Nach dem Dynamo-Beben: Ist der Verein noch handlungsfähig?

Dresden - Das personelle Beben auf der Führungsebene hat Zweitligist Dynamo Dresden in seinen Grundfesten erschüttert. Nach dem Rücktritt von gleich sechs Mitgliedern des Präsidiums, des Aufsichts- und Ehrenrates stellt sich vor allem eine Frage: Wie geht es jetzt weiter bei der SGD?

Die beiden Geschäftsführer Ralf Minge (li./Sport) und Michael Born (re./Kaufmännisches) mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Jens Heinig (Mitte).
Die beiden Geschäftsführer Ralf Minge (li./Sport) und Michael Born (re./Kaufmännisches) mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Jens Heinig (Mitte).  © Lutz Hentschel

Nach den Querelen der vergangenen Wochen und Tage, bei denen es vor allem um die Geschäftsführer Ralf Minge und Michael Born und deren Differenzen ging, war nach dem 0:1 gegen Greuther Fürth das gesamte Präsidium, bestehend aus Präsident Andreas Ritter sowie seinen Vize Diana Schantin und Michael Winkler, zurückgetreten.

Auch Aufsichtsrat André Gasch und die Ehrenräte Dr. Klemens Rasel und Michael Walter ihre Ämter niedergelegt. Von Grabenkämpfen, Diffamierungen, persönlichen Anfeindungen und Lügen war die Rede.

Vor allem der 56-jährige Ritter, der seit 2010 Präsident war, saß zuletzt offenbar zwischen den Stühlen. Intern hatte Ritter vor allem die fehlende Kommunikation unter den Gremien bemängelt.

"Wir wurden am Sonntagabend von den persönlichen Konsequenzen und der öffentlichen Erklärung der sechs Gremienmitglieder – insbesondere von der Art und Weise der Rücktritte – überrascht“, erklärte Dynamos Aufsichtsratsvorsitzender Jens Heinig.

Am Sonntag beim Spiel gegen Greuther Fürth bezogen die Fans im K-Block Stellung gegen Präsident Andreas Ritter.
Am Sonntag beim Spiel gegen Greuther Fürth bezogen die Fans im K-Block Stellung gegen Präsident Andreas Ritter.  © Lutz Hentschel

"Klar ist, dass wir als Verein ohne Wenn und Aber große atmosphärische Herausforderungen vor uns haben, denen wir uns – nicht nur auf der nächsten Mitgliederversammlung – stellen werden. Es ist auch eine Frage des Stils, wie man mit Konflikten innerhalb eines Vereins umgeht. Die Basis dafür sind meiner Meinung nach immer Respekt, Vertrauen, Transparenz und Ehrlichkeit. Gerade wir als Gremienmitglieder haben eine Vorbildfunktion, wenn es darum geht, wie die Kultur des Miteinanders in unserem Verein aussehen soll und wie sie tagtäglich gelebt wird. Öffentliche Schuldzuweisungen bringen uns nicht weiter. Der Verein ist im Tagesgeschäft weiter voll handlungsfähig und wir werden auch diese schwierige Situation als Herausforderung begreifen und gemeinsam bewältigen. Wir haben als Sportgemeinschaft gerade aufgrund unseres Zusammenhalts in den zurückliegenden Jahren viel größere Aufgaben gemeistert und phantastische Arbeit abgeliefert. Daraus werden wir ganz viel Motivation ziehen, auch die aktuelle Situation zu bewältigen", so Heinig.

Der Aufsichtsrat werde zeitnah zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen und der Satzung entsprechend Schritte unternehmen, um die Arbeitsfähigkeit des Präsidiums innerhalb der vierwöchigen Kündigungsfrist wieder herzustellen. Das Präsidium ist laut Satzung von der rechtsgeschäftlichen Vertretung des Vereins ausgeschlossen. Der originäre Auftrag des Gremiums besteht in repräsentativen Aufgaben.

Es gibt mit Michael Bürger derzeit einen Nachrückekandidaten für das Präsidium. Um beschlussfähig zu sein, muss das Präsidium aus mindestens zwei Mitgliedern bestehen. Ein Übergangspräsidium muss bestimmt werden. Innerhalb von zwölf Wochen muss durch die Vereinsmitglieder der SGD ein neues Präsidium gewählt werden. Die anderen Gremien seien weiter uneingeschränkt handlungs- und beschlussfähig.

Noch wichtiger dürfte für den Verein sein, wie die zwischenmenschlichen Probleme auf der Geschäftsstelle gelöst werden. Dort hatten sich zuletzt mehrere Mitarbeiter in einem Brief über Born beschwert. Einige sollen mittlerweile bereits gekündigt haben - so wie Marketingleiter und Ex-Dynamo-Spieler Falk Terjek.

Da herrschte noch Eitel Sonnenschein: Minge, Born und Heinig im Sommer 2016.
Da herrschte noch Eitel Sonnenschein: Minge, Born und Heinig im Sommer 2016.  © Lutz Hentschel

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