionen Reichsmark. Das entspricht heute 31 Millionen Euro - mehr als für die aktuelle Sanierung notwendig war.

Erstmals saniert wurde der (stark zerstörte) Komplex 1945-49 und 1962-65. Die aktuelle Sanierung umfasste Eingangshalle, Kuppelhalle, Fraktionsräume, Flure, Dach, Plenarsaal, Festsaal.

Wenn es um Geschichte geht, ist Dresden auf den Beinen. Zur Besichtigung des sanierten Rathausfl ügels strömten Tausende.
Wenn es um Geschichte geht, ist Dresden auf den Beinen. Zur Besichtigung des sanierten Rathausfl ügels strömten Tausende.
auniger Geschichtskenner: Stadtarchivar Thomas Kübler erklärte das sanierte Rathaus.
auniger Geschichtskenner: Stadtarchivar Thomas Kübler erklärte das sanierte Rathaus.

Fotos: Thomas Türpe


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