Nach bundesweiten Bombendrohungen: Verdächtiger gefasst!

Kiel/Berlin - Im Fall einer bundesweiten Serie von Drohbriefen mit rechtsextremistischen Inhalten hat die Polizei jetzt einen Verdächtigen aus Schleswig-Holstein ermittelt.

Polizeibeamte stehen nach einer Bombendrohung vor dem Lübecker Bahnhof.
Polizeibeamte stehen nach einer Bombendrohung vor dem Lübecker Bahnhof.  © DPA

Der Mann stehe unter dem Verdacht, Verfasser zahlreicher Mails unter anderem mit Bombendrohungen an Gerichte und andere Einrichtungen zu sein, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin am Freitag mit.

Kriminalpolizisten Schleswig-Holstein und Berlin durchsuchten am Donnerstagnachmittag eine Wohnung in Schleswig-Holstein und stellten Beweismittel sicher, wie mitgeteilt wurde.

Es gehe unter anderem um die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

Die Mails seien zum Teil mit "Nationalsozialistische Offensive" unterzeichnet gewesen. Sie gingen demnach an Behörden in Hamburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Brandenburg.

Jetzt sollen die beschlagnahmten Beweismittel ausgewertet werden, um den Verdacht gegen den Mann zu erhärten. Gleichzeitig werde ermittelt, ob er auch Verfasser von weiteren der insgesamt 200 Drohschreiben sei, die Gegenstand der Ermittlungen sind.

Seit dem vergangenen Sommer wurden Drohmails verschickt. Im März wurden etwa der Hauptbahnhof Lübeck und das Finanzamt Gelsenkirchen vorsorglich geräumt (TAG24 berichtete).

Auch die Hamburger Polizei sperrte kurzzeitig mehrere Straßen. Zuvor hatte es in Frankfurt Bombendrohungen gegen das Oberlandesgericht und die Staatsanwaltschaft gegeben (TAG24 berichtete).

Ob alle Drohungen der vergangenen Monate mit dem aktuellen Ermittlungskomplex zusammenhängen, ist bislang noch unklar.

Update, 16.05 Uhr: Razzia in Halstenbek

Nach einer Bombendrohung stehen Polizeifahrzeuge am Justizzentrum Potsdam.
Nach einer Bombendrohung stehen Polizeifahrzeuge am Justizzentrum Potsdam.

Nach Informationen von NDR und Hamburger Abendblatt soll die Wohnung in Halstenbek (Kreis Pinneberg) wenige Kilometer nordwestlich von Hamburg liegen. Die Polizei nahm demnach unter anderem Computer und Handys mit. Das bestätigten die Ermittler in Berlin und Kiel nicht.

Bürgermeister Claudius von Rüden sagte der Deutschen Presse-Agentur aber: "Es gab im Zusammenhang mit den Drohschreiben polizeiliche Maßnahmen in Halstenbek".

Polizei und Staatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein gaben unter Hinweis auf die Zuständigkeit der Berliner Staatsanwaltschaft keine Auskünfte.

Der Verdächtige wurde nicht festgenommen. Es gehe um einen "Anfangsverdacht" in einem sehr großen Ermittlungskomplex mit mehr als 200 Mails, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin.

Weder das Alter noch die Staatsangehörigkeit des Verdächtigen wurden mitgeteilt. Es gehe um die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, hieß es weiter.

Nach Informationen des NDR soll der Mann Anfang 30 sein und die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Er sei der Polizei oder dem Verfassungsschutz bereits einschlägig bekannt.

Laut dem ARD- Hauptstadtstudio soll eine Kette von Indizien die Polizei zu ihm geführt haben. Der Verdächtige soll psychisch labil sein.

Ob die komplette Serie aller Drohungen aus den Jahren 2018 und 2019, die bei Finanzämtern, Rathäusern, Anwaltskanzleien, Verlagen und einzelnen Politikern in ganz Deutschland eingingen, auf das Konto des Verdächtigen gehen könnte, soll mit Hilfe der beschlagnahmten Beweise untersucht werden. Daraus ergebe sich, "ob sich der Tatverdacht gegen den Beschuldigten erhärten lässt", hieß es.

Unterzeichnet wurden weitere Mails zum Teil auch mit "NSU 2.0", "Wehrmacht" oder "RAF". Betroffen waren öffentliche Einrichtungen auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und im Saarland.

Gedroht wurde mit Bomben oder - wie im Fall der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Linke) - damit, "Bürger auf offener Straße zu exekutieren".

Update, 16.20 Uhr: Tatverdächtiger als "Apfelfest-Bomber" bekannt

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich einem NDR-Bericht zufolge um André M., der als "Apfelfest-Bomber" bekannt wurde. Der Mann wurde verdächtigt, zusammen mit einem Komplizen einen Bombenanschlag auf das Apfelfest in Rellingen geplant zu haben. Das Gericht sprach ihn aber frei.

Danach folgten weitere Straftaten, im Jahr 2014 erlangte er als "Feuerteufel von Rellingen" traurige Berühmtheit.

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