Ein Jahr danach: Flugzeugabsturz aufgeklärt!

Mit einem Propellerflugzeug des Typs Cirrus SR20 stürzte Gernot Schäfer über der Nordsee ab.
Mit einem Propellerflugzeug des Typs Cirrus SR20 stürzte Gernot Schäfer über der Nordsee ab.

Gütersloh - Vor einem Jahr stürzte der ehemalige Claas-Geschäftsführer Gernot Schäfer (76) aus Gütersloh mit seinem Flugzeug über der Nordsee ab. Er starb beim Absturz. Lange war unklar, warum die Maschine abstürzte.

Das "Dutch Safety Board" hat jetzt anscheinend die Lösung des Falls gefunden. Demnach sollen ein Strömungsabriss und Desorietierung des Piloten den Absturz verursacht haben, berichtet die Neue Westfälische.

"Der Pilot trat den Flug von Großbritannien nach Deutschland trotz der Wettervoraussagen für das Nordseegebiet an, die einen Flug sehr schwierig oder unmöglich machen", heißt es im 30-seitigen Untersuchungsbericht.

Hinzu kam die geringe Flugerfahrung Schäfers mit dem Flugzeug. Erst eine Woche vorher kaufte er das Propellerflugzeug vom Typ Cirrus SR20 in England. Er soll insgesamt nur etwa vier Stunden mit ihm geflogen sein.

Trotzdem verfügte Schäfer laut Experten mit 543 Flugstunden über genügend Erfahrung als Pilot. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Unfall durch eine technische Störung oder durch Treibstoffmangel verursacht wurde."

In etwa an dieser Stelle stürzte Schäfer in die Nordsee. Sein Flugziel was Osnabrück.
In etwa an dieser Stelle stürzte Schäfer in die Nordsee. Sein Flugziel was Osnabrück.  © Screenshot/Google Maps

Erst im August 2015 wurde das Flugzeug gewartet. Damals gab es keine Auffälligkeiten.

Ein viel größeres Problem stellte hingegen das Wetter dar. Dichter Nebel schränkte die Sicht erheblich ein. "Ein Sichtflug in der Nähe der niederländischen Küste war praktisch unmöglich."

Vermutlich flog Schäfer die meiste Zeit in den Wolken, ohne den Horizont zu sehen. Das könnte laut Experten Orientierungslosigkeit zur Folge gehabt haben.

Erste Probleme meldete der damals 76-Jährige gut sechs Seemeilen vor der niederländischen Nordseeküste. Von der Flugüberwachung bekam er daraufhin einen neuen Kurs durchgesagt.

Dem folgte er erst. Nahe der Stadt Schoorl verschwand seine Propellermaschine dann allerdings vom Radar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Schäfer in den letzten Minuten vorm Absturz desorientiert war.

Er soll laut Flugprotokoll erst sein Tempo gedrosselt, dann wieder stark erhöht haben. Etwa 14 Seemeilen westlich der niederländischen Küste soll der Gütersloher dann immer wieder stark nach oben und unten gelenkt haben.

Kurz vorm Absturz soll seine Geschwindigkeit stark abgefallen sein. Die Experten vermuten, dass die Tragflächen im Anschluss nicht mehr genügend Auftrieb hatten: Der Strömungsabriss und somit der Absturz folgten.