DSV-Heimspiel als "Feuertaufe": Der Oberstdorf-Plan der Langläufer

Oberstdorf - Mit Platz drei bei der Tour de Ski ließ Katharina Hennig (23) aufhorchen. Der Erfolg soll auf dem Weg zur Heim-WM im Jahr 2021 erst der Anfang sein. Teamchef Peter Schlickenrieder (49) sieht klare Fortschritte und Arbeit.

Teamchef Peter Schlickenrieder hat große Ziele für die Heim-WM 2021.
Teamchef Peter Schlickenrieder hat große Ziele für die Heim-WM 2021.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Wenn Schlickenrieder über den großen Plan für 2021 spricht, entsteht leicht das Gefühl, er würde am liebsten sofort selbst die Langlauf-Ski anschnallen. "Wir haben eine tolle Sportart und haben bei der WM eine einmalige Chance, das Fenster in der Heimat zu nutzen", sagt der 49-Jährige schon jetzt voller Vorfreude mit Blick nach vorne.

Der bayerische Motivator und akribische Arbeiter hat mit seinem Team ein Konzept entwickelt, um die deutschen Langläufer möglichst punktgenau auf den Saisonhöhepunkt im kommenden Jahr in Oberstdorf vorzubereiten. Der Heim-Weltcup an diesem Wochenende im verschneiten Allgäu spielt dabei eine zentrale Rolle.

"Es ist eine kleine Feuertaufe", sagt Schlickenrieder der Deutschen Presse-Agentur und bezieht sich vor allem auf die mentalen Herausforderungen, die so ein Großereignis vor der Haustür mit sich bringt. "Eine Heim-Weltmeisterschaft stresst immer mehr als alles andere. Das muss man auch erst mal wegstecken können."

Der Outdoor-Enthusiast will deshalb zusätzlichen Druck am Samstag und Sonntag im Allgäu bewusst zulassen. Sein Credo: "Alles, was wir jetzt erleben, schockt einen bei der WM nicht mehr."

Schlickenrieder hatte den Job im April 2018 übernommen und direkt als erstes großes Ziel das Großereignis 2021 ins Visier genommen. Dort soll seine Mannschaft um Medaillen kämpfen.

Große Ziele bei Heim-WM vor Augen

Katharina Hennig überzeugte zuletzt mit starken Leistungen.
Katharina Hennig überzeugte zuletzt mit starken Leistungen.  © Carl Sandin/Bildbyran via ZUMA Press/dpa

Ein ehrgeiziges Vorhaben: Im Gesamtweltcup der letzten Saison wurde Sandra Ringwald (29), die ihre Karriere beendet hat, als beste Deutsche 20., bei den Männern belegte Florian Notz (27) als Stärkster Rang 33. "Unsere Medaillenchancen liegen in den Teamwettbewerben", sagt Schlickenrieder und sagt: "Dafür ist aber klar, dass jeder eine deutliche Steigerung bringen muss."

Wie das aussehen kann, zeigte Hennig zu Jahresbeginn eindrucksvoll. Die 23-Jährige feierte bei der Tour de Ski in Val di Fiemme mit Platz drei ihren ersten Podestplatz. Sie wisse, "dass das nicht ständig passiert", hatte Hennig anschließend gesagt, doch das Erfolgserlebnis soll einen Schub geben.

"Bei ihr sollten jetzt konstant Top-Ten-Platzierungen kommen", erklärt Schlickenrieder, der mit Bezug auf seinen WM-Plan immer wieder von Schritten, Blöcken und Entwicklungsstufen spricht.

Der Teamchef, der 2002 als Sportler Olympia-Silber gewann, lobt viel, benennt aber auch Missstände offen. "Es ist mehr als offensichtlich, dass wir im Kraftbereich noch sehr große Defizite haben", sagt er. "Das ist ein Thema, an dem wir im Vergleich zur Weltspitze deutlich schrauben müssen." Bei der individuellen Trainingssteuerung habe sein Team deutliche Fortschritte gemacht - das war Stufe 1. Mit der Verbesserung im Kraftbereich soll nun Stufe 2 folgen.

"Wir sind im Plan", sagt Schlickenrieder und meint Details, nicht nur die Renn-Ergebnisse.

Wie bereiten sich die Sportler auf die Strecken vor? Gestalten sie das Rennen aktiv mit? Achten die Athleten ausreichend auf Gesundheitsprophylaxe? Das alles sind Aspekte, die der Langlauf-Liebhaber genau beobachtet. "Derjenige, der diese Dinge konsequent angeht, wird letztendlich belohnt" - davon ist er überzeugt. Am besten natürlich vom 23. Februar 2021 an in Oberstdorf.

Teamchef Peter Schlickenrieder sieht bei seinen Sportlern Fortschritte - aber auch noch viel Arbeit.
Teamchef Peter Schlickenrieder sieht bei seinen Sportlern Fortschritte - aber auch noch viel Arbeit.  © Hendrik Schmidt/ZB/dpa

Titelfoto: Montage: Karl-Josef Hildenbrand/dpa , Carl Sandin/

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