Vorurteile gegen "farbige Männer": Hayali lässt ihrem Ärger freien Lauf

Berlin - Dunja Hayali macht mit ihrer Hündin Emma einen Spaziergang im Görlitzer Park. Dabei fallen ihr drei Männer auf. Nur wenige Augenblicke später ärgert sich die Moderatorin über sich selbst. Der Grund sind ihre Gedanken.

Dunja Hayali macht ihrem Ärger auf Facebook Luft.
Dunja Hayali macht ihrem Ärger auf Facebook Luft.  © DPA

"Na toll, schon wieder neue Dealer", habe sie gedacht, schreibt Hayali auf ihrer offiziellen Facebook-Seite - und veranschaulicht im Anschluss ihren Followern den eigenen Gedankengang.

Kurze Zeit, nachdem sie die "drei farbigen Männer" entdeckt und in Gedanken in eine Schublade eingeordnet hatte, fiel ihr nämlich auf, dass diese nicht alleine unterwegs waren. Auch ihre Frauen und Kinder waren in den "Görli" gekommen.

Die Kinder seien von Emma ganz entzückt gewesen, und sie sei gefragt worden, ob "die Kids mal Ihren Hund streicheln" dürften. Hayali sei zu diesem Zeitpunkt bewusst gewesen, dass es sich nicht um Dealer handelt, sondern einfach nur um Väter.

Im selben Augenblick habe sie sich deshalb über sich selbst geärgert, schreibt die Journalistin weiter. "Klar war aber auch: kurzzeitig übelst ertappt." Sie fragt sich, woher diese reflexartige Einordnung kommt und ob jene an der "bereits langanhaltenden und zum Teil undifferenzierten Dauerbeschallung rund um 'Asyl', 'Integration' und 'Zuwanderung'" liege.

Die Fronten "verhärten immer mehr", schreibt Hayali. "Genauso, wie Ablehnung und Ausgrenzung allem Fremdländischen gegenüber wachsen". Es würden allerdings auch andere Gruppierungen "mal eben per Pauschalurteil separiert". "Denn auch die anderen Schubladen sind ja bereits beschriftet mit 'Nazi', 'Gutmensch', 'Linksgrün-Versiffter', 'typischer AfDler', 'Bahnhofsklatscher', 'Lügner', 'Vergewaltiger-Freund', 'Rassist' usw.", führt die 43-Jährige gleich mehrere Beispiele an.

Daran müsse sich dringend etwas ändern. Dies gehe aber nur durch den eigenen Willen: "Wenn wir aber Vorurteile und die Separierung überwinden wollen, müssen wir eine andere Fähigkeit benutzen: die des Hinterfragens", so Hayali.

Ein zweiter oder gar dritter Blick könnten viel bewirken. Denn so nützlich Schubladen für uns Menschen auch sein mögen, sie seien "nun einmal für Socken da, vielleicht auch für ganz bunten Krimskrams, aber nicht für Menschen".


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