Dynamos neuer Rohdiamant Kevin Ehlers: 18 Jahre jung und schon so abgezockt

Dresden - Nach außen cool wie Hundeschnauze, innerlich musste er die Aufregung mit Sicherheit etwas unterdrücken: der heimliche Gewinner der Dynamo-Vorbereitung Kevin Ehlers hat am Samstag ganz Fußball-Deutschland gezeigt, wie souverän und abgezockt man mit 18 Jahren ein Profi-Debüt feiern kann.

Kevin Ehlers im Zweikampf mit Mikael Ishak (links), und einem Lachen auf dem Gesicht vor der Niederlage.
Kevin Ehlers im Zweikampf mit Mikael Ishak (links), und einem Lachen auf dem Gesicht vor der Niederlage.  © Lutz Hentschel

Der Innenverteidiger, der 2017 aus Rostock in die "Dynamo Nachwuchs Akademie" und damit direkt unter die Fittiche seines jetzigen Trainers Cristian Fiel in die U17 wechselte, forderte bei der 0:1-Niederlage gegen Nürnberg die Bälle, machte das Spiel von hinten heraus und zeigte eine Souveränität, die selbst manch gestandener Profi nicht immer aufblitzen lässt.

"Mich verwundert das nicht groß. Ich habe ihn schon in der Vorbereitung immer wieder zur Seite genommen und ihm gesagt, dass es großes Kino ist, was er für sein Alter hier macht", lobte Kapitän Niklas Kreuzer nach der Partie.

Auch, wenn Dynamo am Ende mit leeren Händen und null Punkten auf dem Konto dastand, so waren nicht nur das Spielsystem von Fiel und die physische Form, in der sich die Mannschaft präsentierte ein, ein Zugewinn, sondern eben auch Ehlers.

"Vor dem Spiel habe ich ihm gesagt, dass er überhaupt nicht nervös sein muss. Er hat so eine Qualität, es gibt keinen Grund, dass er an sich zweifelt. So hat er heute auch gespielt", war Kreuzer beeindruckt vom Debüt des 18-Jährigen.

Kevin Ehlers stand bereits im Februar das erste Mal im Dynamo-Kader

Kevin Ehlers war nach seinem Debüt und einer starken Leistung des Teams sicher auch maßlos über die Niederlage enttäuscht.
Kevin Ehlers war nach seinem Debüt und einer starken Leistung des Teams sicher auch maßlos über die Niederlage enttäuscht.  © Lutz Hentschel

Erst im Sommer hatte Dynamo Dresden das Talent mit einem Profivertrag bis 2023 ausgestattet.

Sportgeschäftsführer Ralf Minge und Cristian Fiel war schon vor 2017 klar, welchen Rohdiamanten sie da an die Elbe locken. In seinem ersten Jahr unter Fiel in der U17 trug Ehlers dann auch gleich die Binde. Ein Jahr später ging es in die U19.

Und weil vor dem Schicksalsspiel von Ex-Trainer Maik Walpurgis beim SV Darmstadt 98 im Februar 2019 zig Spieler verletzt ausfielen, rückte Ehlers bei der 0:2-Niederlage sogar erstmals in den Profi-Kader, saß aber die gesamte Spieldauer auf der Bank.

"Ich fiebere dem Tag entgegen, wenn ich erstmals in diesem tollen Stadion vor diesen beeindruckenden Fans in einem Pflichtspiel im Dynamo-Trikot auflaufen darf", sagte der Defensivmann noch am 17. April bei der offiziellen Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung. Am Samstag war es nun so weit.

Fiel hatte schon während der Vorbereitung betont, wie stark der 18-Jährige arbeitet und dass er zu 100 Prozent im Konkurrenzkampf mit den anderen Bewerbern für seine Position steht. Nun machte der Trainer ernst, warf Ehlers ins kalte Wasser und der schwamm sich frei.

Herz und Leidenschaft: Das macht Kevin Ehlers aus

Trainer Cristian Fiel feuert im Trainingslager in Österreich Kevin Ehlers während einer Einheit an.
Trainer Cristian Fiel feuert im Trainingslager in Österreich Kevin Ehlers während einer Einheit an.  © Lutz Hentschel

"Das Besondere an ihm ist, dass er nicht besonders ist. Er hört immer hin, er versucht das umzusetzen, was man ihm sagt. Er hat Herz, er spielt mit Leidenschaft. Er hatte es einfach verdient, heute zu spielen", erklärte der Trainer, warum die Wahl auf Ehlers fiel.

Durch seine Zeit bei der U17 kennt der Coach nicht nur die Qualitäten von Ehlers, sondern das Talent weiß auch, wie Fiel tickt. "Mir war klar, dass ich mir nicht eine Sekunde Gedanken machen muss, wenn ich ihn bringe, sondern dass der seinen Mann stehen wird, wie er es bisher immer gemacht hat", lobte der Trainer.

Natürlich weiß der Spanier, dass sein größtes Talent im Kader behutsam aufgebaut und nach dem erfolgreichen Debüt erst einmal geschützt werden muss.

"Kevin hat das umgesetzt, was ich von ihm verlangt habe, wir viele andere Spieler auch, deshalb freue ich mich für den Jungen. Aber er ist noch sehr jung und muss noch sehr hart arbeiten. Denn ranzukommen, ist manchmal nicht so schwer, aber dranzubleiben umso schwerer", weiß Fiel aus eigener Erfahrung gut genug.

Er wird dafür sorgen, dass der beeindruckende Auftritt am Samstag keine Eintagsfliege war, sondern sich Ehlers in der Zukunft zu einer neuen, wichtigen und beständigen Dynamo-Säule in der Abwehr entwickelt.

Er und Minge haben das Talent erkannt, nach Dresden gelotst und geben ihm seitdem das Vertrauen, das junge Spieler wie Marcel Franke oder Toni Leistner früher unter anderer sportlicher Führung nicht bekamen und deshalb Dresden verließen, bevor sie woanders Karriere machten. Das soll mit Ehlers nicht passieren.

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