Dynamo in Magdeburg: Polizist wird bei Prozess der Falschaussage überführt

Dresden - Eine sportliche Sternstunde von Dynamo wurde für viele Fans im April 2016 zu einem wahren Albtraum. Denn während die Kicker auf dem Rasen feierten, standen die Anhänger vorm Stadion in Magdeburg, oder waren bereits auf der Rückreise.

Den Dynamo-Fans wurde vor dem Aufstiegsspiel in Magdeburg am 16. April 2016 der Zutritt zum Stadion verwehrt.
Den Dynamo-Fans wurde vor dem Aufstiegsspiel in Magdeburg am 16. April 2016 der Zutritt zum Stadion verwehrt.  © Imago

Zuvor hatten einige von ihnen schlimme, tumultartige Szenen erlebt, bei denen nicht nur Polizisten, sondern eben auch Fans selbst verletzt wurden.

Der Zutritt wurde den Anhängern noch vor dem Spiel untersagt, die Stimmung kippte. Bis heute beschäftigen sich Gerichte mit den Folgen. Die Fanszene in Dresden versucht seitdem, die Betroffenen zu unterstützen.

Hilfe finden die, die in Magdeburg, aber auch beim Spiel in Karlsruhe dabei waren, bei der Schwarz-Gelben Hilfe. Und die machte am Montagabend einen unglaublichen Fall auf ihrer Homepage und auf Facebook öffentlich.

Denn im Nachgang der Partie in Magdeburg war Andre L. (name von der Schwarz-Gelben Hilfe geändert) wegen Körperverletzung angeklagt. Er soll einen Polizisten getreten haben und stand nun am 1. Februar vor Gericht. Und dort nahm der Fall eine krasse Wendung.

Was war passiert? Im Sommer 2018 flatterte das Schreiben des Amtsgerichts Dresden bei Andre per Post ein. Enthalten war die Anklageschrift.

Die Schwarz-Gelbe Hilfe vermittelte dem Dynamo-Fan eine Anwältin. Sie tat das, was nötig ist: Akteneinsicht beantragen und die Beweismittel sichten sowie prüfen.

Die Polizei in Magdeburg auf dem Rasen vor dem Stadion.
Die Polizei in Magdeburg auf dem Rasen vor dem Stadion.  © Imago

Dabei fiel auf, dass im Prozess ein Video vom 16. April 2016, das die Szenen vor dem Magdeburger Stadion zeigt, zum Einsatz kommen soll. Die besagte Sequenz, die beweisen soll, dass Andre L. den Polizisten getreten hat, dauert fünf Sekunden.

"Es gibt unmittelbar vor dem Eingang zum Gästeblock einen Tumult in einer Menge aus Dynamofans und Polizisten. Im Hintergrund knieen Sanitäter und scheinen jemanden zu versorgen. Dynamofan Andre L. ist zu sehen. Vor ihm ein Polizist in Aktion. Andre macht eine Körperdrehung, seine Beine verschwinden zwischen anderen Personen. Der Polizist stoppt sein Handeln. Genau da soll der Tritt stattgefunden haben – die ihm vorgeworfene Körperverletzung", schreibt die Schwarz-Gelbe Hilfe.

Der Anwältin fällt auf, dass auf dem Video auch ein Dynamo-Fan zu sehen ist, der die Szene aus einer anderen Perspektive aufnimmt. Also versucht sie, an das Material zu kommen und das gelingt ihr auch.

Auf einem Internetvideoportal findet sie den Trailer zur Saison-DVD 2015/16 von "Elbkaida TV". Dort entdeckt sie am Ende des Filmes die Szene, nun ist aber auch zu sehen, dass ein Polizist umstehende Dynamo-Fans attackiert. Die Anwältin besorgt sich die Videosequenz.

Nach der Partie feierten die Spieler mit den Fans, die draußen bleiben mussten.
Nach der Partie feierten die Spieler mit den Fans, die draußen bleiben mussten.  © Imago

Am 1. Februar kommt es dann am Amtsgericht Dresden zum Prozess. Der Polizist bleibt bei seiner Darstellung, dass er sich sicher ist, von Andre L. getreten worden zu sein, denn er sei im Laufe des Einsatzes nicht weiter körperlich attackiert worden.

"Er hätte einen Tritt im Unterleib gespürt, mit einem lang anhaltenden Druckschmerz, der erst nach Tagen allmählich verschwand. Da er im gesamten Einsatz nicht weiter körperlich attackiert wurde, käme nur dieser Tritt in Betracht. Zusätzlich zu seiner Aussage stellt er auch noch einen Adhäsionsantrag. Damit macht er nun zivilrechtliche Ansprüche, sprich Schmerzensgeld, im Strafverfahren geltend", schreibt die Schwarz-Gelbe Hilfe.

Nach seiner Aussage muss der Polizist den Saal verlassen. Die Anwältin stellt einen Beweisantrag, das Video, das sie besorgt hat, wird gezeigt. "Das vermeintliche Opfer stürmt hervor, Tritt einen nebenstehenden Fan, schlägt wild um sich und stoppt erst als ein weiterer Beamter ihn an die Schulter greift. Des Weiteren sind einige Beine zu sehen. Zwei davon, welche durch die Schuhe und Hose als Andre L. identifiziert werden können, drehen sich ein – er holt jedoch nicht um zum Tritt aus, sondern geht in eine Schutzhaltung. Das Video beweist, dass der Polizist gelogen hat. Er wurde nicht getreten – jedenfalls nicht in dieser Situation", heißt es weiter.

Als der Polizist wieder in den Verhandlungssaal geholt wird, wird ihm das Video gezeigt. Daraufhin widerruft er seine Aussage, zieht seinen Antrag auf Schmerzensgeld zurück und entschuldigt sich. Der Angeklagte Andre L. wird freigesprochen.

Doch zu den Akten legen kann er den Fall damit nicht. Er zeigt den Polizisten wegen falscher Verdächtigung an. Der Tatbestand wird mit einem bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe belegt.

Wegen Falschaussagen anzeigen kann der Fan den Polizisten nicht, gegen ihn muss nun von Amtswegen ermittelt werden. Nicht nur wegen Falschaussage, sondern auch wegen des Vortäuschens einer Straftat. Darauf gibt es bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe.

Sollte der Polizist verbeamtet sein, so droht ihm nicht nur der Jobverlust, sondern wäre auch seine Pension futsch.

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