Düsseldorf führt "Umwelt-Spuren" für Elektro-Fahrzeuge ein

Düsseldorf - In dieser Woche ist es soweit: Düsseldorf führt auf zwei wichtigen Verkehrsachsen sogenannte Umwelt-Spuren ein. Wann es genau losgeht, hängt vom Wetter ab - es sollte nämlich trocken sein.

Die "Umwelt-Spuren" werden auf der Merowinger- (Foto) und auf der Prinz-Georg-Straße angelegt.
Die "Umwelt-Spuren" werden auf der Merowinger- (Foto) und auf der Prinz-Georg-Straße angelegt.  © DPA

Auf zwei wichtigen Nord-Süd-Achsen soll je eine von zwei Spuren in jede Richtung zur einer sogenannten Umweltspur werden. Das Experiment wird bundesweit beachtet und hat neben den Chancen für die Umwelt auch Potenzial für Pendler-Frust und Verkehrs-Chaos.

Die Umweltspuren sollen dazu beitragen, Dieselfahrverbote abzuwenden. Fahren dürfen auf ihnen nur Busse, Fahrräder, Taxis und Autos mit Elektro-Antrieb. Geprüft wird noch, ob später auch Fahr-Gemeinschaften die Umweltspuren nutzen dürfen.

Die Umwelt-Spuren sind zunächst auf ein Jahr angelegt. Dann wird geprüft, ob sie die Luftwerte verbessert haben. Den morgendlichen Weg in die Landeshauptstadt dürften sie für viele Berufspendler zu einer noch größeren Geduldsprobe werden lassen.

"Die Umwelt-Spuren sind ein erster Schritt, um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zu vermeiden und um die Luftqualität auf besonders stark belasteten Straßen-Abschnitten zu verbessern", sagt Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). "Die autogerechte Stadt ist kein Zukunftsmodell."

Düsseldorf bleibt kein Einzelfall: Köln hat eine Umweltspur auf der Aachener Straße beschlossen. Sie soll im kommenden Dezember umgesetzt werden.

Automobilwirtschafts-Professor Ferdinand Dudenhöffer hat die Spuren als "Schildbürgerstreich" bezeichnet. Er erwarte mehr Staus und mehr Emissionen, sagte er der "Westdeutschen Zeitung".

Kilometerlange Staus könnten die Folge sein

Mehr als 300.000 Menschen aus dem Umland arbeiten werktags in der Landeshauptstadt.
Mehr als 300.000 Menschen aus dem Umland arbeiten werktags in der Landeshauptstadt.  © DPA

Mehr als 300.000 Menschen kommen werktags aus dem Umland zur Arbeit in die Landeshauptstadt mit gut 600.000 Einwohnern. Der Pendler-Anteil liegt damit bei 60 Prozent der Menschen, die in Düsseldorf arbeiten, berichtet das Statistische Landesamt.

Mit breiten Fahrradwegen hatte man bereits vor einiger Zeit die Wege der motorisierten Pendler in die Landeshauptstadt zu Nadelöhren verengt.

Nun steht den Autos mit Verbrennungsmotoren noch weniger Raum zur Verfügung. Kilometerlange Rückstaus könnten die Folge sein.

Zu Umwelt-Spuren werden in beiden Richtungen die rechten Fahrspuren der besonders schadstoffbelasteten Merowingerstraße und der Prinz-Georg-Straße, jeweils insgesamt vierspurige Straßen. Kontrollieren soll die Einhaltung der neuen Fahrverbote die Polizei.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hatte die Bezirksregierung bereits 2016 verpflichtet, "schnellstmöglich" für die Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte in Düsseldorf zu sorgen. Fahrverbote für Diesel-Motoren seien dazu ausdrücklich erlaubt. Die will die Landesregierung aber unbedingt verhindern.

Täglich 25.000 Fahrzeuge nutzen die Merowinger-Straße, eine wichtige Nord-Süd-Achse der Stadt. Entsprechend lärm- und schadstoffbelastet ist sie. Die Prinz-Georg-Straße bringt den Verkehr von Norden hinein - über sie rollen 22.000 Fahrzeuge täglich.

Menschen, die diese Routen als ihren Arbeitsweg nutzen, berichten, die Straßen seien bereits jetzt "brechend voll" und im Berufsverkehr von langen Rückstaus gezeichnet.

Titelfoto: DPA

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