Unfallgefahr zu hoch! Straßenbahn sperrt Elektro-Rollis aus

Ohne seine Frau Irmgard Gröger wäre Peter (beide 74) hilflos. Das Paar ist seit 54 Jahren verheiratet.
Ohne seine Frau Irmgard Gröger wäre Peter (beide 74) hilflos. Das Paar ist seit 54 Jahren verheiratet.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Wenn du denkst, es geht nicht schlimmer ... Irmgard Gögel (74) hat schon viel durchgemacht: Ein Enkel und der Schwiegersohn sind tot. Asthma quält sie. Aber dass ihr Mann nicht mehr in der Straßenbahn fahren darf, weil er den „falschen“ Rolli hat, ist ihr dann doch zu viel.

„Eine Fahrerin der Linie 9 wollte uns nicht mitnehmen“, sagt Irmgard Gröger wütend. „Erst nach langem Reden und einer extra Unterschrift von uns lenkte sie ein. Die ganzen Jahre ging es gut.“

Peter Gröger (74) sitzt seit 2008 im Rollstuhl. Um überhaupt noch raus zu können, hat ihm die Krankenkasse einen fahrbaren Untersatz der Marke Orion genehmigt. Dieser Elektroscooter lässt sich besonders genau steuern, ist dick bereift und bequem.

Halt. Für Sie ist hier Schluss!“ Mit diesem Rolli darf Peter Gröger nicht Straßenbahn fahren.
Halt. Für Sie ist hier Schluss!“ Mit diesem Rolli darf Peter Gröger nicht Straßenbahn fahren.

Das reicht nicht, denn DVB-Sprecher Falk Lösch (50) weiß: „Wir nehmen mechanisch oder elektrisch angetriebene Rollstühle mit. Einzige Ausnahme sind E-Scooter, die ein Sicherheitsrisiko für sich und andere Fahrgäste darstellen. Der entscheidende Unterschied liegt im viel höheren Schwerpunkt der E-Scooter.“

Es habe deutschlandweit „dramatische Unfälle“ gegeben!

Sylvia Müller (58) hört das zum ersten Mal. Die Behindertenbeauftragte der Stadt fällt aus allen Wolken, will nun schnell eine Lösung.

Wie die Grögers: Seit dem Vorfall in der Linie 9 warten sie mit Bangen auf jede Bahn, auch manche Busfahrer spielen nicht mit.

Und nun steht Heiligabend bevor. Da wollen Irmgard und Peter nämlich zur Vesper in die Kreuzkirche ...

Fotos: Thomas Türpe (1)


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