Leiche in Koffer versteckt: Hat Ehemann seine Frau mit 76 Messerstichen getötet?

Dortmund/Zwickau - Der 24-jährige Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einem roten Aktendeckel, als er in den Gerichtssaal geführt wird. Müde sieht der zuletzt in Zwickau lebende Afghane aus, als die Richter seine Personalien aufnehmen. Und während der anschließenden Verlesung der Anklage blickt der Mann nur stumm geradeaus.

Der Angeklagte schwieg am Montag vor Gericht.
Der Angeklagte schwieg am Montag vor Gericht.  © dpa/Bernd Thissen

"Er will keine Angaben zur Sache machen", teilt sein Verteidiger Christian Isselhorst am Montag zum Prozessbeginn mit. Das gelte auch für den bisherigen Lebensweg und die Frage, wie die Ehe bisher verlaufen war.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, seine Ehefrau (21) Ende Juli 2019 in Dortmund brutal getötet zu haben. 76 Stichverletzungen zählten die Rechtsmediziner bei der Obduktion der Leiche. Darüber hinaus muss der Täter sein Opfer auch mit einem Schnürsenkel stranguliert haben.

Die Leiche wurde zwei Tage nach der Tat in einem Koffer gefunden, den vermutlich der Täter in einer Garage abgestellt hatte.

Als die Polizei zum ersten Mal in die mutmaßliche Tatwohnung gerufen wurde, fehlte von dem toten Körper noch jede Spur. Ein Freund der Wohnungsinhaberin hatte die Beamten alarmiert, weil er auf dem Boden des Wohnzimmers eine große Blutlache entdeckt hatte.

Bei der Mieterin der Wohnung handelte es sich um eine Freundin der Ehefrau des Angeklagten. Bei ihr hatte die junge Afghanin schon mehrere Wochen gewohnt, nachdem es unter den Eheleuten offenbar einen heftigen Streit gegeben hatte.

Verdächtiger wurde in Zwickau festgenommen.

In der Wohnung befanden sich damals auch die beiden Kinder der Mieterin. Auf diese hatte die Afghanin aufpassen sollen. Offenbar haben das fünfjährige Mädchen und der neun Jahre alte Junge so gut wie nichts von der Auseinandersetzung und der Bluttat mitbekommen. Der Junge soll später jedoch einer Polizistin von einem "Onkel" erzählt haben, der ihn in seinem Zimmer eingeschlossen habe. "Der Onkel hatte ganz viele rote Punkte im Gesicht", gab die Polizistin am Montag die Worte des Kindes wieder. Wahrscheinlich handelte es sich bei den Punkten um Blutspritzer.

Neben der großen Blutlache im Wohnzimmer fanden sich Blutspuren auch an zahlreichen anderen Orten der Wohnung. An den Wänden, an der Wohnungstür und an den Fenstern. Das Opfer war nach Erkenntnissen der Rechtsmediziner tatsächlich verblutet, nachdem die Messerklinge zahlreiche schwere innere Verletzungen verursacht hatte.

Der Mann wurde schließlich in seiner Wohnung in Zwickau festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hat den 24-Jährigen wegen Totschlags angeklagt, der Strafrahmen liegt zwischen fünf und 15 Jahren.

Titelfoto: dpa/Bernd Thissen

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