Dresden: Fiese Anrufermasche! Endlich wird hier den falschen Polizisten der Prozess gemacht

Dresden/Berlin - Immer wieder verlieren Rentner ihre Ersparnisse an vermeintliche Polizisten: Sie rufen oft aus türkischen Callcentern an, schicken dann ihre Komplizen vorbei, um deren Ersparnisse vor angeblichen Verbrechern zu schützen. Seit Montag stehen nun vier junge Berliner vor dem Dresdner Landgericht.

Eduardo P. (27, l.) organisierte über seinen Kumpel Marvin B. (27) die Fahrten quer durch das Land.
Eduardo P. (27, l.) organisierte über seinen Kumpel Marvin B. (27) die Fahrten quer durch das Land.  © Norbert Neumann

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, auf unterster Bandenebene Rentnern Geld abgenommen zu haben. Wider Erwarten gaben sie Einblicke in die Arbeitsweise der falschen Ermittler.

Innerhalb kürzester Zeit soll das Quartett in wechselnder Zusammensetzung in Deutschland unterwegs gewesen sein, laut Anklage erbeuteten sie bei neun betagten Damen insgesamt 156.600 Euro. Alles geschehen zwischen Ende März und Mitte April 2017.

Angeheuert hatte den Trupp Kellner Eduardo P. (27), der das auch gesteht: "Ich wurde über Handy kontaktiert", so der Berliner vor Gericht, vermutlich von Yusuf Ö., einem der mutmaßlichen Hintermänner der "Falscher Polizist"-Masche.

"Der sagte, mir könne man vertrauen. Dann haben wir uns getroffen, er meinte, er braucht Fahrer, die für ihn etwas abholen." Eduardo sagte zu. Dann kam plötzlich der Anruf, er solle nach Dresden fahren.

Sein Problem: Er hatte weder Führerschein noch Auto. Also bat er Kumpel Marvin B. (27) um Hilfe. Der wiederum wandte sich an Luca A. (23). Letzterer kreuzte dann bei Uwe K. (40) zu Hause auf.

Geld und Schmuck gefordert

So brach das Quartett Ende März nach Dresden auf, Eduardo holte dort in einem Rucksack 14.000 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von 6 000 bei Rentnerin Eva-Maria D. (74) ab.

Ein angeblicher Polizeibeamter Kaiser hatte die Dame zuvor angerufen, ihr weisgemacht, ihr Eigentum sei im Visier einer rumänischen Diebesbande, auch Bankmitarbeiter wären darin involviert. Deshalb solle sie das Geld abheben und verdeckten Ermittlern übergeben.

Keiner der vier Männer will von der Masche gewusst haben, erst bei seiner neunten Fahrt wurde Uwe K. schließlich erwischt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Uwe K. (40) fuhr neunmal zu den verängstigten Senioren bevor die Polizei ihn schnappte.
Uwe K. (40) fuhr neunmal zu den verängstigten Senioren bevor die Polizei ihn schnappte.  © Norbert Neumann
Immer wieder rufen vermeintliche Polizisten bei Senioren an, bringen sie um ihr Erspartes.
Immer wieder rufen vermeintliche Polizisten bei Senioren an, bringen sie um ihr Erspartes.  © 123rf.com/Ian Allenden

Titelfoto: Norbert Neumann

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