Ein Leipzig voller Großinvestoren? "Pizza Lab" droht die Schließung

Leipzig - Das Pizza Lab in der Georg-Schwarz-Straße ist nicht nur eine leckere, vegane Pizzaria, sondern auch ein bunter Experimentierkasten für kulturelle und soziale Projekte aller Art. Wie viele andere kleine Clubs und Bars in Leipzig droht ihnen nun aber das Aus - behördliche Auflagen drohen dem kleinen Verein das Genick zu brechen. TAG24 hat mit Vorstandsmitglied Marenka gesprochen.

Das Pizza Lab könnte man tatsächlich als Labor betrachten - nicht nur mit den Drinks wird herumexperimentiert.
Das Pizza Lab könnte man tatsächlich als Labor betrachten - nicht nur mit den Drinks wird herumexperimentiert.  © Pizza Lab Team

TAG24: Ihr sammelt gerade Spenden für den Erhalt des Pizza Lab auf der Crowdfunding-Plattform „Startnext“. Wie ist denn da der jetzige Stand?

Marenka: Aktuell konnten wir rund 7200 Euro (aktueller Stand: 8378 Euro) von insgesamt 20.000 benötigten Euros sammeln. Das stimmt optimistisch, denn zwischenzeitlich ging die Sache relativ schleppend voran. Wenn wir die 10.000 Euro geknackt haben, ist schon mal ein sehr großer Schritt gemacht, dann können wir relativ zuversichtlich sein.

TAG24: Wofür genau wird das Geld gebraucht?

Marenka: Einen Großteil des Geldes brauchen wir, um den Laden brandschutzsicher zu machen, das heißt, wir benötigen zunächst eine Brandschutzdecke und besondere Feuermelder, denn die normalen Melder lösen bei dem Rauch aus unserem Pizzaofen zu schnell aus. Da Teile des Gebäudes denkmalgeschützt sind, brauchen wir auch eine bestimmte Brandschutztür. Da sind wir schonmal inklusive Ab- und Aufbauarbeiten bei etwa 17.000 Euro.

Hinzu kommt, dass wir all unsere bisherigen Reserven, die wir eigentlich für die Umsatzsteuer brauchen, bereits für ein Brandschutzkonzept und ein Umnutzungskonzept der Räumlichkeiten für je ca. 1300 Euro aufgebracht haben, diese auch kostenpflichtig geprüft werden mussten, was nochmal 800 Euro gekostet hat – das Bauamt wollte dann auch noch mal 1300 Euro... Wir haben also schon fast 5000 Euro verwendet, aber noch nicht mal gebaut.

Ehrenamtliche Mitarbeiter backen Euch im Pizza Lab täglich vegane Pizza.
Ehrenamtliche Mitarbeiter backen Euch im Pizza Lab täglich vegane Pizza.  © Pizza Lab Team

TAG24: Warum würdest Du sagen, es geht bei dieser Spendenaktion nicht nur um das Pizza Lab?

Marenka: Die Vereine hier in Leipzig schaffen das, was die ganzen normalen Geschäfte nicht schaffen: Die Nachbarschaft zusammenzubringen, das kulturelle Miteinander zu beleben. Es ist einfach sehr traurig und frustrierend, wenn solche tollen Projekte und Vereine an der Bürokratie scheitern. Die Vereine hier in Leipzig schaffen das, was die ganzen normalen Geschäfte nicht schaffen: Die Nachbarschaft zusammenzubringen, das kulturelle Miteinander zu beleben. Kosten wie die, die ich Dir aufgelistet habe, können sich nur Großinvestoren und Unternehmen leisten.

Dann ist eine Gegend wie die Georg-Schwarz-Straße voll mit Starbucks oder anderen Franchise-Stuben. Wenn man einen Kaffee braucht, dann kauft man Kaffee, wo Kaffee ausgeschenkt wird. Im Pizza Lab entscheidet die Kundschaft über das, was im Stadtteil passiert, und zwar nicht nur mit Geld, sondern auch mit Arbeit und Kreativität und Verspieltheit. Hier im Pizza Lab kommen die Leute zusammen, können sich ausprobieren.

Es steckt auch sehr sehr verdammt viel Arbeit in dem Projekt. 120 Stunden stecken Freiwillige arbeiten Ehrenamtler hier jede Woche in der die Vorbereitung, der Verwaltung und der Küche. Das schmerzt einfach, wenn sowas verschwinden würde.

TAG24: Von wo würdest Du Dir hier mehr Hilfe erhoffen? Meinst Du, die Politik müsste sich ändern?

Marenka: Das Problem ist, dass Vereinsgastronomien in Leipzig rechtlich wie Gewerbe behandelt werden, mit den gleichen Auflagen versehen werden wie zum Beispiel Geschäfte. Das kann ein gemeinnütziger Verein, der vom Ehrenamt lebt, aber nicht stemmen. Vereine bräuchten einen besonderen Status, man müsste da Ausnahmen machen können oder unterstützt werden. Wahrscheinlich ist das aber etwas, was auf Länderebene entschieden werden müsste. Dagegen war das Leipziger Bauordnungsamt überaus kulant, sie hätten uns 2017 auch gleich dicht machen können, als sie den Fall geprüft haben.

TAG24: Wie kann man dem Pizza Lab helfen, auch wenn man nicht gerade viel Geld übrig hat?

Marenka: Jeder Euro zählt, auch wenn es nur 1 Euro ist, den man spenden kann. Besucht am besten eins der vielen Events in den kommenden Tagen, dann könnt Ihr Euch vorstellen, was das für ein Ort ist und auch Euren Freunden davon erzählen. Teilt unseren Spendenaufruf und kommt gerne und oft zum Pizza essen vorbei!

TAG24: Für jemanden, der das Pizza Lab nicht kennt: Was passiert das in Eurem Labor?

Marenka: Das Pizza Lab ist tatsächliche eine Art Labor: Jeder kann sich hier ohne große Kosten und Aufwand ausprobieren, seien es Künstler, Yoga-Lehrer oder Menschen, die Ideen für Veranstaltungen haben. Es gibt Tattoo-Partys, auf denen Du Dch bei kleineren Künstlern tätowieren und bemalen lassen kannst, Open Mic-Veranstaltungen, wo jeder sich als Musiker ausprobieren kann, Yoga-Stunden, Aktzeichnen, Konzerte und viel mehr.

Eine gute Gelegenheit, sich das Pizza Lab mal genau anzusehen, ist am Freitagabend ab 20 Uhr. Da tritt Kartentrickser Jin Lee mit seiner kleinen, interaktiven Show "And A Pack Of Cards" auf. Statt dem Eintritt sind Spenden für das Pizza Lab gerne gesehen. Zur Crowdfunding-Kampagne kommt Ihr hier.

120 Stunden verbringen die ehrenamtlichen Mitarbeiter insgesamt in einer Woche im Lab.
120 Stunden verbringen die ehrenamtlichen Mitarbeiter insgesamt in einer Woche im Lab.  © Pizza Lab Team

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