Dynamo-Hammer: Fiel schmeißt Schubert aus dem Kader!

Dresden - Die Entscheidung von Dynamo Dresdens Torhüter Markus Schubert, den Verein am Saisonende zu verlassen (TAG24 berichtete) und damit seinen Vertrag auslaufen zu lassen, schlug in der vergangenen Woche hohe Wellen.

Ralf Minge sprach im Anschluss an Fiel.
Ralf Minge sprach im Anschluss an Fiel.  © Lutz Hentschel

Einen Tag nach der Bekanntgabe machten die Fans beim Auswärtsspiel in Ingolstadt mit einem Banner und Gesängen klar, was sie von der Art und Weise, wie sich Schubert verabschiedet, halten.

"Spieler kommen, Spieler gehen, aber Du bist die größte Hure", schrieben die Fans. Wenige Tage später erklärten sich die Ultras Dynamo in einer Stellungnahme ausführlich zu der Personalie.

Am Donnerstag äußerte sich zunächst Trainer Cristian Fiel. Und die Nachricht war der Hammer, denn der Coach schmeißt den Keeper für das Spiel gegen St. Pauli aus dem Kader!

"Ich habe mich entschieden, ihn aus dem Kader zu nehmen. Ich habe ihm heute morgen meine Entscheidung mitgeteilt. Die Situation ist eine, in der es um viel geht, wir brauchen am Freitag eine Stimmung, die uns hilft, die nötigen Punkte noch zu holen um nächstes Jahr in der 2. Liga zu spielen.

Wenn der Tag kommt, an dem mir jemand sagt, wie ich aufstellen muss, dann wird das mein letzter Tag als Trainer sein. Es ist eine Entscheidung, die mir schwer fällt. Schubert ist 20 Jahre alt, er könnte mein Sohn sein. Meinem Noah würde ich das nicht zumuten wollen, was da auf ihn zukommen würde", so Fiel.

Dresden-Trainer Cristian Fiel: "Wer im Tor steht, teile ich den Betroffenen morgen mit"

Cristian Fiel verzichtet am Freitag auf Markus Schubert.
Cristian Fiel verzichtet am Freitag auf Markus Schubert.  © Lutz Hentschel

Weiter sagt der Trainer: "Ich bin jetzt 9 Jahre hier. Bei Erfolg lieben dich die Fans und tragen dich durch die Stadt. Wenn es nicht so läuft, dann zeigen sie dir das auch. Das macht diesen Verein aus.

Man muss wissen, dass Schubert für mich, für Ralf, für die Fans einer von ihnen ist. Was passiert ist, und wer daran schuld ist, das ist was anderes. Das Umfeld ist hochgradig verletzt, dann passiert sowas. Nichtsdestotrotz gilt es für die letzten Spiele alles dafür zu tun, um in der Liga zu bleiben", so Fiel.

Weiter erklärte er: "Wer im Tor steht, teile ich ihnen morgen persönlich mit. Ich denke aktuell über morgen nach. Ob Schubi nochmal ins Tor kommt, wenn der Klassenerhalt sicher ist, habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe mich in ihn reinversetzt, was auf ihn zukommen könnte. Ich habe mit zwei, drei Personen drüber gesprochen, aber am Ende habe ICH das entschieden."

Nachdem Fiel seine Ausführungen beendet hatte, kam Ralf Minge auf das Podium.

Dynamos Sportboss Ralf Minge: "Tiefer Graben im Verein!"

Ralf Minge (li.) und Cristian Fiel (re.) äußerten sich am Donnerstag zu Schubert.
Ralf Minge (li.) und Cristian Fiel (re.) äußerten sich am Donnerstag zu Schubert.  © Lutz Hentschel

"Für mich ist es in dieser Woche eine absolute Grenzbelastung. Wir haben am Dienstag einen verdienstvollen Spieler beerdigt, was mich unheimlich berührt hat. Mir war aber klar, dass ich danach mit mir im Reinen seinen werde. Insofern war das für mich ein sehr einschneidender Tag, sagte Minge mit Hinblick auf die Beisetzung von Dynamo-Legende Siegmar Wätzlich.

"Das zweite ist die Causa Markus Schubert und deren Dimension. Man hat das Gefühl, dass sich ein tiefer Graben auftut im Verein. Diese Entwicklung ist kontraproduktiv für unsere Situation", so Minge weiter.

"Als Schubert in Dresden unterschrieb, wusste keiner, wie es sportlich und wirtschaftlich weitergeht. Und trotzdem: er bekam jede Förderung. Es war ein gemeinschaftliches Investment in einen Spieler", erklärt der Sportchef.

"Man muss sich selber hinterfragen. Warum hatte Schubert einen auslaufenden Vertrag? Es gab das Kriterium im Sommer, dass Schubert die Nummer eins wird. Dann sind wir in den Bereich gekommen, Schubert bekam die Zeit. Er selbst hat die Deadline Trainingslager gesetzt. Haben Anfang Januar ein Angebot rausgeschickt, über das bis heute nicht einmal mit dem Berater gesprochen wurde. Habe eine vierseitige Beleidigungsmail bekommen, wie wir mit Schubert umgehen", erklärt Minge.

Minge steht zu "1000 Prozent" hinter der Entscheidung von Fiel, Schubert rauszunehmen

Die Ultras äußerten bei der Partie in Ingolstadt mit diesem Banner ihren Unmut über den Abgang von Schubert.
Die Ultras äußerten bei der Partie in Ingolstadt mit diesem Banner ihren Unmut über den Abgang von Schubert.

Minge ergänzt: "Wir sind vor vier Wochen zu dem Punkt gekommen, wir müssen uns nach Alternativen umschauen. Deadline war dann 10. April. Der Berater meinte, dass er immer noch mehr Zeit bräuchte. Ich war vielleicht naiv in dem Punkt", gibt Minge zu.

"Wir haben selbst nochmal mit Schubert gesprochen, unter vier Augen hat er mich informiert, dass er sich gegen Dynamo entschieden hat und in die Bundesliga wechseln möchte. Daraus resultiert dieser Riss im Verein, der unheimlich weh tut. Die Reaktion der Mannschaft in Ingolstadt war vollkommen in Ordnung und richtig. Das ist die eine Perspektive.

Die andere wird auf Fans oder Ultras bezogen. Es geht um Sponsoren, Freunde des Vereins, Mitglieder, Außenstehende, die allesamt mit der Entscheidung nicht zufrieden sind und das Recht haben, ihre Meinung zu äußern. Wenn ich nicht Geschäftsführer von Dynamo wäre, sondern im Block stehen würde, hätte ich vielleicht auch gepfiffen, keine Ahnung. Das große Problem, was zu diesem Riss geführt hat, war nicht die Entscheidung selbst, sondern der Weg dorthin", macht Minge klar.

Dynamos Planungen für die Zukunft auf der Torhüterposition

"Es gibt genügend Beispiele, wie man Trennungen auch anders vollziehen kann. Es ist ein großer Stein ins Wasser gefallen. Diese Wellen müssen wir jetzt aushalten, irgendwann werden wir wieder ruhige See haben. Das hat Kraft und Konzentration gekostet. Wir wollen nächstes Jahr wieder 2. Bundesliga spielen, zum vierten Mal in Folge, das gab es noch nicht. Wir brauchen dazu alle Ressourcen", sagt Minge.

"Die Personalentscheidung liegt beim Cheftrainer, nicht bei Minge, Mitgliedern oder den Fans. Cristian hat mir die Entscheidung heute mitgeteilt und ich stehe zu 1000 Prozent dahinter", so Minge.

"Die Situation ist nicht an Markus Schubert vorbeigegangen. Aber wir haben ihn nie in Frage gestellt. Oliver Kahn sagte in einem Gespräch zu dritt. 'Mach langsam Junge, mit 20 war ich Ersatztorhüter in Karlsruhe!' Das Niveau des ersten Beraters, der diesen Brief geschrieben hat, hat sich keiner bislang in meinen vielen Jahren Erfahrung getraut", macht Minge seine Empörung über den Umgang klar.

"Wenn das Trikot von Dynamo Dresden zu klein wird, dann wird es immer eine Exit-Möglichkeit geben. Ganz im Gegenteil, wenn dann mal einer in der Champions League spielen wird, können wir sagen: Cool, den haben wir mal ausgebildet. Auch wenn das ein derber Rückschlag war, werden wir unseren Weg so weitergehen. Ich sehe keine Problematik, was potenzielle neue Torhüter angeht. Stefan Kiefer aus der U19 werden wir wohl mit hochziehen, dazu haben wir zwei sehr gute Torhüter. Eine Option werden wir uns aber noch offen halten", berichtet Minge in Hinblick auf die Planung für diese Position.

"Schubert hat mir hoch und heilig versichert, dass der neue Verein noch nicht feststeht. Er hat bislang nur eine Entscheidung gegen Dynamo getroffen", so Minge.

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