Dunja Hayali in Chemnitz: Sie geht dahin, wo es wehtut und wird mit "F****!" heim geschickt

Chemnitz/Berlin - Am Samstag versuchte ZDF-Moderatorin Dunja Hayali (44) in Chemnitz mit den Menschen vor Ort zu reden. Die Wut, die Trauer, die Angst und Empörung zu verstehen, die die Bewohner dieser Stadt zum Protest bewegen. Doch dies tat sie nicht aus sicherer Entfernung, sie ging dahin, wo es besonders wehtut.

Sie wollte die Menschen vor Ort verstehen und muss geläutert der Heimreise antreten. (Bildmontage)
Sie wollte die Menschen vor Ort verstehen und muss geläutert der Heimreise antreten. (Bildmontage)  © DPA (Bildmontage)

Für Journalisten ist die sächsische Stadt in den letzten Tagen ein gefährliches Pflaster. Vermehrt häufen sich Meldungen von angegriffenen Kamerateams und Reportern (TAG24 berichtete). Die Bandbreite reicht dabei von wüsten Beschimpfungen bis hin zur Körperverletzung.

Doch trotz alledem setzte sich Hayali dieser Gefahr aus, selbst ein Opfer des aufgebrachten Mobs zu werden. Journalist Raphael Thelen schilderte dieses Aufeinandertreffen von Demonstranten und der Moderatorin auf Twitter.

Umringt von Männern wurde die 44-Jährige angefeindet, als "Fotze" und "nicht deutsch" betitelt, schreibt Thelen und lobt den Einsatz von Hayali. "Sie lächelte, hörte zu, erklärte sich, stellte Fragen. Den ganzen Tag. Chapeau".

Der spontane Versuch mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu treten, blieb erfolglos. "Hab wieder mal viel gelernt, gehört, versucht zu reden, zu erklären, nachzufragen. Bin aber auch etwas angefaßt, nach all dem Hass, der Wut, den Beschimpfungen, Unterstellungen, der Häme und einiges mehr", schreibt Hayali einen Tag später auf Twitter.

Und legt resigniert in einer zweiten Nachricht nach: "Hört man zu, heißt es, man hätte nichts entgegen zu setzen. Stellt man fragen, heißt es, man hört nicht zu. Erklärt man, heißt es, man würde die Bürger erziehen wollen. Redet man mit Bürgern, ist es falsch. Redet man nicht mit ihnen, ist es auch falsch. Was wollen 'sie' eigentlich?".

Für die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes war es ein ereignisreicher Samstag in Chemnitz. Statt Bürgerdialog gab es für Hayali geballte Wut und Hass mitten ins Gesicht. Schonungslos und direkt. Das Resümee: "Verbale prügel sind nicht ohne. Traurig alles."

Titelfoto: DPA (Bildmontage)


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