Bei diesen Gründern ist die soziale Idee wichtiger als die Kohle

Duisburg – Brustkrebsfrüherkennung oder Hilfe von Demenzkranken: Bei Sozialunternehmen steht die gute Sache im Vordergrund. Eine Start-up-Schmiede in Duisburg möchte potentielle Gründer mit sozialen Ambitionen nun fördern.

Steffen Preuß ist der Geschäftsführer von Icho Systems.
Steffen Preuß ist der Geschäftsführer von Icho Systems.  © DPA

Steffen Preuss dachte an seine an Demenz erkrankte Großmutter, als er mit Freunden das inzwischen vielfach ausgezeichnete Start-up Ichó gründete.

Sie haben zusammen einen interaktiven Ball entwickelt, der mit Licht, Geräuschen und Vibrationen Demenzkranken und geistig Behinderten einen neuen Weg zur Kommunikation bieten soll. Er kann für die Bedürfnisse jedes Patienten individuell programmiert werden.

Und die Idee des Duisburger Frauenarztes Frank Hoffmann, das besonders ausgeprägte Tastvermögen blinder Frauen für die Brustkrebs-Früherkennung zu nutzen, macht inzwischen sogar Indien, Mexiko und Kolumbien Schule.

Es sei eine Win-Win-Win-Idee, sagt er. Die Patientinnen profitierten, weil bei der Untersuchung durch die MTUs Tumore nachweislich früher entdeckt würden, als bei herkömmlichen Untersuchungen. Die blinden Frauen profitierten, weil sie so einen Beruf ausüben könnten, aber auch weil sich ihr Rolle in der Gesellschaft verändere: von "sehbehindert" zu "tastbegabt".

Und die Gesellschaft profitiere, weil das Gesundheitssystem durch die frühere Entdeckung der Tumore und die daraus resultierenden besseren Heilungschancen entlastet werde.

Mehr als 1700 Sozialunternehmen in Deutschland

Der Frauenarzt Frank Hoffmann gründete ein Start-up zur Früherkennung von Brustkrebs.
Der Frauenarzt Frank Hoffmann gründete ein Start-up zur Früherkennung von Brustkrebs.  © DPA

So verschieden ihre Projekte sind: Den beiden Unternehmern ist gemeinsam, dass es ihnen nicht allein ums Geld geht. Sie wollen die Welt ein bisschen besser machen. In Deutschland gibt es Studien zufolge mehr als 1700 Sozialunternehmen.

Nach einer aktuellen Studie, die von McKinsey zusammen mit der gemeinnützigen Organisation Ashoka Deutschland erstellt wurde, bergen die von den Sozialunternehmen angetriebenen Innovationen ein Milliardenpotenzial.

Die Idee der sozialen Start-ups ist in den vergangenen Jahren aus den USA nach Deutschland herübergeschwappt. Viele der Unternehmen sind trotz des sozialen Engagements keine Non-Profit-Organisationen, sondern wollen durchaus Gewinn machen.

Ichó-Gründer Preuss sieht Vorteile darin. Es sei wichtig, nicht "mit dem Klingelbeutel" unterwegs zu sein. "Wir haben ein nachhaltiges Geschäftsmodell, mit dem wir uns finanzieren können", betont er.

Das erlaube nicht zuletzt ein schnelles Wachstum. Die soziale Verantwortung sei in der DNA des Start-ups dennoch tief verankert.

Impact Factory fördert Start-ups mit sozialer Idee

Die Impact Factory unterstützt Start-ups, die soziale, gesellschaftliche oder ökologische Probleme mit unternehmerischen Mitteln lösen wollen.
Die Impact Factory unterstützt Start-ups, die soziale, gesellschaftliche oder ökologische Probleme mit unternehmerischen Mitteln lösen wollen.  © DPA

Recht etabliert am Markt ist bereits das Start-up Share. Für jedes verkaufte Produkt wird einem Menschen mit einem gleichwertigen Produkt oder Service geholfen.

Dadurch seien inzwischen 51 Brunnen gebaut, mehr als zwei Millionen Mahlzeiten verteilt und über 500.000 Seifen an Bedürftige ausgegeben worden, sagt Sebastian Stricker.

Trotz der Erfolgsgeschichten von Share, Ichó und Discovering Hands: Die Hürden für Sozialunternehmen sind in Deutschland nach wie vor hoch. Bei weitem nicht allen Start-ups gelinge der Schritt von der Idee zum erfolgreichen Geschäftsmodell, heißt es in der Studie.

Potenziellen Gründern will deshalb künftig eine ganz besondere Start-up-Schmiede in Duisburg helfen. Gefördert unter anderem von der Unternehmerdynastie Haniel, der Otto-Beisheim-Stiftung und der KfW-Bank soll die Duisburger Impact Factory künftig jedes Jahr rund 20 Jungunternehmer mit sozialen Ambitionen auf dem mühsamen Weg zum tragfähigen Geschäftsmodell unterstützen.

Bewerbungen für die ersten Gründerstipendien sind noch bis Anfang Juni möglich. Die Erwartungen von Factory-Initiator Dirk Sanders sind hoch. Das Wort "Impact" im Namen stehe für "Einschlag wie Asteroideneinschlag".

Titelfoto: DPA


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