Nach Skandal-Spiel: Dynamo-Chef distanziert sich von Chaoten

Er sorgte mit drei Toren für die positiven Schlagzeilen: Mathias Fetsch.
Er sorgte mit drei Toren für die positiven Schlagzeilen: Mathias Fetsch.

Von Thomas Schmidt und Tina Hofmann

Rostock - Das war mit Ansage: Wie befürchtet knallte es beim Ostderby zwischen Rostock und Dynamo. Weil Dresdner Chaoten Leuchtraketen aufs Feld und in den Hansablock feuerten, stand die Partie vorm Abbruch.

Nach der Begegnung rasteten dann die Hansa-Fans in der Innenstadt aus und verletzten Polizisten.

Zwar sorgte Dynamo sportlich mit dem 3:1-Erfolg für positive Schlagzeilen, doch die Anhänger zeigten sich von einer ganz schlechten Seite.

Dynamo-Geschäftsführer Robert Schäfer: "Wer so etwas macht, nimmt in Kauf, dass Menschen verletzt werden. Das sind keine Kavaliersdelikte. Diese Leute müssen identifiziert und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Wir distanzieren uns als Verein von diesen Chaoten."

Schiri Daniel Siebert unterbrach die Partie in der 57. Minute und schickte beide Teams in die Kabine.

In der 54. Minute ging es im Dynamo-Block zunächst mit einem gelben Nebeltopf los. Dabei blieb es aber nicht, sondern das war der kleine Vorbote für das, was folgen sollte.

Im Dresdner Block wurde massiv Pyrotechnik gezündet, später flogen Raketen in den Heimbereich.
Im Dresdner Block wurde massiv Pyrotechnik gezündet, später flogen Raketen in den Heimbereich.

In den kommenden Minuten wurde massiv Pyrotechnik im Block abgebrannt, doch viel schlimmer: Die Fans schossen Leuchtraketen auf das Spielfeld und in den Fanbereich des Gastgebers.

Daraufhin blieb Siebert keine andere Wahl, als die Partie zu unterbrechen. Auch ein Abbruch stand kurz bevor.

Während die beiden Mannschaften in den Kabinen warteten, zogen sich die Geschäftsführer beider Verein zusammen mit Schiedsrichter Daniel Siebert zurück, um zu beraten, wie es weiter geht.

Nach 13 Minuten wurde die Partie wieder aufgenommen.

Nach der Partie gingen die Profis auch nicht in die Gäste-Kurve. Sportdirektor Ralf Minge: "Das haben wir so abgesprochen. Es tut mit zwar Leid für die 97 Prozent der Leute, die uns ehrlich und leidenschaftlich unterstützen. Aber wir mussten ein Zeichen setzen."

Nach dem Wiederanpfiff blieb es auf den Rängen ruhig. Nun sorgte vor allem der Dresdner Mathias Fetsch für die positiven Schlagzeilen des Tages.

Hier geht es zum Video der Pyrovorfälle, die zur Spielunterbrechung führten.
Hier geht es zum Video der Pyrovorfälle, die zur Spielunterbrechung führten.

Der ehemalige Bundesliga-Profi durfte für Sylvano Comvalius im Sturm ran und rechtfertigte das Vertrauen von Trainer Stefan Böger mit einem Dreier-Pack.

Nach sechs sieglosen Spielen feierte Dynamo damit wieder den ersten Sieg und verbesserte sich vom elften auf den fünften Tabellenplatz.

In der 25. Minute köpfte die Augsburger Leihgabe die Gäste in Führung. Nach dem Ausgleich durch Julian Moritz (52.) und der Spielunterbrechung traf Fetsch aus 17 Metern mit rechts (62.) und erneut per Kopf (87.).

Dazwischen sah Rostocks Robin Krauße Gelb-Rot (76.).

Vor der Partie sorgte Böger für Aufsehen, da er Innenverteidiger Dennis Erdmann nach seinem Auswechsel-Ausraster aus dem Dortmund-Spiel suspendierte. Er musste zuhause bleiben.

Für Dynamo könnte die Unterbrechung böse Konsequenzen haben.

Der Verein wurde nach dem Abstiegsgipfel gegen Arminia Bielefeld im Mai zu einem Spiel mit Teilausschluss der Fans (nur 7.000 Zuschauer) verurteilt. Die Strafe war bis zum nächsten gravierenden Vorfall auf Bewährung ausgesetzt. Die könnte nun vorbei sein.

Hier freut sich das Team über den ersten Treffer der Partie.
Hier freut sich das Team über den ersten Treffer der Partie.

Nach der Partie kam es im Rostocker Stadtgebiet zu massiven Ausschreitungen. Dabei handelte es sich nicht um Dynamo-Anhänger.

Wie die Rostocker Polizei am Abend mitteilte, haben mehrere Hundert Personen, die dem Fanspektrum des Vereins Hansa Rostock zuzurechnen sind, in der Hans-Sachs-Allee Polizisten sowie Gebäude mit Steinen beworfen. Zudem wurden Mülltonnen und Sperrmüllhaufen in Brand gesetzt.

Im Anschluss begaben sich circa 70 Personen vor das Gelände der Polizeidienststelle in der Ulmenstraße. Durch Steinwürfe wurden mehrere Fensterscheiben beschädigt.

Ein Beamter des Polizeihauptreviers ist durch einen Steinwurf am Knie verletzt worden. Insgesamt 55 Störer konnten durch die Polizei festgesetzt werden. Bei allen erfolgte eine Identitätsfeststellung.

Im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen im Stadion und Stadionumfeld wurden weitere fünf Polizeibeamte verletzt.

Durch den massiven Polizeieinsatz konnte ein direktes Aufeinandertreffen von Fans beider Vereine verhindert werden. Allerdings wurden an sieben Fahrzeugen der Dresdener Fans Reifen zerstochen.

Insgesamt waren 1700 Polizeibeamte verschiedener Bundesländer sowie der Bundespolizei am Einsatz beteiligt.

Fotos: DPA, Dehli-News, Screenshot Montage MDR/Mopo24


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