Deutsche (21) soll Sklavenhalterin bei der Terrormiliz IS gewesen sein

Düsseldorf – Im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts beginnt am Mittwoch der Prozess gegen Sarah O. (21). Der 21-Jährigen wird neben der IS-Mitgliedschaft Menschenhandel und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Bewaffnete Polizisten sichern das Hochsicherheitsgebäude des Oberlandesgerichtes in Düsseldorf (Archivbild).
Bewaffnete Polizisten sichern das Hochsicherheitsgebäude des Oberlandesgerichtes in Düsseldorf (Archivbild).  © Monika Skolimowska/dpa

Sie war Schülerin der zehnten Klasse an einem Gymnasium in Konstanz am Bodensee. Doch im Alter von 15 Jahren soll sie sich dazu entschlossen haben, auf das Abitur zu pfeifen und sich in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen.

Sie soll in Syrien ein jesidisches Mädchen und zwei jesidische Frauen als Sklavinnen gehalten haben, so die Anklage der Bundesanwaltschaft. Außerdem soll sie versucht haben, personellen Nachschub für den IS zu rekrutieren.

Der Anklage zufolge reiste die Schülerin 2013 nach Syrien und heiratete dort 2014 nach islamischem Recht den aus Köln stammenden IS-Kämpfer Ismail S. Auf ihrer später deaktivierten Facebook-Seite gab sie an, seit dem 4. Januar 2014 verheiratet zu sein und für Allah zu arbeiten.

Sie habe sich an Waffen ausbilden lassen und Wach- sowie Polizeidienste für den IS geschoben, wirft ihr die Anklage vor.

Die Sklavinnen mussten Haus und Kinder des Ehepaars hüten. Die Eigentümer der Wohnung seien zuvor getötet oder vertrieben worden.

Auch Schwiegereltern angeklagt

Blick auf das Oberlandesgericht in Düsseldorf.
Blick auf das Oberlandesgericht in Düsseldorf.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Als es für den IS in Syrien eng wurde, sei Sarah O. in die Türkei geflohen. Dort hatten die Behörden festgestellt, dass sie von Interpol gesucht wurde und sie nach Deutschland abgeschoben.

Im September 2018 landete die junge Frau mit ihren drei Kindern am Düsseldorfer Flughafen und wurde sofort verhaftet. Seither sitzt sie in Untersuchungshaft.

Bislang habe sie zu den Vorwürfen keine Angaben gemacht, teilte ein Gerichtssprecher mit. Ihre Verteidigerin war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Tochter einer Deutschen und eines Algeriers wird nicht allein auf der Anklagebank sitzen. Mit der jungen Frau sind auch ihre deutschen Schwiegereltern (48/51) angeklagt. Sie sollen ihren Sohn und dessen Bruder bei deren IS-Aktivitäten unterstützt haben, was ihnen den Vorwurf der Terrorhelferschaft eingebracht hat.

So habe sich die Mutter Magazine, Zielfernrohre und Visiere für Kalaschnikows und Pistolen an ihre Adresse in Deutschland liefern lassen, heißt es. Der Vater soll einige der Lieferungen bezahlt haben. Beide sind auf freiem Fuß.

Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte am 16. November fallen.

Titelfoto: Monika Skolimowska/dpa


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