Drogen, Diebstahl, Raub... Die Kriminal-Akte Wiener Platz

Verhaftung am Wiener Platz: Mit Razzien versucht die Polizei, den Druck auf Dealer zu erhöhen.
Verhaftung am Wiener Platz: Mit Razzien versucht die Polizei, den Druck auf Dealer zu erhöhen.

Von Juliane Morgenroth

Dresden - Der Wiener Platz ist ein Drogenumschlagsplatz und Kriminalitätsschwerpunkt: Völlig ungeniert wird hier Stoff vertickt. Hinzu kommt die Beschaffungskriminalität. Zahlen aus dem Innenministerium zeigen jetzt das Ausmaß. Die Akte Wiener Platz.

Selbst am helllichten Tag gehen die Drogendealer ihren Geschäften nach, während um sie herum Passanten vorbeieilen. Ein Dauerärgernis ...

Seit eineinhalb Jahren gibt es regelmäßig Razzien in diesem Bereich. Konkret waren es von Mitte Februar 2014 bis Mitte August diesen Jahres 30 Razzien „zur Bekämpfung der Straßenkriminalität“ im Bereich des Hauptbahnhofes.

Dabei wurden 98 Personen mit Drogen geschnappt (Cannabis/Marihuana, Amphetamine/Crystal, Heroin).

Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) im April mit Polizeidirektor Klaus-Jörg Leipnitz (59, r. ) am Wiener Platz.
Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) im April mit Polizeidirektor Klaus-Jörg Leipnitz (59, r. ) am Wiener Platz.

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei am Wiener Platz 806 Straftaten - 617 wurden aufgeklärt. Unter den Strafanzeigen waren übrigens auch 82 Fälle von Diebstahl und 23 Fälle von besonders schwerem Diebstahl - vermutlich Beschaffungskriminalität.

Und dieses Jahr geht das Ganze munter weiter: „Mit Stand vom 26. Juli wurden im bisherigen Jahresverlauf 483 Straftaten mit Tatort Wiener Platz registriert, davon wurden 318 Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgegeben“, erklärt Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) auf Anfrage der AfD. Dabei geht es meist um unerlaubten Besitz oder Handel mit Drogen sowie Diebstahl.

Unter den Tatverdächtigen sind viele Deutsche und Tunesier, aber auch Marokkaner und Libyer. Darunter auch Asylbewerber, die als Mehrfach-Intensivtäter gelten. Ob auch deutsche Intensivtäter darunter sind, ist unbekannt: Solch ein Hinweis wird nur bei Jugendlichen erfasst.

Im Fokus der Polizei

Drogenszene Wiener Platz: Auch am helllichten Tag wird hier Stoff vertickt.
Drogenszene Wiener Platz: Auch am helllichten Tag wird hier Stoff vertickt.

Die Polizei hat die Drogenproblematik rund um den Wiener Platz im Blick, so Innenminister Markus Ulbig (51, CDU). Es handle sich dort um eine offene Anbieterszene, die konsequent verfolgt werde.

Es gebe eine gemeinsame Ermittlungsgruppe mit dem Landeskriminalamt. Das für eine offene Drogenszene typische Konsumieren in der Öffentlichkeit sei durch permanent hohen polizeilichen Verfolgungsdruck verhindert worden, so der Minister. Es gehe um eine nachhaltige Bekämpfung der Drogenszene.

„Dazu hat die Polizei gemeinsam mit der Landeshauptstadt feste Kontakte mit Anwohner und Gewerbetreibenden etablieren können“, so Ulbig. Zudem sei das Dezernat Rauschgiftkriminalität der Kripo um zehn Stellen erweitert worden.

Angebot und Nachfrage

Kommentar von Juliane Morgenroth

Entspannung nicht in Sicht: Der Hauptbahnhof und der Wiener Platz sind zum Drogenumschlagplatz mutiert. Hinzu kommt das Problem mit der Beschaffungskriminalität, sprich Diebstahl oder Raub.

Eine Entwicklung, die sich der in vielen anderen deutschen Großstädten anpasst. Doch viele Passanten und Geschäftsinhaber sind beunruhigt. Zu Recht.

Die Polizei zeigt zwar schon seit einiger Zeit mehr Präsenz am Wiener Platz, führt immer wieder Razzien durch, verhaftet Drogendealer. Doch das Problem wird so auf Dauer nicht gelöst, allenfalls verlagert.

Denn wo es Nachfrage nach Drogen gibt, sind Dealer nun mal schnell zur Stelle. So einfach ist das Prinzip Angebot und Nachfrage. Wer den Kriminalitätsschwerpunkt also langfristig und wirksam bekämpfen will, muss tiefer ansetzen.

Aufklärung über die Gefährlichkeit von Drogen ist hier am wichtigsten. Bislang sind allerdings Beratungsstellen chronisch unterfinanziert, es gibt lange Wartezeiten für Beratungswillige. Vor allem, seit es immer mehr Crystalabhängige in Sachsen gibt.

Mehr Geld für Aufklärung und Beratung wäre also wichtig - bei weiter anhaltendem Druck durch die Polizei.

Fotos: Steffen Füssel, Eric Münch, Thomas Türpe


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