Trauer bei Dynamo: Reinhard Häfner verstorben 

Reinhard Häfner wurde nur 64 Jahre alt.
Reinhard Häfner wurde nur 64 Jahre alt.

Dresden – Dynamo Dresden trägt Trauerflor: Vereins-Legende Reinhard Häfner ist tot. Das Dynamo-Idol erlag in der Nacht zum Montag einem Krebsleiden. Er wurde nur 64 Jahre alt.

Der langjährige MORGENPOST-Kolumnist hatte noch vorige Woche erklärt: "Nach der Chemotherapie geht es mir immer ziemlich schlecht. Ich falle manchmal sogar in eine Art Koma." Aus dem ist er diesmal nicht mehr erwacht.

Der Krebs, der im Frühjahr 2014 diagnostiziert wurde, galt im Vorjahr schon als geheilt – vor einigen Monaten kam er mit neuer Wucht zurück. Trotzdem gab Häfner seinen Job als Physiotherapeut in der Reha Nord nicht auf, stellte sich als beispielhaften Mutmacher vor die Patienten und verbreitete gute Laune und Optimismus.

Der Mittelfeld-Spieler war einer der größten Fußballer in der SGD-Geschichte. In Sonneberg geboren, kam er 1971 von Rot-Weiß Erfurt zu den Schwarz-Gelben. 519 Pflichtspiele, 69 Tore und jeweils vier Meistertitel und Pokalsiege stehen in Häfners Vita. 

Reinhard Häfner mit Eduard Geyer auf der Tribüne 2014: Beide scherzten beim Spiel von Dynamo Dresden gegen SSV Jahn Regensburg.
Reinhard Häfner mit Eduard Geyer auf der Tribüne 2014: Beide scherzten beim Spiel von Dynamo Dresden gegen SSV Jahn Regensburg.

58 Mal lief er für die DDR auf. Die Krönung gab’s 1976 mit dem Olympiasieg in Montreal, wo er das 3:1 im Finale gegen Polen schoss. Die Würdigung zum 40-jährigen Jubiläum, in diesem Sommer machten ihn noch einmal stolz.

Mit der Wende begannen Häfners Probleme. Obwohl er mit Dynamo als Trainer die Bundesliga-Qualifikation geschafft hatte, wurde er von den Schwarz-Gelben entlassen. "Das war der Knackpunkt in meinem Leben", sagte er immer wieder. Alkohol- und Spielsucht, Depressionen, Trennung von Ehefrau Gabriele – von dieser Mischung hat er sich nie richtig erholt.

Dynamos Präsident Andreas Ritter sagte: "Ich bin fassungslos, schockiert und traurig. Mit Reinhard Häfner ist nicht nur einen der größten Spieler der Vereinsgeschichte von uns gegangen. Wir haben auch einen Menschen verloren, der uns allen sehr ans Herz gewachsen war. Das Leben hat Reinhard Häfner mancher Prüfung unterzogen, und es war bewundernswert, mit welcher Kraft und positiven Energie er allen Herausforderungen begegnet ist. Unser tief empfundenes Beileid gilt in diesen Stunden seiner Familie und den engsten Angehörigen."

Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge, in den 80er Jahren mit Häfner in einer Mannschaft aktiv, dann als Spieler unter dem Trainer Häfner erfolgreich: "Es fällt mir schwer, Worte zu finden. Der Tod von Reinhard Häfner trifft uns alle ins Mark, auch mich ganz persönlich. Zwischen Reinhard und mir ist über viele gemeinsame Jahre ein sehr vertrauensvolles, freundschaftliches Verhältnis entstanden."

"Nur wenige haben so große Verdienste um unseren Verein erworben. Aber das tritt in diesem Moment in den Hintergrund. Wir haben einen liebenswerten Menschen verloren, in unsere Mitte wurde ein Loch gerissen, das schmerzt sehr. Unsere Gedanken sind jetzt bei allen Menschen, die Reinhard nahe standen."

Dynamo kündigte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Dienstag (18.30 Uhr) gegen Arminia Bielefeld an, mit Trauerflor zu spielen. Außerdem wird es eine Schweigeminute für Reinhard Häfner vor dem Anpfiff geben.

Reinhard Häfner und Udo Schmuck im Februar 2016 beim Dynamo Heimspiel gegen SV werder Bremen II.
Reinhard Häfner und Udo Schmuck im Februar 2016 beim Dynamo Heimspiel gegen SV werder Bremen II.  © Picture Point