Ein Loch, das nicht mehr da ist! BGH urteilt im Kunst-Streit

Karlsruhe/Mannheim - Seit Jahren kämpft die Künstlerin Nathalie Braun Barends um zwei dem Um- und Neubau der Kunsthalle Mannheim zum Opfer gefallene Installationen - am Donnerstag (9 Uhr) verkündet der Bundesgerichtshof (BGH) in letzter Instanz sein Urteil.

Die Künstlerin Nathalie Braun Barends will nicht hinnehmen, dass ihre zwei Kunstinstallationen dem Umbau zum Opfer fielen.
Die Künstlerin Nathalie Braun Barends will nicht hinnehmen, dass ihre zwei Kunstinstallationen dem Umbau zum Opfer fielen.

Der Gebäudeteil, in dem sich einmal die als "Mannheimer Loch" bekannt gewordene Arbeit "HHole" durch Öffnungen in den Decken über sämtliche Ebenen zog, ist inzwischen entkernt und offen bis unters Dach.

Die Lichtinstallation "PHaradise" wurde bei einer Dachsanierung entfernt.

Die Künstlerin sieht ihr Urheberrecht verletzt. Für den Fall, dass sie ihre Werke nicht wiederaufbauen darf, fordert sie hohe Summen Schadenersatz von der Stadt Mannheim - bisher ohne Erfolg.

Die Gerichte meinten, dass der Eigentümer die Möglichkeit haben müsse, sein Gebäude anderweitig zu nutzen und umzugestalten.

Die Karlsruher Richter wollen in ihrem Urteil erstmals Maßstäbe dafür entwickeln, wann zu diesem Zweck Kunst vernichtet werden darf und wann nicht.

Entschieden wird auch ein Streit aus Berlin. Hier hatten Künstler eine Schwarzlicht-Minigolfanlage mitgestaltet. Der Betreiber ließ nach kurzer Zeit alles wieder ummodeln.

Die Arbeit "HHole" erstreckt sich durch runde Öffnungen über sieben Ebenen der Mannheimer Kunsthalle.
Die Arbeit "HHole" erstreckt sich durch runde Öffnungen über sieben Ebenen der Mannheimer Kunsthalle.  © DPA

Update 11.30 Uhr

Künstler haben grundsätzlich das Recht, die Vernichtung eines ihrer Werke zu verbieten - ist es allerdings Teil eines Bauwerks, gehen die Interessen des Eigentümers an einer Neugestaltung in aller Regel vor. Dieses Urteil hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Donnerstag verkündet.

Damit steht nach jahrelangem Streit fest, dass die Kunsthalle Mannheim zwei Installationen der Künstlerin Nathalie Braun Barends dem großangelegten Um- und Neubau opfern durfte. Dazu gehört die als "Mannheimer Loch" bekannt gewordene Arbeit "HHole", die sich in einem Gebäudeteil durch Öffnungen in den Decken über sämtliche Ebenen zog.

Möglicherweise stehen der Künstlerin aber noch bis zu 66 000 Euro Vergütung für diese Arbeit zu. Darüber muss das Oberlandesgericht Karlsruhe neu verhandeln. Laut BGH sind die Ansprüche nicht verjährt.

Die Richter entschieden, dass das Urhebergesetz den Künstler nicht nur vor der Verfälschung, sondern auch vor der Vernichtung seiner Werke schützt. Das war bisher umstritten. Interessen des Eigentümers können dem aber entgegenstehen.

Titelfoto: DPA

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