Ab in den Knast? So sollen Mitarbeiter für den Job im Gefängnis begeistert werden

Düsseldorf – Die Arbeit hinter Gittern ist hart, voller Einschränkungen und nicht üppig bezahlt. Justizvollzugsbeamte sind dementsprechend gesucht. Ein "Knast-O-Mat" soll jetzt in NRW helfen, Bewerber zu locken. Die können allerdings schon am Diktat scheitern.

Freie Stellen sind im Knast noch genug zu haben.
Freie Stellen sind im Knast noch genug zu haben.  © dpa/Roland Weihrauch

"Bist Du eher der stabile Typ, den nichts so leicht aus der Bahn wirft?" Diese und 19 weitere Fragen stellt der neue "Knast-O-Mat" der nordrhein-westfälischen Justiz allen, die im Internet prüfen wollen, ob für sie ein Job hinter Gefängnismauern infrage käme.

"Wir suchen Menschen mit Charakter", erklärt NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) am Freitag bei der Vorstellung des ungewöhnlichen Selbsteinschätzungstests.

"Dieser Beruf hat Schwierigkeiten, die es sonst nicht gibt", räumt er ein. "Es ist permanente die Begegnung mit Menschen, die nicht glücklich sind. Es geht um einen Kampf um menschliche Schicksale."

Die Erfinder-Agentur des "Knast-O-Mats" bringt das auf die Formel: "Echter wird's nicht." Dass das keineswegs übertrieben ist, weiß Ulrich Biermann aus langjähriger Erfahrung. "Der Job hinter Gittern ist nicht wie im Mädchenpensionat", beschreibt der Landesvorsitzende des Bunds der Strafvollzugsbediensteten die Arbeit mit Menschen in Ausnahmesituationen.

Seit Jahren seien in NRW mehr als 400 von insgesamt fast 6400 Stellen im allgemeinen Vollzugsdienst unbesetzt und die Mehrarbeit infolge der Personalnot auf bis zu 500 000 Überstunden angewachsen.

Deshalb der Griff zum "Knast-O-Mat", der "für einen alten Knochen wie mich" auch ein ungewöhnliches Werbeinstrument in der ehrwürdigen Justiz sei, gesteht Minister Biesenbach.

NRW-Justizminister Wolfgang Biesenbach.
NRW-Justizminister Wolfgang Biesenbach.  © dpa/David Young

Erstaunlich, dass die Justiz trotz der drängenden Personalnot Bewerber bislang sehr streng ausgesiebt hat.

Tatsächlich scheiterten viele im Auswahlverfahren am Diktat, wenn Wörter wie "Portemonnaie" falsch geschrieben würden. Der Justizminister sieht hier Korrekturbedarf: "Wir müssen Anforderungen prüfen, die für die Praxis gebraucht werden."

Dazu gehöre es etwa, über Hürden springen und Hindernisse schnell aus dem Weg räumen zu können, wenn ein Gefangener versuche, zu flüchten. Bei solchen Sport-Parcours fielen die meisten Bewerber wegen körperlicher Gebrechen durch, berichtet Sven Schneider von der Justizpersonalberatungsstelle in Wuppertal.

Dass nicht jeder genommen wird, zeigen schon die Testergebnisse beim "Knast-O-Mat". Wer bei sämtlichen Fragen Unwilligkeit und mangelnde Flexibilität erkennen lässt - Beispiel: "Sind geschlossene Räume ein Problem für Dich?" - liest am Ende: "Hm, das passt eher nicht. Aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn in der Justiz gibt es jede Menge anderer attraktive Jobs für Dich."

Der Wunschbewerber für die Arbeit hinter Gittern sollte schon etwas Lebenserfahrung haben. Gerngesehen seien Quereinsteiger aus anderen Berufen, betont Klaas. Allerdings endet die Verbeamtungsgrenze in NRW derzeit bei 42 Jahren und viele hoheitliche Aufgaben in den Gefängnissen können nur Justizvollzugsbeamten übertragen werden.

"Wir haben aber auch Ausnahmen beim Alter", erzählt Klaas. Kürzlich seien zwei Stewardessen von einer Fluggesellschaft übernommen worden, obwohl beide Damen deutlich über der üblichen Altersgrenze gelegen hätten. "Die sind krisenbewährt im Umgang mit schwierigen Situationen."

Lohn der Herausforderung: derzeit etwa 1600 Euro in der Ausbildung und um die 2000 Euro Einstiegsgehalt - plus Familienzuschlag. Nicht viel Geld für eine Arbeit mit Risiken und vielen Einschränkungen - etwa Handyverbot am Arbeitsplatz.

Titelfoto: dpa/Roland Weihrauch


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