Dynamo-Keeper Broll sauer: "Kannst nicht abschalten bei dem Scheißdreck"

Nürnberg/Dresden - Sollte Dynamo-Coach Markus Kauczinski einen neuen Kapitän für die Zukunft suchen und Mut besitzen, Kevin Broll wäre eine Alternative.

Dynamo-Keeper Kevin Broll stützt sich frustriert auf seine Knie.
Dynamo-Keeper Kevin Broll stützt sich frustriert auf seine Knie.  © picture point/Sven Sonntag

Leistungs- und meinungsstark, kein Rumgeeiere, sondern klare Worte, wenn sie auch ab und an derb ausfallen. Aber der Mann brennt für den Verein. Das war nach dem 0:2 in Nürnberg deutlich zu hören. Der Keeper stellte sich nach der elften Saisonpleite. Ein Gefühlsausbruch!

..über die Winterpause, in der er auch mal abschalten könnte:

"Ich werde sicher bis Januar nicht auf andere Gedanken kommen. Da bin ich zu sehr Fußballer. Da wird man die einen oder anderen Gespräche mit Leuten führen, dann bist du wieder drin in dem Thema. Du kannst da nicht abschalten wegen dem ganzen Scheißdreck hier. Ich wüsste auch nicht, wie ich abschalten soll."

..über die Hoffnung im neuen Jahr:

"Wir müssen frohen Mutes an die Sache rangehen, einfach die Eier in der Hose haben. Jeden Tag, jede Minute, in jedem Training - und wenn es nur zum Duschen geht, scheißegal. Es müssen Männer auf den Platz gehen, mit guten Jungs kommst du nicht weiter."

Broll fehlt die Aggressivität

Immerhin: Die Dynamo-Spieler trauten sich zum Dresdner Fanblock.
Immerhin: Die Dynamo-Spieler trauten sich zum Dresdner Fanblock.  © picture point/Sven Sonntag

..über die Stimmung in Nürnberg beim Gang zu den Fans und Medien:

"Das Problem habe ich das ganze Jahr schon, auch in Großaspach schon. Es ist kräftezehrend für mich. Irgendwann findest du keine Worte mehr. Du kriegst eine Frage gestellt, die eigentlich schon deine Antwort ist. Du kannst nichts schönreden. Es ist immer wieder dieselbe Kacke, die du ins Mikrofon sprichst. Am Ende des Tages muss jeder jeden Tag bis zum Trainingsauftakt mehrmals in den Spiegel schauen und sich fragen, ob er alles gegeben hat. Wenn ich die Leute sehe, die nicht auf dem Platz stehen, die zeigen mehr Emotionen als manche, die auf dem Platz stehen. Wenn du nur die letzten fünf Minuten aggressiv spielst, dann reicht das nicht. Diese Aggressivität haben wir fast jedes Spiel vermissen lassen."

... über den Fakt, ob er genau das intern mal angesprochen hat:

"Nö, da gibt es andere Leute dafür. Ich bin gerade nicht in der Verfassung dazu, darüber zu reden, weil es mir zu nahe geht. Wenn ich einen A-Junioren-Spieler, der zum ersten Mal da ist, mit Tränen in den Augen sehe, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Er ist zum ersten Mal dabei und muss sich dann solche Beleidigungen anhören. Er kann nix dafür, aber er ist im Kader. Er wird vielleicht angespuckt, angeworfen, keine Ahnung. Das tut mir leid für die Leute und für die Jungs, die drumherum alles machen. Ich habe keinen vom Betreuerteam gesehen, der nicht Pippi in den Augen hatte. Es ist derzeit schwer, die Nerven zu behalten."

Kevin Broll hielt wiedermal, was zu halten war...
Kevin Broll hielt wiedermal, was zu halten war...  © picture point/Sven Sonntag
Patrick Ebert (vorn, r.) und seine Kollegen mussten sich von den Fans harte Worte gefallen lassen.
Patrick Ebert (vorn, r.) und seine Kollegen mussten sich von den Fans harte Worte gefallen lassen.  © picture point/Sven Sonntag

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