Wollte er die Trennung nicht akzeptieren? Bauer soll Frau mit Gülle ermordet haben

Augsburg - Weil er seine Ehefrau mit Gülle umgebracht haben soll, steht von Dienstag (9.00 Uhr) an ein Bauer vor dem Augsburger Landgericht.

Gülle soll in einem Fall auf Schwaben zum Mordwerkzeug geworden sein. (Symbolbild)
Gülle soll in einem Fall auf Schwaben zum Mordwerkzeug geworden sein. (Symbolbild)  © Patrick Pleul/ZB/dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, aus Habgier seine 51 Jahre alte Partnerin ermordet zu haben. Der Landwirt bestreitet nach Angaben seiner Anwälte die Vorwürfe vehement.

"Die Verteidigung geht vielmehr von einem tragischen Unfallgeschehen aus", teilten die Rechtsanwälte mit, nachdem die Staatsanwaltschaft Mordanklage erhoben hatte.

In der Anklageschrift heißt es, dass der Bauer aus dem nordschwäbischen Wallerstein (Landkreis Donau-Ries) im September 2018 seine Frau zunächst bewusstlos geschlagen habe. Danach habe der Deutsche dem Opfer vermutlich Gülle ins Gesicht gegossen, um die Frau zu töten. Letztlich sei die 51-Jährige wie geplant erstickt, nachdem die Gülle in den Körper gelangt sei.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Landwirt wegen einer von der Frau geplanten Trennung die Tat beging. Der Mann habe das gemeinsame Vermögen ganz für sich behalten wollen. Rund 130.000 Euro in bar habe er deshalb im Haus und im Auto versteckt.

Die Verteidiger nannten die Mordtheorie "abenteuerlich". Die Staatsanwaltschaft habe entlastende Ermittlungsergebnisse unterschlagen. Die Anwälte teilten mit, dass die Bäuerin wohl selbst in die Güllegrube hinabgestiegen und so in Kontakt zu der Jauche gekommen sei.

Ihr Mann habe sie danach leblos in der Nähe der Grube gefunden und sofort den Notarzt gerufen.

Update: Verteidiger bezeichnen Anklage im "Gülle-Mord" als reine Spekulation

Der Angeklagter (M) sitzt neben seiner Anwältin Martina Sulzberger (r) in einen Gerichtssaal des Strafjustizzentrums in Augsburg.
Der Angeklagter (M) sitzt neben seiner Anwältin Martina Sulzberger (r) in einen Gerichtssaal des Strafjustizzentrums in Augsburg.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Zu Beginn der Verhandlung am Dienstag ließen die vier Verteidiger des 55 Jahre alten Landwirts kein gutes Haar an den Ermittlungen von Kripo und Staatsanwaltschaft.

Die Anklageschrift sei "wenig präzise", kritisierte Rechtsanwalt Peter Witting. "Es ist alles offen, was passiert sein soll." Bei der Schilderung des Verbrechens werde einfach nur "spekuliert".

Zu diesen Vorwürfen äußerte sich der Mann zunächst nicht selbst in dem Prozess, er ließ seine Anwälte reden.

Die wollten auch gar nicht abstreiten, dass die Partnerschaft alles andere als gut war. "Es ist richtig, dass die Ehe seit vielen Jahren nicht mehr als eine Zweckgemeinschaft war." Zu dem Zeitpunkt des Todes der Frau sei alles wie immer bei den Eheleuten gewesen, führte Witting aus - "wie immer schlecht".

Nach den Schilderungen der Anwälte führte das Paar den Hof im Nebenerwerb. Der Mann sei schon lange der Ansicht gewesen, dass sich seine Frau zu wenig um die Landwirtschaft kümmere und habe ihr zuletzt auch kein Haushaltsgeld mehr gegeben.

Das Geschehen an der Güllegrube ist nach Überzeugung der Verteidiger aber nur ein "schlichter Unfall" gewesen.

Die Strafkammer hat zunächst 14 weitere Verhandlungstage geplant, um den Tod der Frau aufzuklären. Das Urteil wird im Januar 2020 erwartet.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa


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