E-Scooter führen zu deutlich mehr schweren Unfällen als Fahrräder

Hamburg - Alarmstimmung im Krankenhaus: Seit Einführung der E-Tretroller in Hamburg sind in der Innenstadt-Klinik St. Georg 35 Verletzte nach Unfällen mit diesen Fahrzeugen behandelt worden.

Unfälle mit E-Scootern häufen sich in Hamburg. (Symbolbild)
Unfälle mit E-Scootern häufen sich in Hamburg. (Symbolbild)  © dpa/Frank Rumpenhorst

Elf Menschen wurden so schwer verletzt, dass sie operiert werden mussten.

"In den vergangenen beiden Monaten haben wir in unserer Klinik mehr Verletzte durch E-Scooter-Unfälle behandelt als Verletzungen durch Fahrradunfälle", sagte Prof. Christian Kühne, Chefarzt des chirurgisch-traumatologischen Zentrums der Asklepios Klinik St. Georg auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

"Bei den operationsbedürftigen Verletzungen sind Scooter-Fahrer beziehungsweise Verletzte nach Scooter-Unfällen aktuell sogar fünfmal stärker betroffen", berichtete Kühne weiter.

"Das ist schon erstaunlich, auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist."

Die Hamburger Innenstadt ist der Hotspot für die Anbieter der elektrisch betriebenen Tretroller, der erste brachte seine Fahrzeuge am 21. Juni auf die Straßen. Zahlen zu Unfällen mit E-Tretrollern in ganz Hamburg liegen laut Polizei nicht vor.

Den Angaben zufolge gibt es auch in einigen anderen Asklepios Kliniken E-Scooter-Unfälle - jedoch deutlich weniger als in St. Georg. Dort wurden unter anderem Verletzungen am Schädel oder im Hirnbereich, schwere Gelenkverletzungen und Prellungen behandelt.

Der Klinikbetreiber geht davon aus, dass "der Zustrom an Verletzten anhalten wird".

Ärzte haben einen dringenden Appell an alle E-Scooter-Fahrer

Zwei Männer leihen sich per Handy-App E-Scooter aus. (Symbolbild)
Zwei Männer leihen sich per Handy-App E-Scooter aus. (Symbolbild)  © dpa/Christophe Gateau

Zumal damit zu rechnen sei, dass die Anzahl der E-Scooter zunehme. Mehrere Ärzte der Kliniken appellierten an alle Fahrer dieser Tretroller, unbedingt einen Helm zu tragen, auch wenn es in Deutschland keine Helmpflicht gebe.

Mit den bis zu 20 Stundenkilometer schnellen Scootern dürfen über 14-Jährige Radwege oder - wenn nicht vorhanden - Straßen befahren.

In Hamburg sind derzeit rund 3000 E-Scooter von fünf Anbietern im Einsatz. In den freiwilligen Vereinbarungen mit der Stadt ist die Flottengröße im innerstädtischen Bereich auf 1000 E-Scooter pro Anbieter begrenzt.

Nach Angaben der Hamburger Polizei hat allein die Fahrradstaffel 17 Schwerpunktkontrollen durchgeführt (Stand August).

Das Befahren des Gehwegs oder der Fußgängerzone sei dabei der häufigste Verstoß von E-Scooter-Fahrern gewesen. In weiteren Fällen sei das Rotlicht missachtet, die falsche Radwegseite genutzt oder ein Mitfahrer mitgenommen worden.

Ein Polizeisprecher erklärte auf Anfrage: "Wir stellen immer wieder fest, dass die Nutzer sich im Vorwege offenbar nicht ausreichend über die im Zusammenhang mit E-Scootern geltenden Regeln auseinandergesetzt haben."

Jeder solle sich beispielsweise bewusst sein: Wer alkoholisiert auf einem E-Scooter erwischt werde, riskiere seinen Führerschein.

Titelfoto: dpa/Frank Rumpenhorst

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