Dieses Gedicht soll sexistisch sein? Jetzt wehrt sich der Verfasser!

Nach Studenten-Protesten gegen ein Gedicht von Eugen Gomringer wird die Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf eine Fassade neu gestalten.
Nach Studenten-Protesten gegen ein Gedicht von Eugen Gomringer wird die Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf eine Fassade neu gestalten.  © David von Becker/ASH Berlin/dpa

Berlin - Die Alice Salomon Hochschule in Berlin will ein angeblich sexistisches Gedicht an ihrer Fassade übermalen.

Der Akademische Senat beschloss am Dienstag mehrheitlich, statt des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer ab dem Herbst die neue Poetik-Preisträgerin Barbara Köhler mit Verszeilen zu Wort kommen zu lassen.

Angehörige der Hochschule hatten moniert, Gomringers auf Spanisch verfasstes Gedicht "avenidas" könne Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden. Sie bezogen sich dabei auf den Satz: "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer".

Gomringer sieht die geplante Übermalung seines Gedichts äußerst kritisch. "Das ist ein Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie", sagte der 93-Jährige am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Er behalte sich rechtliche Schritte vor.

Gomringer sagte, letztlich gehe es den Verantwortlichen um die Entfernung eines "nicht weichgespülten Gedichts" im Sinne einer falsch verstandenen political correctness. Sollte sich der Schritt nicht vermeiden lassen, habe er die Hochschulleitung aufgefordert, mit drei Plakaten an sein Gedicht und die Debatte darum zu erinnern.

Der Fall hatte international Aufsehen erregt. Das Deutsche PEN-Zentrum und der Kulturrat warnten vor Zensur.


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