Dynamo und Aue: Der Weg der Zweitligisten geht weit auseinander!

Dresden/Aue - Während in Aue die Herbstsonne strahlt, ist in Dresden Herbst-Tristesse ausgebrochen. Der FC Erzgebirge rangiert mit 15 Punkten auf Rang vier, Dynamo ist mit nur neun Zählern auf Platz vierzehn, nur ein Pünktchen vor einem direkten Abstiegsplatz.

Dynamo Dresden kassierte bereits 18 Gegentore in neun Spielen.
Dynamo Dresden kassierte bereits 18 Gegentore in neun Spielen.  © Lutz Hentschel

Nicht nur TAG24 fragt sich, wie das passieren konnte. Eine Ursachenforschung.

Dynamo-Abwehr: 18 Gegentore in neun Spielen, das sind zwei pro Spiel. Nur beim 0:0 in Darmstadt hielt sich Dresden schadlos, in den anderen drei Auswärtspartien gab es zehn! Das ist das große Manko, die Defensive ist nicht sattelfest und nicht eingespielt, auch weil zu häufig gewechselt wird.

Aue-Abwehr: Dreizehn Gegentore bedeuten die siebtbeste Verteidigung. Von den einzigen beiden Pleiten in Bielefeld (1:3) und Hamburg (0:4) abgesehen, stand der Deckungsverbund stabil. Das trifft insbesondere auf das Herzstück Innenverteidigung um die Neuzugänge Marko Mihojevic und Sören Gonther zu.

Dynamo-Spielsystem: Es ist hinlänglich beschrieben, dass sich das Team mit der Dreierkette extrem schwer tut. Zu sehen war das gerade im gewonnenen Heimspiel gegen Regensburg.

In den ersten 45 Minuten wussten die Kicker in zwei, drei Szenen gar nicht, wo sie hinlaufen mussten. Das sorgte dafür, dass wenig Betrieb nach vorn gemacht werden konnte. Erst nach der Pause, nach einer Umstellung, lief es besser.

Noch hält Cristian Fiel an seinem System fest. Entweder geht es zu dem System, was seinen Jungs liegt und wozu er auch das Personal hat, oder sein Team lernt nun blitzschnell. Doch so wie jetzt wirkt alles sehr unsicher.

Dirk Schuster bleibt seinem System bei FC Erzgebirge Aue treu; Dynamo Dresden ohne Hierarchie!

Aues Calogero Rizzuto flog gegen den VfL Osnabrück vom Platz.
Aues Calogero Rizzuto flog gegen den VfL Osnabrück vom Platz.  © Picture Point/ Sven Sonntag

Aue-Spielsystem: Coach Dirk Schuster schwor schon bei den Stuttgarter Kickers, beim SV Darmstadt 98 oder dem FC Augsburg auf das 4-2-3-1, ließ dort bisweilen aber auch im 4-4-2 spielen.

In Aue zeigt sich auch: Schuster setzt auf Kontinuität. Sein Vorgänger Daniel Meyer warf dagegen gerne mal die Rotationsmaschine an. Sieht man von der Gelb-Rot-Sperre für Calogero Rizzuto ab, nahm er in fünf Spielen nur auf zwei Positionen Wechsel vor. In der Spitze tauschte Schuster einmal zwischen Philipp Zulechner und Pascal Testroet. Auf der Zehn ersetzte Christoph Daferner in Hamburg Dimitrij Nazarov.

Dynamo-Hierarchie: Die ist nicht vorhanden. Fiel hat vier Kapitäne, von denen keiner großen Einfluss auf dem Feld hat oder haben kann - siehe Marco Hartmann, der für seine vielen Verletzungen und die jetzige Krankheit nichts kann.

Jannik Müller ist kein Lautsprecher, Niklas Kreuzer hadert derzeit mehr mit sich und Patrick Wiegers als Nummer zwei ist sicherlich ein Ruhepool, eine Identitätsfigur des Vereins. Aber er spielt halt nicht.

Somit fehlt ein Mann, der auf dem Platz auch mal Ansagen macht, Zeichen setzt und mitreißt. Chris Löwe und Patrick Ebert sind nicht die Typen - und sind auch nicht immer gesetzt. Hier muss Fiel reagieren, die junge Mannschaft braucht zwei, drei Personen, an denen sie sich aufrichten kann. Der Leader wird dringend gesucht.

Martin Männel geht beim FC Erzgebirge Aue voran; Kevin Broll stabilster Dynamo-Neuzugang

Aue-Keeper Martin Männel ist laut dem "Kicker"-Notenschnitt der zweitbeste aller Zweitliga-Profis.
Aue-Keeper Martin Männel ist laut dem "Kicker"-Notenschnitt der zweitbeste aller Zweitliga-Profis.  © Picture Point/ Sven Sonntag

Aue-Hierarchie: Martin Männel ist in Aue die unumstrittene Nummer eins. Als Kapitän ist er Identifikations- und Integrationsfigur in einem. Ex-Coach Daniel Meyer wollte an dessen Status nicht rütteln, hat ihn aber auch nie wirklich unterstrichen. Das war ein Fehler.

Genauso wie kein klares Gerüst, einen Mannschaftsrat zu bestimmen. Männel genießt breites Vertrauen, zahlt dies auch zurück. Der "Kicker" wertet ihn mit Note 2,61 als zweitbesten (!) aller Zweitliga-Profis.

Hinter ihm reihen sich gleich mehrere erfahrene Leistungsträger auf, die präsent sind oder selbst nach Niederlagen Körpersprache zeigen und unangenehmen Fragen nicht aus dem Weg gehen.

In erster Linie zählen dazu ein Sören Gonther, Fabian Kalig, Dimitrij Nazarov, Clemens Fandrich, Pascal Testroet oder Jan Hochscheidt. Jeder identifiziert sich bedingungslos mit Aue.

Dynamo-Neuzugänge: Chris Löwe fällt nicht ab, aber auch noch nicht auf. Gleiches trifft auf Rene Klingenburg zu, der aber genau das Potenzial einer Leitfigur hat. Doch auch er konnte noch nicht vollends überzeugen.

Das taten am ehesten Keeper Kevin Broll, derzeit der Stabilste aller Dynamos und Alexander Jeremejeff bis zu seiner Verletzung. Er ist ein Gewinn und wird das noch oft beweisen. Die Anlagen dazu hat auch Luka Stor. Matthäus Taferner spielte noch keine große Rolle, warum eigentlich nicht?

Dynamo Dresdens K-Block pfeift! Beim FC Erzgebirge Aue ist die Stimmung deutlich besser

Nach der Dynamo-Pleite gegen Hannover 96 kippte die Stimmung im K-Block.
Nach der Dynamo-Pleite gegen Hannover 96 kippte die Stimmung im K-Block.  © Lutz Hentschel

Aue-Neuzugänge: Sieben Neuzugänge wurden im Sommer verpflichtet, sechs davon 23 Jahre und jünger. Sören Gonther (32) ragt da als "Oldie" heraus. Herausragend auch seine bisherige Leistung: Nur gegen Bielefeld fehlte er wegen einer Rücken-Verletzung, absolvierte sonst stets die volle Spielzeit. PAOK Saloniki-Leihgabe Marko Mihojevic schlug ebenfalls ein. Gemeinsam mit Gonther hält er den Laden dicht.

Dynamo-Stimmung: Sie war schon einmal besser. Es dauert lange, bis der K-Block mal geschlossen die Hand zum Mund nimmt und pfeift. Nach dem 0:2 gegen Hannover war es soweit. Die Spieler durften sich einiges anhören, auch Worte, die nicht zum Drucken geeignet sind. Das Umfeld kocht und verlangt Besserung. Wenn nicht, wird es ein stürmischer Herbst.

Aue-Stimmung: Im "Kumpelverein" haben sie scheinbar ein Gespür für die Situation. Als Meyer Mitte August beurlaubt wurde, gab es trotz unglücklicher Vereinskommunikation keine Widerworte. Im Gegenteil: Zum nächsten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (0:0) stand man wie eine Wand hinter dem FC Erzgebirge.

Während die Laune beim FC Erzgebirge Aue und Trainer Dirk Schuster (l.) gut ist, ist die Stimmung bei Dynamo Dresden und Coach Cristian Fiel schlecht.
Während die Laune beim FC Erzgebirge Aue und Trainer Dirk Schuster (l.) gut ist, ist die Stimmung bei Dynamo Dresden und Coach Cristian Fiel schlecht.  © Lutz Hentschel/Picture Point/Sven Sonntag

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