Das neue "Ziemlich beste Freunde"? "Ein Dorf zieht blank" startet im Kino

Dresden - Hat diese französische Komödie die Klasse von "Ziemlich beste Freunde"? Schauspieler Francois Cluzet, der neben Omar Sy die Hauptrolle spielte, ist auch in "Ein Dorf zieht blank" dabei - als Bürgermeister eines kleinen französischen Dorfes.

Bürgermeister Georges Balbuzard (Francois Cluzet; links) blockiert mit den Bauern seines Dorfes die Autobahn, um Aufmerksamkeit zu erregen.
Bürgermeister Georges Balbuzard (Francois Cluzet; links) blockiert mit den Bauern seines Dorfes die Autobahn, um Aufmerksamkeit zu erregen.  © DPA

Er spielt Georges Balbuzard, der sich in einer schwierigen Lage befindet. Denn die Dumping-Preise für Lebensmittel (u. a. aus Deutschland!) haben in Frankreich zu einer großen Landwirtschaftskrise geführt.

Auch die Bauern des beschaulichen Dorfes Mêle-sur-Sarthe in der Normandie wissen nicht mehr weiter.

So inszenieren sie zahlreiche immer verzweifelter werdende Proteste, um das Interesse der Verantwortlichen in Rouen und Paris zu wecken, was allerdings misslingt.

Obwohl Balbuzard keine Idee hat wie es weitergehen soll, gibt er nicht auf.

Der Zufall führt dann den berühmten amerikanischen Fotokünstler Blake Newman (Toby Jones; "Die Tribute von Panem" und "Jurassic World: Das gefallene Königreich") in diese entlegene Region - denn als die Bauern auf der Autobahn protestieren und ein Weiterfahren unmöglich machen, müssen Newman und sein Gehilfe Bradley (Vincent Regan; "300" und "Kampf der Titanen") einen Umweg nehmen.

Sie fahren an einer Weide vorbei, von der Newman so begeistert ist, dass er sein neustes Fotoprojekt hier durchführen will, mit allen Dorfbewohnern darauf - allerdings nackt! Das führt zu heftigen Diskussionen im Dorf, wo viele verschiedene Meinungen aufeinanderprallen. Balbuzard muss zwischen allen vermitteln.

Fleischer Roger (Gregory Gadebois) und Gisele (Lucie Muratet) haben ganz unterschiedliche Ansichten zur Idee des Fotokünstlers.
Fleischer Roger (Gregory Gadebois) und Gisele (Lucie Muratet) haben ganz unterschiedliche Ansichten zur Idee des Fotokünstlers.  © DPA

Die Umsetzung dieser abgedrehten Geschichte ist gut. Aber auch nicht mehr.

Denn es gibt in der grundsoliden deutschen Synchronfassung nicht einen Witz, bei dem man wirklich lachen muss.

Das ist allerdings auch nicht wirklich schlimm. Denn diese Komödie mit dramatischen Elementen ist sympathisch und macht sich die Mühe, die vielen verschiedenen Ansichten detailliert herauszuarbeiten und damit einzigartige Charaktere zu erschaffen - auch in den kleinsten Nebenrollen haben die Figuren Tiefe und sind deshalb interessant.

Allerdings hat sich der erfahrene französische Regisseur Philippe Le Guay (Nur für Personal; Moliere auf dem Fahrrad) etwas zu viel vorgenommen. Es tauchen so viele Protagonisten auf, dass man leicht den Überblick verlieren kann, wenn man nicht aufpasst.

Dennoch geht sein Konzept im Großen und Ganzen auf, weil man so in die vielschichtige kleine Welt des Dorfes hineingezogen wird und wissen möchte, wie es weitergeht.

Zudem spielt der 62-jährige Cluzet (Operation Duval; Kein Sterbenswort) gewohnt vielschichtig und charismatisch, weshalb man sich diesen Film gerne anschaut und sich von der Themenvielfalt anregen lässt.

Dabei kann man auch über die ein oder andere Länge und einige übertrieben-euphorische Besprechungsszenen hinwegsehen.

Eine grundsolide, charmante französische Komödie mit einem sympathischen Francois Cluzet, aber auch kleineren Längen und wenigen echten Lachern. Ein neues "Ziemlich beste Freunde" ist "Ein Dorf zieht blank" nicht, dafür aber angenehmes Wohlfühlkino.


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