Mann sitzt unschuldig im Gefängnis und stirbt: Polizisten werden vernommen

Düsseldorf/Kleve – Wie konnte es passieren, dass ein hellhäutiger Syrer anstelle eines dunkelhäutigen Afrikaners in Kleve wochenlang unschuldig im Gefängnis sitzen musste? Ein Untersuchungsausschuss des Landtags will dazu nun mehrere Polizisten vernehmen.

Der 26-Jährige Amad A, saß wochenlang in Kleve unschuldig im Gefängnis.
Der 26-Jährige Amad A, saß wochenlang in Kleve unschuldig im Gefängnis.  © DPA

Der Untersuchungsausschuss des Landtags zum Tod eines unschuldig inhaftierten Syrers in Kleve will an diesem Dienstag (14 Uhr) eine Reihe von Polizisten als Zeugen vernehmen.

Diese sollen mit der Überprüfung der Identität des Mannes befasst gewesen sein.

Der hellhäutige Syrer Amad A. soll im Juli 2018 mit einem dunkelhäutigen Mann aus dem afrikanischen Mali verwechselt worden sein. Der 26-Jährige saß wochenlang in Kleve unschuldig im Gefängnis und hatte schließlich laut Gutachter einen Brand in seiner Zelle gelegt, an dessen Folgen er starb.

Die strafrechtlichen Ermittlungen in der Sache dauern unterdessen weiter an. Die Staatsanwaltschaft Kleve ermittelt wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung und der fahrlässigen Tötung.

Update, 15.11 Uhr: Amad A. war laut Bundespolizisten identifizierbar

Die Justizvollzugsanstalt Kleve.
Die Justizvollzugsanstalt Kleve.  © DPA

Zwei Bundespolizisten haben zum Tod des Syrers Amad A. ausgesagt, dass sie den Mann anhand seiner Fingerabdrücke eindeutig identifizieren konnten. "Das hat einwandfrei funktioniert", sagten die Beamten, die am Dienstag als erste Zeugen öffentlich im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags in Düsseldorf zum Tod des unschuldig inhaftierten Syrers aussagten.

Der Syrer habe am 4. Juli 2018 ohne Fahrkarte und ohne Ausweispapiere nachts in einem Zug gesessen. Zudem sei ein Tütchen Marihuana bei ihm gefunden und sichergestellt worden. Die Verständigung mit ihm sei sehr schwierig gewesen.

Über das sogenannte Fast-ID-Verfahren habe er aber eindeutig als Amad A. aus Aleppo identifiziert werden können. Das Foto habe übereingestimmt.

Es sei ein Verfahren wegen Schwarzfahrens eingeleitet und der Mann dann entlassen worden. Eine Fahndung nach ihm sei vom System nicht angezeigt worden.

Titelfoto: DPA