"Einer der größten Musiker unserer Zeit": So trauert die Musikwelt um Mariss Jansons

München - Die Musikwelt trauert um Mariss Jansons. Der Stardirigent ist in der Nacht zum Sonntag im Alter von 76 Jahren in St. Petersburg gestorben, wie eine Sprecherin der Wiener Philharmoniker am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur bestätigte (TAG24 berichtete).

Die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks posieren mit ihrem Chef-Dirigenten Mariss Jansons. (Archivbild 2016)
Die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks posieren mit ihrem Chef-Dirigenten Mariss Jansons. (Archivbild 2016)  © Matthias Balk/dpa

Jansons hatte im Juni auf ärztliche Empfehlung seine Konzerte mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bis Ende August abgesagt.

Der 1943 im lettischen Riga geborene Jansons zählte zu den bedeutendsten Dirigenten weltweit. Staatspräsident Egils Levits und Außenminister Edgars Rinkevics würdigten in Riga den Verstorbenen: "Ihr Talent wird immer im Sternbild Lettlands und der Weltmusik bleiben und in unseren Herzen", twitterte Levits am Sonntag.

Rinkevics schrieb auf dem Kurznachrichtendienst: "Wir danken ihm für seine Liebe und Hingabe zur Musik, für seine positive Energie und Inspiration".

Seit 2003 leitete er das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

2015 hätte er vielleicht die Möglichkeit gehabt, Chef der Berliner Philharmoniker zu werden. Doch er blieb am Ende seinem Münchner Orchester treu, mit dem ihn so etwas wie eine Liebes- und Lebensbeziehung verband. 2018 wurde sein Vertrag bis 2024 verlängert.

In der norwegischen Hauptstadt Oslo hatte Jansons den Grundstein für seine Weltkarriere gelegt. Von 1979 bis 2000 wirkte er als Chefdirigent der Osloer Philharmoniker, die er zu einem internationalen Spitzenorchester machte.

Ausnahmekünstler: Trauer um Dirigent Mariss Jansons

Mariss Jansons, Dirigent aus Lettland starb im Alter von 76 Jahren. (Archivbild 2016)
Mariss Jansons, Dirigent aus Lettland starb im Alter von 76 Jahren. (Archivbild 2016)  © Herbert Neubauer/APA/dpa

BR-Intendant Ulrich Wilhelm sagte, Jansons habe Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks zu dem geformt, was sie heute sind: "Sie zählen zu den besten Klangkörpern der Welt. Seine Präzision am Pult und sein von Menschlichkeit geprägter Umgang mit den Musikerinnen und Musikern machten ihn zu einem Ausnahmekünstler".

Wie der Vorstand der Wiener Philharmoniker, Daniel Froschauer, erklärte, widmeten die Wiener ihr Sonntagskonzert dem Maestro. Jansons war Ehrenmitglied der Philharmoniker. "Mit ihm verbindet uns eine jahrzehntelange enge künstlerische Partnerschaft und eine tiefe persönliche Freundschaft", hieß es.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte: Jansons habe sich "aus Bayern heraus auf der ganzen Welt großartige Verdienste erworben und war als Stardirigent gefeiert". Kunstminister Bernd Sibler (CSU) erklärte: "Mit Mariss Jansons verlieren wir einen der ganz großen Dirigenten unserer Zeit."

Jansons wurde vielfach geehrt, er ist Träger des Ernst von Siemens Musikpreises (2013) und des Opus Klassik für das Lebenswerk (2019), wurde zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien sowie der Royal Academy of Music in London ernannt. Er ist auch Ehrenmitglied der Berliner Philharmoniker.

2017 erhielt Jansons die Goldmedaille der Royal Philharmonic Society, eine der höchsten Auszeichnungen für klassische Musik. "Mariss Jansons ist einer der größten Musiker unserer Zeit. Sein Dirigat ist eine kraftvolle Kombination aus Disziplin und Inspiration, und seine herausragenden Darbietungen sind den Nuancen der Partitur von Natur aus treu, während sie mit neuen Entdeckungen und Einblicken in das Herz der Musik gefüllt sind", hieß es damals zur Begründung.

Dreimal dirigierte Jansons das berühmte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker - auch dies für jeden Dirigenten eine besondere Ehre.


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