Zuhause auf dem Supermarkt? Wegen Wohnungsnot könnte dies bald real werden

Düsseldorf – Die Wut über steigende Mieten und zu wenig Wohnraum in Ballungsgebieten treibt viele Menschen auf die Straßen. Die Politik sucht neue Wege im Wohnungsbau. Da sind auch unkonventionelle Ideen gefragt.

Deutschland könnte bis zu 400.000 Wohnungen auf Supermärkte bauen.
Deutschland könnte bis zu 400.000 Wohnungen auf Supermärkte bauen.  © DPA

Als Maßnahme gegen die Wohnungsnot und hohe Mieten in Städten sollten nach Ansicht der Grünen eingeschossige Gewerbeimmobilien wie Supermärkte aufgestockt werden.

Laut einer Studie könnten deutschlandweit allein durch die Aufstockung der Märkte der 20 größten Supermarktketten rund 400.000 Wohnungen entstehen, heißt es in einem Antrag für eine Aktuelle Stunde im Landtag am Mittwoch. "Dieses enorme Potenzial gilt es auch in NRW bestmöglich auszunutzen."

Die Grünen-Fraktion forderte die schwarz-gelbe Landesregierung auf, einen Städtebau-Gipfel mit Investoren und großen Handelsketten einzuberufen, um mehr Wohnungen etwa auf Discounter- und Parkflächen zu schaffen.

Der Flächenbedarf der Supermärkte habe sich in den vergangenen Jahren massiv erhöht, oft zulasten potenzieller Wohnbauflächen.

Auf Supermärkten ist noch genügend Platz für neue Wohnungen

Einstöckige Supermärkte mit riesigem Parkplatz vor der Tür sind die reinste Platzverschwendung.
Einstöckige Supermärkte mit riesigem Parkplatz vor der Tür sind die reinste Platzverschwendung.  © DPA

In den Städten würden Flächen dagegen immer knapper, deshalb müsse "nach bisher unentdeckten Potenzialen zur Nachverdichtung" gesucht werden. Beispiele für Wohnen auf Zweckimmobilien gibt es in NRW schon. In Köln setzten Architekten einem alten Parkhaus weiß verputzte Häuschen aufs Dach.

Die SPD nannte in ihrem Antrag die Begrenzung der Geschosszahlen beim Mietwohnungsbau "nicht mehr zeitgemäß". Rentable Bauprojekte würden verhindert, wenn nicht höher als vier Stockwerke gebaut werden dürfe.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) warf der SPD vor, die "Fehlleistungen der 70er Jahre wiederholen zu wollen".

Hohe Geschosse in Mietwohnungen führten nicht zu sozial gemischten Quartieren. "In Duisburg sprengen wir diese Dinger weg", sagte Scharrenbach. Kürzlich war in Duisburg ein 22-Etagen-Wohnhaus aus dem Jahr 1972 gesprengt worden.

Titelfoto: DPA


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